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Frage des Tages: Können Mann und Frau wirklich Freunde sein?

Themenwoche Freundschaft: Können Mann und Frau wirklich Freunde sein – oder kommt ihnen die Biologie dazwischen? Was meinen Sie? Stimmen Sie am Ende des Artikels ab!

Würden Sie Ihren Freund mit seiner besten Freundin in die Ferien reisen lassen? Oder umgekehrt gefragt: Die Freundin mit einem ihrer besten Freunde? Ja? Was, wenn die beiden ein Hotelzimmer teilen müssten? Und Alkohol im Spiel ist?

Noch vor 30 Jahren stellten sich diese Fragen nicht. Männer, die platonische Freundschaften mit Frauen hatten, waren die Ausnahme – oder schwul. Heute, da sich die Lebensrealitäten von Männern und Frauen stark überschneiden und Geschlechterrollen sich auflösen, ist die platonische Freundschaft zwischen Mann und Frau häufiger. Trotzdem würden wohl viele die eingangs gestellte Frage mit einem deutlichen Nein beantworten. Denn können ein Mann und eine Frau wirklich nur Freunde sein? Ist die Macht der Sexualität nicht stärker als jene der Freundschaft?

Unterdrückte Zuneigung

Zumindest Hollywood ist sich sicher: Männern und Frauen kommt früher oder später der Sex dazwischen. So sind Harry und Sally dazu verdammt, miteinander im Bett zu landen. Und sogar die menschlichen Kühlschränke Mulder und Scully aus «Akte X» können sich auf die Dauer nicht widerstehen. Nun sind flirtende und kopulierende Menschen filmtauglicher als platonisch dahin schwadronierende Paare. Doch auch die Evolutionsbiologie zeigt: Jede halbwegs gleichaltrige Person des anderen Geschlechts ist ein potenzieller Fortpflanzungspartner. Wobei Männer eine zweieinhalbmal stärkere Tendenz als Frauen haben, bei einer neuen Bekanntschaft eine mögliche sexuelle Beziehung zu vermuten.

Nun reagieren nicht alle Menschen beim Anblick des anderen Geschlechts mit Fortpflanzungsfantasien. So fand die US-Soziologin Kathy Werking mit einer Studie heraus, dass 32 Prozent der Frauen und 57 Prozent der Männer ihre besten Freunde körperlich attraktiv finden. Die amerikanische Kommunikationsforscherin Heidi Reeder kam zu einem ähnlichen Resultat – wobei 14 Prozent sich insgeheim nach einer Liebesbeziehung sehnten. 39 Prozent der Befragten hatten früher romantische Absichten gehabt.

Funktionierende Mann-Frau-Freundschaften

Dass Männer und Frauen nur Freunde sein können, scheint also möglich, was auch Soziologe Janosch Schobin gegenüber Redaktion Tamedia bestätigt – wenn auch mit Vorbehalten: «Passieren tut das. Generell sind Freundschaften jedoch sehr geschlechtshomogen, was mit der Gelegenheitsstruktur zu tun hat. Wenn Freundschaften entstehen, befindet man sich häufig in geschlechtshomogenen Situationen, etwa als Teenager in Peergroups.» Und in Zeiten wie dem Studium, in denen man gegengeschlechtliche Freunde kennen lernen könnte, sei man gleichzeitig auf Partnersuche.

Auch in der Soziologie gilt für gegengeschlechtliche Freundschaften offenbar: Theoretisch möglich, praktisch häufig schwierig gestaltbar. Wie aber sehen funktionierende Mann-Frau-Freundschaften aus? Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein? Hier eine kleine Typologie, die sich aus obigen Studien und Feststellungen ableitet:

-Eine Frau und ein Mann, die sich einst körperlich attraktiv fanden, jedoch den richtigen Zeitpunkt für eine Beziehung verpasst haben. (Oft, weil einer der beiden in einer Beziehung war.) Denn ist ein bestimmtes Mass an Vertrautheit erreicht, nimmt das erotische Prickeln in der Regel ab.

-Freunde, die gegengeschlechtliche Rollen einnehmen: Der Mann verhält sich eher weiblich, die Frau männlich.

-Freunde, die sich zwar durchaus gegenseitig angezogen fühlen, aber sich bewusst sind, dass durch eine Affäre die Freundschaft verloren ginge – was sich unter dem Strich nicht rechnen würde.

-Freunde, die aus moralischen Überlegungen ihre Gefühle unterdrücken (weil der Freund zum Beispiel eine Familie hat).

-Eine Frau und ein Mann, die einst kurz etwas miteinander hatten, doch der Sex war so schlecht, dass sich eine Wiederholung des Experiments ausschliesst. (Weiter müsste geklärt werden, ob eine Affäre generell den Boden für eine Freundschaft ebnen kann. Gehen nicht gerade Männer entspannter mit Frauen um, denen sie sexuell nichts mehr beweisen müssen?).

Um die Eingangsfrage abschliessend zu beantworten: Mann plus Frau plus Hotelzimmer ergibt nicht zwangsläufig Sex. Und Vertrauen ist sowieso nie falsch. Aber ein Blick auf das genaue Verhältnis der Reiseteilnehmer empfiehlt sich - oder? Was ist Ihre Meinung zum Thema: Ist eine platonische Freundschaft zwischen Mann und Frau möglich?

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