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Bildstrecke: Kneubühls Festnahme

Während der Fahndung des heute verhafteten Peter Hans Kneubühl wurde klar, dass bei dieser Person nichts klar ist. Kann es sein, dass er 30 Jahre lang wie ein Phantom in Biel gelebt hat? Ein Experte nimmt gegenüber Redaktion Tamedia Stellung.

Der sechsjährige Polizeihund «Faro» ist der grosse Held.
Der sechsjährige Polizeihund «Faro» ist der grosse Held.
zvg
Vertreter der Medien versammlen sich bei der Wiese.
Vertreter der Medien versammlen sich bei der Wiese.
Jon Mettler
Ein Polizeiwagen vor Ort. Für die Bevölkerung ist die Verhaftung eine Erleichterung.
Ein Polizeiwagen vor Ort. Für die Bevölkerung ist die Verhaftung eine Erleichterung.
Jon Mettler
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Von Phantom war die Rede, auch von der Erfindung einer Person: Klar ist, Peter Hans Kneubühl wohnte zwar in einem lebendigen Bieler Quartier, aber weder die Behörden noch die Nachbarn kannten den Mann. «Wir wollen Peter Hans Kneubühl kennenlernen», hiess es denn auch noch zu Beginn dieser Woche von Seiten der Polizei an einer Pressekonferenz. Eine der ersten Stellen in solchen Fällen ist die Einwohnerkontrolle.

«Das kommt oft vor, dass die Polizei bei uns nach Personendaten fragt», sagt Franz Behrens, Chef des Zürcher Personenmeldeamtes (Einwohnerkontrolle), zu Redaktion Tamedia. In der Regel findet dieser Austausch schriftlich statt, «wenn es schnell gehen muss auch mal mündlich». Vom Datenschutz her gebe es gegenüber anderen Behörden hier keine besonderen Schranken, die Personenangaben würden überdies – mit Ausnahme der Konfession – als «nicht besonders heikel» eingestuft. Erfasst werden also auch Daten zu Alter und Beruf.

Präzise Angaben zum Alter

Im Fall Kneubühl haperte es aber schon hier. Einmal war der bewaffnete und während über einer Woche flüchtige Mann, der Biel in Angst und Schrecken versetzte, 67 Jahre alt, dann wieder 63 Jahre. Beim Beruf war lange die Rede vom ETH-Absolventen und Mathematiker Kneubühl. Davon wollte aber keine Hochschule etwas wissen. Auch an Schulen war demnach nichts von etwelcher Unterrichtstätigkeit bekannt. Dass auch noch ein falsches Fahndungsfoto in Umlauf geschickt wurde, war wohl der Höhepunkt polizeilicher Irrungen.

Zumindest beim Alter aber sollte eine präzise Angabe möglich sein. Beim Personenmeldeamt muss man mit dem Heimatschein antraben. Wie kann es da zu Verwirrungen kommen? Behrens kann sich das nicht erklären. Genauso wenig wie Medienberichte, wonach Kneubühl während 30 Jahren unangemeldet in Biel gewohnt haben soll.

Zirka 2000 unangemeldete Personen in Zürich

«Es ist schon möglich, dass jemand unangemeldet über längere Zeit in einer Gemeinde lebt», so der Zürcher Chefbeamte, aber sicher nicht über diesen langen Zeitraum. Behrens weiss, wovon er spricht, immerhin 34 Jahre schon arbeitet er beim Zürcher Personenmeldeamt. Und einen Fall, bei dem eine Person drei Jahrzehnte lang unangemeldet in Zürich wohnhaft war, kennt er nicht.

Ein paar Monate, «das kommt sicher des Öfteren vor». Behrens lässt sich sogar auf eine Schätzung ein: «Ich glaube, dass die Zahl derer, die vorübergehend unangemeldet in Zürich leben unter einem Prozent liegt.» Zwar wären das bei einer Einwohnerzahl von rund 380'000 knapp 4000. Behrens spricht aber lieber von zirka 2000.

Irgendwann kommt es zum Vorschein

Grundsätzlich sei es gesetzliche Pflicht, dass sich jeder Bürger bei der Niederlassung in einer Gemeinde bei den Behörden anmelden muss. In der Pflicht sind überdies auch die Wohneigentümer, also die Immobilienverwaltungen. Auch diese müssten die neu eingezogenen Bürger melden. Falle dann doch jemand durch die Maschen, oder die Person meldet sich absichtlich nicht, sieht Behrens genug Chancen, doch noch auf diese Leute aufmerksam zu werden. «Sei das ein Kreditkartenantrag, eine Personenkontrolle, die Krankenkasse oder etwas anderes.»

Für unmöglich hält Behrens, dass Kneubühl mit dem Steueramt zu tun hatte sowie Strom und Wasser bezog, ohne dass er angemeldet war. «Das kann nicht sein, vom Personenmeldeamt gehen ja überhaupt die Anmeldungen an die anderen Ämter weiter.»

Keine Phantome bitte

Im ganzen Meldewesen verspricht sich Behrens in nächster Zeit Verbesserungen. So sind durch die eidgenössische Registerharmonisierung die Daten vereinheitlicht worden. Das verbessere den Austausch und die Vergleichbarkeit von Daten zwischen den Ämtern. Noch immer aber sind die Kantone für die Ausführungsbestimmungen des eidgenössischen Gesetzes verantwortlich. Gemeinden stehen auch nicht in der Pflicht, Bürger, die sich abgemeldet haben, darauf zu überprüfen, ob sie sich an einem neuen Ort wieder angemeldet haben.

Was im Fall Kneubühl wirklich schiefging, welche Behörden was wann wussten und wo allenfalls falsche Daten übermittelt wurden – diese Fragen werden in der Nachbearbeitung der aufwendigen Fahndungsaktion geklärt werden müssen. Dass eine real existierende Person zum Phantom erklärt werden muss, sollte bei allen Behörden in der Schweiz ein Alarmsignal auslösen.

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