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Loveparade-Drama: Video bisher unveröffentlichter Aufnahmen

Veranstalter Rainer Schaller will mit einem aufwendig gemachten Film die Schuld am Tod von 21 Menschen der Polizei zuschieben. Nun ist das sechsminütige Video online. Polizei und die Stadt Duisburg sind entsetzt.

Der sechsminütige Dokumentarfilm wurde von Lopavent am 30. August 2010 ins Web gestellt.

Heute wurde der Film im Internet auf der Website von Lopavent veröffentlicht. Dazu steht: «Bei der Loveparade 2010 in Duisburg starben 21 Menschen, zahlreiche wurden verletzt. In den vergangenen Wochen ist über die Geschehnisse des Tages viel spekuliert worden. Dieser Film zeigt, was sich am 24. Juli 2010 ereignet hat. Er basiert auf den Aufzeichnungen der Überwachungskameras, erklärenden Animationen, Dokumenten, Presseberichten und den Aussagen von Augenzeugen.»

Laut Schaller habe die Polizei entscheidende Fehler gemacht, als sie in Kettenformationen an verschiedenen Stellen die Menschen aufgehalten hätte. Schaller dazu im «Spiegel»: «Keiner von uns kann sich erklären, warum die Polizei die Ketten im Tunnel gebildet hat und welche Funktion die Kette am unteren Ende der Rampe haben sollte. Ich glaube, ohne diese Kette würden die 21 Menschen noch leben.»

Rainer Wendt, Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), sagt laut Bild.de, die Beamten hätten «teilweise unter Einsatz ihres Lebens versucht, die schlimmsten Folgen der schlampigen Loveparade-Planung zu verhindern». Ein weiterer Polizeioffizier: «Der Veranstalter hat die Polizei um Hilfe gebeten, weil sein Sicherheitskonzept zusammengebrochen war. Er hatte zugesagt, die Eingangsschleusen zu schliessen. Das ist nicht geschehen.»

Die Bitte des Staatsanwalts

Die Staatsanwaltschaft Duisburg wollte die Veröffentlichung der Überwachungsvideos verhindern, kann dies aber nicht. «Nach meinen Informationen sieht die Staatsanwaltschaft Duisburg keine Möglichkeit, die Pläne Schallers juristisch zu stoppen», sagte Rainer Wendt der «Neuen Osnabrücker Zeitung».

Die Behörde habe aber Schaller in einem Schreiben «dringend aufgefordert, das Material der sieben Überwachungskameras aus Gründen der Pietät und Rücksicht auf die laufenden Ermittlungen nicht zu veröffentlichen», hob er hervor.

«Das Allerletzte»

Auch Wendt warnte Schaller rund vier Wochen nach der Katastrophe mit 21 Toten und Hunderten Verletzten vor dem Schritt an die Öffentlichkeit: «Es wäre das Allerletzte, die Hinterbliebenen im Netz mit den Bildern ihrer sterbenden Angehörigen zu konfrontieren.» Zudem bestehe ein erhebliches Risiko, mit den Videoaufnahmen Zeugen der Vorfälle zu beeinflussen. «Herr Schaller manipuliert und verdunkelt, wo er kann. Ihm geht es offenbar nicht um die Wahrheit, sondern nur darum, seinen eigenen Hals zu retten», kritisierte Wendt weiter.

Unterdessen berichtete der WDR, dass es in der kritischen Phase im Lagezentrum von Veranstalter und Polizei nach Angaben einer Sicherheitsfirma zu technischen Störungen gekommen sein soll. Es habe Kamerabilder gegeben, die plötzlich verschwunden seien, sagte der Geschäftsführer der Kölner Sicherheitsfirma R.A.D., Robert Ahrlé, dem Sender. Die Kameras seien ausgefallen, weil sie von Ravern bei ihrer Flucht aus einem Tunnel unbeabsichtigt beschädigt worden seien.

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