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Nach Protesten der SchülerKanton Waadt verbietet «T-Shirt der Schande»

Wer an Waadtländer Schulen unangemessen zum Unterricht erschien, musste sich bisher ein T-Shirt in Übergrösse überstreifen. Die Erziehungsdirektorin hat die Strafkleidung nun verboten.

Das «T-shirt der Schande» mit dem Spruch «J’ai une tenue adequate!» (Ich trage eine angemessene Kleidung), das eigentlich bis zu den Knien reicht, von der Schülerin aus Protest aber bauchfrei getragen wird.
Das «T-shirt der Schande» mit dem Spruch «J’ai une tenue adequate!» (Ich trage eine angemessene Kleidung), das eigentlich bis zu den Knien reicht, von der Schülerin aus Protest aber bauchfrei getragen wird.
Foto: Salvatore di Nolfi (Keystone)

Nach einer Kontroverse um Kleidervorschriften an Schulen ist im Kanton Waadt das sogenannte «T-Shirt der Schande» verboten worden. Vergangene Woche hatten Dutzende Schülerinnen und Schüler in Genf gegen den «sexistischen Dresscode» an Sekundarschulen protestiert.

Ein ähnliche Praxis sei auch in einigen Waadtländer Schulen angewandt worden, sagte Erziehungsdirektorin Cesla Amarelle (SP) am Montag dem Radio LFM. Schülerinnen und Schüler, die in einer als unpassend empfundenen Kleidung in die Schule gekommen waren, mussten zur Strafe ein Hemd in Übergrösse tragen.

Anders als in Genf gab es im Kanton jedoch keine Shirts mit der Aufschrift «Ich bin angemessen gekleidet». Aber die Strafkleidung sei von jungen Mädchen als stigmatisierend empfunden worden. «Deshalb haben wir beschlossen, diese Praxis zu verbieten», sagte Amarelle.

Man müsse den Dialog mit den Schülerinnen und Schülern suchen. «Es muss deutlich gemacht werden, dass es einen Rahmen gibt, den es einzuhalten gilt, auch im Hinblick auf die Kleidung», sagte die Sozialdemokratin. Sie wies darauf hin, dass viele Schulen im Kanton Waadt Lösungen gefunden hätten, um dieses Problem zu lösen, ohne auf als erniedrigend empfundene Sanktionen zurückgreifen zu müssen.

Es sei auch nötig, den jungen Mädchen zuzuhören, die sich zur Wehr setzten, dass ihre Körper in der Schule sexualisiert würden, sagte die Staatsrätin weiter. «Das ist auch etwas, das männliche Jugendliche und Lehrer hören müssen», sagte sie. «Die Aufgabe der Schule ist die Förderung der Gleichheit, nicht die Förderung von Stereotypen».

SDA

26 Kommentare
    max bernard

    "Es sei auch nötig, den jungen Mädchen zuzuhören, die sich zur Wehr setzten, dass ihre Körper in der Schule sexualisiert würden,.... Das ist auch etwas, das männliche Jugendliche und Lehrer hören müssen", sagt Erziehungsdirektorin Cesla Amarelle von der SP.

    Aha, sexistisch verhalten sich nicht diejenigen, welche mit betont sexy Kleidung ihren Körper zur Schau stellen, sondern die, welche das tun, was damit auch erreicht werden soll - glotzen. Und dann natürlich die, welche solche Zurschaustellung des weiblichen Körpers in der Schule unterbinden wollen. Kompletter kann man die Realität nicht auf den Kopf stellen.