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Historisches ErbeStreit um Statue in Prag: Russland ermittelt wegen «Schändung»

Die Darstellung eines sowjetischen Generals wurde aus der tschechischen Hauptstadt abtransportiert. In Moskau ist man gekränkt.

Zu Fall gebracht: Die Statue des sowjetischen Marschalls Iwan Stepanowitsch Konew. Er hatte die Rote Armee nach Berlin geführt, aber auch gegen das Volk von Prag.
Zu Fall gebracht: Die Statue des sowjetischen Marschalls Iwan Stepanowitsch Konew. Er hatte die Rote Armee nach Berlin geführt, aber auch gegen das Volk von Prag.
Foto: David W Cerny (Reuters)

Nach der Entfernung eines Weltkriegsdenkmals für einen sowjetischen Marschall in Prag hat Moskau Ermittlungen eingeleitet. Es gehe dabei um die öffentliche «Schändung von Symbolen militärischen Ruhms Russlands», teilte das Staatliche Ermittlungskomitee am Freitag in Moskau mit. Das Vorgehen in Prag zeige «die Geringschätzung der gemeinsamen Erinnerung und Geschichte des Kampfes des sowjetischen Volkes gegen den Faschismus».

Anfang April war in Prag trotz heftiger Proteste aus Moskau eine monumentale Statue des sowjetischen Weltkriegsmarschalls Iwan Stepanowitsch Konew entfernt worden. Die überlebensgrosse Bronzefigur soll nun einen neuen Platz in der Dauerausstellung eines geplanten «Gedenkmuseums des 20. Jahrhunderts» finden. Russland hatte dagegen protestiert und eine Antwort angekündigt.

Nur umgezogen

Konews historische Rolle ist umstritten. Die einen sehen in dem General (1897-1973) einen Kriegshelden, der unter anderem an der Schlacht um Berlin und der Befreiung Prags beteiligt war. Die anderen kritisieren seine Rolle bei der Niederschlagung des ungarischen Volksaufstands 1956 und des Prager Frühlings 1968.

Die russischen Ermittler nannten die Entfernung «zynisch». Prag sei durch ein bilaterales Abkommen mit Russland verpflichtet, das Weltkriegsdenkmal zu schützen. Das Aussenministerium in Prag reagierte am Freitag scharf auf die Kritik: Tschechien lehne Eingriffe der staatlichen Organe Russlands in seine inneren Angelegenheiten strikt ab. Die Strafverfolgung demokratisch gewählter Kommunalvertreter, die über die Entfernung der Statue entschieden hatten, durch einen fremden Staat sei unzulässig.

Die Verbringung der Statue an einen neuen Ort verstosse nicht gegen den Freundschaftsvertrag mit Russland von 1993. Man gehe davon aus, dass mit dem Bronzeguss weiter «würdevoll» umgegangen werde, so wie mit mehr als 4000 weiteren sowjetischen Kriegsgräbern und -denkmälern in Tschechien. Sollte Russland seine «konfrontativen Äusserungen und Schritte» fortsetzen, werde das als Signal verstanden, dass Moskau kein Interesse mehr an der Entwicklung der gegenseitigen, für beide Seiten vorteilhaften Beziehungen habe.

Der Feldherr  grüsst nun nicht mehr.
Der Feldherr grüsst nun nicht mehr.
Foto: David W Cerny (Reuters)

Die Statue am Prager Platz der Internationalen Brigaden war 1980 errichtet worden. Damals waren sowjetische Truppen in der Tschechoslowakei stationiert. Anders als ein Lenin-Monument überstand die Konew-Statue die friedliche Revolution von 1989 unbeschadet, wurde aber immer häufiger zum Ziel von Vandalismus.