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Baubrache in BaselSträucher statt Wohnungen

Vor rund einem Jahr begann der Abbruch der alten Nebengebäude auf dem Gelände des Felix-Platter-Spitals. Doch die geplante neue Wohnsiedlung Westfeld lässt auf sich warten. Derweil erobert die Natur das Areal zurück.

Nichts erinnert hier mehr an 130 Jahre Spitalgeschichte. Dort, wo das spätere Felix-Platter-Spital einst begann, erobert sich die Natur den städtischen Raum zurück. Doch bald ist die Naturidylle zu Ende. Bis 2023 entstehen auf dem «Westfeld» über 300 neue Wohnungen.
Nichts erinnert hier mehr an 130 Jahre Spitalgeschichte. Dort, wo das spätere Felix-Platter-Spital einst begann, erobert sich die Natur den städtischen Raum zurück. Doch bald ist die Naturidylle zu Ende. Bis 2023 entstehen auf dem «Westfeld» über 300 neue Wohnungen.
Foto: zvg

Gräser, Büsche und junge Bäume. Überall sprosst und grünt es an der Kannenfeldstrasse neben dem neuen Felix-Platter-Spital. Insekten und Vögel siedeln sich an, die Natur erobert sich städtischen Raum zurück. Es ist eindrücklich, wie schnell das geht.

Denn bis vor einem Jahr stand auf dem neu Westfeld genannten Areal noch rund ein halbes Dutzend Gebäude aus diversen Epochen und von unterschiedlicher Qualität. Bei dem Sammelsurium handelte es sich um Überreste des ehemaligen Basler Hilfsspitals von 1890. Das völlig überfüllte Bürgerspital erstellte damals ein Provisorium mit 120 Betten. Es wurde schnell zur Dauereinrichtung und im Laufe der Zeit vielfältig genutzt. Während der Grippepandemie von 1918/1919 diente es als Krankenhaus, ab 1920 als Quarantänestation für die Schweizer Rückkehrer aus dem von Revolution und Bürgerkrieg zerrissenen Russland. Im Zweiten Weltkrieg wurde es vom Militär genutzt. 1956 wurde das «Hilfsspital» umbenannt in Felix-Platter-Spital. 1967 kam der grosse Hauptbau. Mit dem Bau und der Eröffnung des neuen Felix-Platter-Spitals als Zentrum für universitäre Altersmedizin wurde im März 2019 das rund 35’000 Quadratmeter grosse alte Areal frei für den Wohnungsbau. In das alte Hauptgebäude kommen neu 135 Wohnungen und Gewerberäume. Anstelle der Gebäude des Hilfsspitals wird eine neue Überbauung mit über 300 Wohnungen errichtet.

Baubeginn nächste Woche

Schon im Juli 2019 fuhren die Bagger auf. Die Gebäude auf dem «Westfeld» waren rasch abgebrochen. Seither schien nichts mehr zu laufen; statt der Kräne wuchsen Jungbäume in die Höhe. Doch der Eindruck täusche, erklärt Claudio Paulin, Geschäftsleiter der Baugenossenschaft «Wohnen & mehr», die für Erstellung und Vermietung der neuen Wohnungen auf dem Areal zuständig ist. «Das Projekt Westfeld ist auf Kurs. Mit Terminen und Kosten liegen wir voll im Plan», sagt Paulin.

Der Kanton Basel-Stadt habe gemäss Vereinbarung bis Ende April 2020 die Bestandesgebäude, die als Hilfsgebäude des Felix-Platter-Spitals gedient haben, abgebrochen. Vor wenigen Tagen sei nun die Baubewilligung eingetroffen, sodass Wohnen & mehr nächste Woche mit den Bauarbeiten auf diesem Arealteil beginnen könne. Im alten Felix-Platter-Spitalgebäude seien sie schon seit Monaten im Gang.

Abbruch ohne Baubewilligung

Es bleibt: Abgebrochen wurde, bevor die Baubewilligung da war. Dies erklärt die gegenwärtige Baubrache. «Das Baubegehren wurde durch den Kanton Basel-Stadt geprüft, was aufgrund des Umfangs entsprechende Zeit in Anspruch nahm. Erst nach Erhalt der Baubewilligung konnte Wohnen & mehr die nächsten baulichen Schritte in Angriff nehmen», bestätigt Paulin. Er ist nun aber zuversichtlich, dass alles nach Plan läuft. «Voraussichtlich startet der Bezug der Wohnungen im vierten Quartal 2022 mit dem umgenutzten Spitalgebäude. Für Anfang 2023 ist der gestaffelte Bezug der über 300 Wohnungen in den Neubauten geplant.»

Die Pflanzen, die sich mittlerweile auf der Brache angesiedelt haben, kommen alle wieder weg: «Die aktuelle Vegetation auf dem zukünftigen Baufeld entspricht einer typischen Pioniervegetation, so wie man sie von Brachen oder Kiesgruben kennt. Wir werden einen grossen Teil des alten Baumbestands erhalten und mit einer neuen Bepflanzung ergänzen und ökologisch aufwerten.» Einsprachen von Umweltverbänden fürchte man nicht. Denn das Westfeld umfasse als lebendiges Zentrum für Basel-West ökologisch wertvolle Gärten und Grüngürtel.