Strafverfahren und anonyme Vorwürfe gegen Zürcher Polizeichef

Stapo-Kommandant Daniel Blumer wird Begünstigung vorgeworfen, und auch die Beförderung seiner Partnerin sorgt im Korps für Unruhe.

Soll einem Polizisten verboten haben, Anzeige zu erstatten: Der Zürcher Polizeikommandant Daniel Blumer.

Soll einem Polizisten verboten haben, Anzeige zu erstatten: Der Zürcher Polizeikommandant Daniel Blumer.

(Bild: Reto Oeschger)

«Von Jägern zu Gejagten» titelte die «Weltwoche» gestern einen Artikel über den Zürcher Polizeikommandanten Daniel Blumer und einen Zürcher Staatsanwalt. Patrik Bergamin, Staatsanwalt aus Davos, hat gegen die beiden ein Verfahren wegen Amtsmissbrauch und Begünstigung eröffnet. Die Stadtpolizei bestätigt das.

Die Vorwürfe gehen auf einen Vorfall von Anfang 2015 zurück. Die Stadtpolizei verhaftete einen angeblichen Dominikaner in Begleitung eines Drogenhändlers. Beim Abgleich der Fingerabdrücke stellte die Polizei fest, dass derselbe Mann bereits 2012 unter anderer, venezolanischer Identität aus der Schweiz ausgeschafft worden war. Der Zürcher Staatsanwalt stellte das Verfahren gegen den Mann jedoch ein, weshalb der zuständige Polizist ihn wegen Amtsmissbrauch und Begünstigung anzeigen wollte.

Polizeikommandant Blumer verbot ihm gemäss «Weltwoche» jedoch, aktiv zu werden – was Blumer ebenfalls den Vorwurf der Begünstigung eintrug. Anzeige erstattete die Zürcher Rechtsanwältin Bettina Schmid. Auf Nachfrage, wie sie an die Informationen zum Fall gelangt sei, erklärt Schmid, dass sie wegen des laufenden Verfahrens keine Auskunft geben könne.

Blumers Partnerin befördert

Damit nicht genug: Auf der Redaktion des «Tages-Anzeigers» ging am Donnerstag der Anruf eines Polizisten ein, der anonym bleiben will. Blumer mache sich im Korps immer unbeliebter, sagte er. Namentlich der Umstand, dass auch Blumers Partnerin bei der Polizei arbeite und kürzlich intern befördert worden sei, sorge für Unmut.

Die Stadtpolizei bestätigt die Beförderung. Die Beziehung sei aber schon lange bei der Geschäftsleitung und im Korps bekannt gemacht worden, sagt Polizeisprecher Marco Cortesi. Personalchef Markus Villiger erklärt zudem, dass er selber mit der Vorgesetzten von Blumers Partnerin über deren Beförderung entschieden habe. «Daniel Blumer war nicht in den Prozess involviert», betont Villiger. Wenn Kaderstellen ausgeschrieben würden, müssten die Kandidaten ein Assessment durchlaufen. Die Partnerin hatte davor bereits die Stellvertretung der Position inne.

«Das Verfahren hätte nicht transparenter ablaufen können», sagt Cortesi. «Bei 2500 Mitarbeitern kann es immer jemanden geben, der mit einem Entscheid nicht einverstanden ist.»

«Kein Anlass, Vertrauen zu entziehen»

Der Bündner Staatsanwalt Patrik Bergamin führt in den kommenden Monaten weitere Untersuchungshandlungen zum Verfahren gegen Blumer und den Staatsanwalt durch. Bergamin bestätigt, dass es beim eingestellten Strafverfahren von 2015 um den Verdacht auf Fälschung von Ausweisen ging.

Daniel Blumer weist alle Vorwürfe zurück. Die zuständige Stadträtin Karin Rykart stützt ihren Polizeikommandanten. «Es gibt keinen Anlass, dem Kommandanten das Vertrauen zu entziehen», sagt sie. Auch der Staatsanwalt arbeitet weiter. Dessen Verteidiger, Marc Engler, sagt, dass aus seiner Sicht kein Zweifel an dessen Unschuld bestehe. Seiner Erfahrung nach erteile das Obergericht bei solchen Vorwürfen in über 90 Prozent der Fälle die Ermächtigung zur Eröffnung eines Strafverfahrens.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt

Loading Form...