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Bildstrecke: Japan im Ausnahmezustand

Die Katastrophe im Nordosten Japans lief für Tokio bisher glimpflich ab. Die Gefahr ist aber nicht gebannt: Gemäss Geologen hat sich die Wahrscheinlichkeit eines schweren Erdbebens für die Hauptstadt erhöht.

Auf den Strassen ist nicht viel los: In Tokio ist das öffentlich Leben fast zum Stillstand gekommen. (21. März 2011)
Auf den Strassen ist nicht viel los: In Tokio ist das öffentlich Leben fast zum Stillstand gekommen. (21. März 2011)
Reuters

Die massiven Erschütterungen vom 11. März hätten die Erdoberfläche verändert und dadurch Druck an einer Verwerfung in der Nähe der japanischen Hauptstadt Tokio aufgebaut, sagt Roger Musson vom Britischen Geologischen Institut.

Das bedeute nicht, dass ein ebenso starkes Erdbeben die japanische Hauptstadt treffen werde. Die Struktur der tektonischen Platten und Verwerfungen sei dort eine andere, was ein Beben derselben Intensität wie jenes am 11. März mit einer Stärke von 9.0 unwahrscheinlich macht, sagt Musson.

Doch angesichts der grossen Bevölkerungsdichte - in Tokio und Umgebung leben 39 Millionen Menschen - könnte auch ein schwächeres Beben verheerend sein. «Auch wenn es zum Beispiel eine Stärke von 7.5 hätte, wäre das ernst», erklärt der Seismologe.

Verwerfungen wie jene unter Tokio entstehen dort, wo zwei Kontinentalplatten aufeinanderstossen, auseinandertreiben oder aneinanderreiben.

Kontinentalplatten verschoben

Das Erdbeben vom 11. März hat am Meeresboden einen Graben von 380 Kilometer Länge und 190 Kilometer Breite aufgeworfen, als eine dieser tektonischen Platten sich neun Meter unter eine andere legte, erklärt Eric Fielding vom Jet Propulsion Laboratory der US-Weltraumbehörde Nasa.

Das habe zwar Druck an der Bruchstelle abgebaut, ihn aber in den anliegenden Segmenten erhöht - und das könnte ein gefährliches Nachbeben in der Nähe von Tokio auslösen, meint auch Brian Atwater vom Geologischen Institut der USA.

Das wäre ein gängiges Szenario nach grossen Erdbeben. So folgte etwa drei Monate nach dem Beben und dem Tsunami 2004 vor Indonesien, bei dem 240'000 Menschen starben, ein Nachbeben der Stärke 8.6 etwas weiter entlang der Verwerfung. Auf den wenig bewohnten Nias-Inseln kamen damals 1000 Menschen um.

«Aber es ist schwierig zu sagen», sagt Atwater. «Es gibt gute Beispiele, dass ein solcher Druckaufbau zu weiteren Erdbeben führt, aber es gibt auch gute Beispiele dagegen.» Ausserdem könnte sich dieser Druck auch anderswo - und nicht vor Tokio - entladen. Laufend kämen ausserdem auch neue Informationen herein, sagen zwei Wissenschaftler am Geologischen Institut der USA. Man werde aber vor allem die Verwerfung unter Tokio genau beobachten.

Immer wieder Beben und Tsunamis

Japan liegt im pazifischen «Feuerring» mit zahlreichen Vulkanen, in dem Verschiebungen von Erdplatten immer wieder zu Erschütterungen führen. Dennoch glaubten wenige Geologen bis zum 11. März daran, dass Japan ein Erdbeben der Stärke 9 oder höher treffen würde, sagt Andrew Moore vom Earlham College im US-Staat Indiana. Es war das stärkste Beben, das Japan seit Beginn der Aufzeichnungen vor 130 Jahren erlebt hat.

Allerdings gibt es Hinweise darauf, dass Japan in den vergangenen 3500 Jahren immer wieder von solchen kräftigen Erdstössen getroffen worden war. Sandablagerungen weisen darauf hin, dass mehrere Beben bis zu neun Meter hohe Wellen ausgelöst hatten, die auf die nördliche Insel Hokkaido einschlugen, das letzte davon im 17. Jahrhundert.

Auch in Sendai, das am 11. März besonders hart getroffen wurde, existieren ähnliche Ablagerungen. Dort hatte sich zuletzt im Jahr 869 ein Tsunami seinen Weg zweieinhalb Kilometer ins Landesinnere gebahnt und 1000 Menschen getötet.

dapd/bru

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