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Corona erschwert PlanungSwiss Open und Turn-EM mit vielen Fragezeichen

Im Frühjahr sind in Basel zwei internationale Sportgrossanlässe geplant. Doch die aktuelle Lage stellt die Organisatoren vor Herausforderungen.

Anders als bei der letzten Austragung 2019 dürfte die Jubiläumsausgabe des Badminton Swiss Open 2021 daherkommen.
Anders als bei der letzten Austragung 2019 dürfte die Jubiläumsausgabe des Badminton Swiss Open 2021 daherkommen.
Foto: Andy Müller (Freshfocus)

Plötzlich hat Andy Kistler Zeit. Zeit für anderes. Für seine Familie, fürs Skifahren, seine grosse Leidenschaft. Das ist aber erst seit wenigen Tagen so. Am Dienstag hat das Führungsgremium des CSI Basel entschieden, die Fünf-Sterne-Pferdesportveranstaltung im Januar 2021 abzusagen. Corona lässt eine verbindliche Planung nicht zu. Bis mindestens Ende Jahr waren in beiden Basel Stand Dienstag Grossanlässe mit maximal 1000 Zuschauern möglich. Seit Mittwoch und der jüngsten Kommunikation des Bundesrats sind es viel weniger. Was im nächsten Jahr ist, weiss zurzeit keiner.

Das war den Veranstaltern des Springreit-Events in der St.-Jakobs-Halle «zu heiss», wie Kistler betont. Für den OK-Präsidenten und sein Team war klar, dass das Turnier nur Sinn macht, wenn Zuschauer in der Halle zugegen sein können. Ist dies nichtoder nur in reduziertem Mass der Fall, sieht man von einer Durchführung ab. Der Fokus liegt nun auf dem Jahr 2022. Dann soll der zwölfte CSI Basel unter «normalen» Bedingungen ausgetragen werden.

Noch nicht entscheiden über das Stattfinden ihres Anlasses müssen Christian Wackernagel und Beat Läuchli. Wackernagel ist das Gesicht des Badminton Swiss Open, das 2021 zum 30. Mal ansteht. Läuchli amtet bei den Europameisterschaften im Kunstturnen als Geschäftsführer. Beide Veranstaltungen mit internationalem Charakter, denen im Hinblick auf die Olympischen Spiele in Tokio eine grosse Bedeutung zukommt, sollen in der St.-Jakobs-Halle ausgetragen werden. Das Swiss Open im März, die Turn-EM im April.

Aus der Vergangenheit gelernt

Wackernagel erzählt, dass die Planung ganz sachte voranschreite. «Wir hoffen, dass bis im März Veranstaltungen mit mindestens 1000 Besuchern wieder erlaubt sind und wir ein Swiss Open durchführen können», sagt er vorausgesetzt natürlich, die epidemiologische Lage verbessert sich. Sicher ist hingegen, dass dem Turnier nicht dasselbe widerfahren wird wie in diesem Jahr. Mitten im Aufbau musste das Swiss Open abgesagt werden. Zu einem Zeitpunkt, an dem just die erste Corona-Welle die Schweiz erreichte. Dank Geldern vom Bund sei das Swiss Open «mit einem blauen Auge», so Wackernagel, davongekommen.

Dieses Erlebnis habe die Organisatoren dazu veranlasst, die Jubiläumsausgabe defensiv zu planen: Mit dem Vorverkauf wird zugewartet, ebenso mit Werbeaktionen. Wackernagel, der ohnehin stets sein Budget genauestens einhalten muss, betont, dass es zurzeit für sein Turnier unmöglich sei, neue Geldgeber zu gewinnen. Ebenso vermutet er, dass es bei den Einnahmen im Foyerbereich zu einem «Totaleinbruch» kommen wird. «Wer will schon seine Ware ausstellen, wenn kaum oder keine Besucher zugelassen sind?», fragt Wackernagel.

Man hilft einander

Das sind nur einige Gedanken, die ihn in diesen Tagen begleiten. Er selbst sagt über sich, dass er inzwischen zum «Corona-Experten» für das Swiss Open geworden sei. Deshalb hat er sich auch mit dem OK der Turn-EM zusammengetan, wenn es um das Schutzkonzept geht. «Wir wollen die Synergien nutzen», sagt Beat Läuchli, der in einem 60-Prozent-Pensum die Turn-EM plant. Denn die Schwierigkeit für die zwei Anlässe ist, dass Richtlinien beider Basel gelten.

Alles, was die Veranstaltung betrifft, muss nach den Corona-Kriterien der Baselbieter Behörden geregelt werden. Geht es jedoch um die Beherbergung der Athleten in der Stadt, zählen die Basler Vorgaben. «Das macht das Ganze unglaublich komplex», sagt Läuchli. Und nicht selten ist dieser Mehraufwand auch mit Mehrkosten verbunden. Geplant war etwa, dass die Turner mit dem öffentlichen Verkehr in die St.-Jakobs-Halle gelangen. Das ist aber nicht mehr möglich. Also muss der Veranstalter einen Fahrdienst stellen, der die Turner «sicher» von A nach B chauffiert.

Es sind dies beileibe nicht die einzigen Herausforderungen, mit denen sich die Organisatoren der Basler Top-Sportveranstaltungen herumschlagen müssen. «Was ich mir wünsche», sagt Läuchli, «ist Planungssicherheit.» Wöchentlich müssen das Budget, die Konzepte angepasst werden. Dennoch: Nach wie vor ist das lokale Organisationskomitee des 4-Millionen-Franken-Events zuversichtlich, dass die Schweiz die Pandemie bis dahin wieder im Griff hat. Gerechnet wird mit der Vollauslastung von 6000 Zuschauern pro Tag.

Wie 2016 in Bern möchte auch das Basler Organisationskomitee eine würdige Turn-EM durchführen.
Wie 2016 in Bern möchte auch das Basler Organisationskomitee eine würdige Turn-EM durchführen.
Foto: Christian Pfander (Freshfocus)

Gleichzeitig ist es möglich, dass weniger als die erwarteten 270 Turner anreisen werden. «Die Einreisebestimmungen betreffen uns natürlich stark», sagen Läuchli und Wackernagel unisono. Im Badminton ist speziell, dass die asiatischen Spieler, die das Gros des Teilnehmerfelds ausmachen, von Turnieren aus Europa anreisen und deshalb eine mögliche Quarantäne umgehen könnten. «Aber das ist alles Spekulation», sagt Wackernagel. Spätestens vier Wochen vor dem Swiss Open, wenn das Anmeldefenster schliesst, soll entschieden werden, ob das 30. Turnier stattfindet oder ein zweites Mal verschoben werden muss.

Ein entscheidender Faktor bei beiden Events ist die Zulassung von Zuschauern. «Die EM ohne Besucher durchzuführen, macht für uns wirtschaftlich und emotional kaum Sinn», sagt Läuchli. Dann müsse mit dem europäischen Verband ein Konsens gefunden werden. Denn dieser ist interessiert daran, die EM wieder termingemäss durchzuführen zumal er dabei an den TV-Einnahmen partizipiert.

Noch aber sind solche Gedankenspiele weit weg. Denn Corona bestimmt zurzeit den Alltag der Veranstalter so stark wie selten zuvor und lässt kaum einen Stein auf dem anderen. «Wir versuchen dennoch positiv zu bleiben und das Beste daraus zu machen», sagt Läuchli. Deshalb ist am Dienstag auch der Vorverkauf für die Turn-EM gestartet. Bislang konnten 3500 Karten abgesetzt werden. Dabei dürften die Käufer auch das Kleingedruckte nicht übersehen haben: Bei Absage wird der volle Ticketpreis zurückerstattet.