Stehpaddler eilen der Putzequipe zu Hilfe

Freiwillige haben die Stadt dabei unterstützt, nach dem Züri-Fäscht den ganzen Müll aus dem See zu fischen. Der nächste Einsatz steht bereits auf dem Programm.

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Tina Fassbind@tagesanzeiger

Die Mitarbeiter von Entsorgung und Recycling Zürich (ERZ) haben beim Putzen nach dem Züri-Fäscht unerwartet Unterstützung erhalten: 40 Freiwillige eines Zürcher Stand-up-Paddler-Clubs halfen ihnen gemäss NZZ beim Herausfischen des Abfalls aus dem Zürcher Seebecken.

Bei der Reinigung des Sees sind die ERZ-Mitarbeitenden mit Spezialbooten unterwegs und holen schwimmende Gegenstände mit Netzen aus dem Wasser. In Ufernähe jedoch, wo sich besonders viel Abfall ansammelt, sind die leicht manövrierbaren Stand-up-Paddle-Boards besser für diese Arbeit geeignet als die Boote.

Hauptsächlich Glasflaschen und Aludosen aber auch gebrauchte Hygieneartikel und Sonnenbrillen haben die Helfer laut Yvi Mahoney vom Paddle Club Zürichsee aus dem See gezogen. Mühsam sei aber vor allem das Herausfischen der Zigarettenstummel gewesen. «Unsere Motivation ist ein sauberer See. Beim Paddeln stört der Abfall besonders stark», sagt Mahoney.

Ein drittes Mal putzen nach der Street Parade?

Der Paddle Club Zürichsee hat den Freiwilligeneinsatz unter der Leitung von Melina Zimmerli initiiert, die Stand-up-Paddle-Schule Supkultur hat das Material zur Verfügung gestellt. Es ist nicht das erste Mal, dass die Paddler dem ERZ bei der Seereinigung helfen. Auch im Anschluss an die letzten beiden Street Paraden haben sie Müll aus dem See gefischt.

Das wollen sie auch in diesem Jahr tun, wenn die Technoparade am 10. August durch die Stadt gerollt ist. «Wir müssen allerdings noch das ok des ERZ abwarten», erklärt Supkultur-Geschäftsführer Florian Gander, «sie verfügen über die Spezialboote, in denen der Abfall gesammelt und fachgerecht entsorgt werden kann.»

«Nach der Street Parade haben wir rund eine Tonne Abfall aus dem See herausfischen können»Florian Gander, Geschäftsführer Supkultur

An der letzten Street Parade waren rund 60 Personen auf Stand-up-Paddles im Einsatz. «Wir haben dabei rund eine Tonne Abfall aus dem See herausfischen können», sagt Gander. 24 Stunden haben die Freiwilligen dazu Zeit. Danach sinke alles auf den Grund des Sees, wo es von Tauchern gehoben werden müsse. «Wir hoffen daher, dass sich möglichst viele Leute – vor allem mehr Kinder und Jugendliche – bei uns melden, die uns unterstützen wollen.»

Mit dem Stand-up-Paddle lässt es sich in Ufernähe besser navigieren als mit den Booten von ERZ. (9. Juli 2019) Bild: Paddle Club Zürisee

Anmelden können sich alle, die mindestens einmal auf einem Paddle unterwegs waren – auch Kinder. «In der Woche vor der Parade bieten wir gratis einen Grundkurs an, in dem wir die Teilnehmenden auch punkto Sicherheit schulen», sagt Gander.

Street Parade muss für Entsorgung aufkommen

Die Veranstalter der Street Parade dürften froh sein um die Paddlerunterstützung, denn anders als beim Züri-Fäscht müssen sie selbst für die Abfallentsorgung aufkommen. Etwa 150'000 Franken kostet das den Verein, wie Street-Parade-Sprecher Stefan Epli sagt. Hinzu kommen 1000 Stunden Freiwilligenarbeit.

Bis 2017 beauftragte der Verein Street Parade das ERZ mit der Räumung der Innenstadt. Seither ist jeweils ein privates Reinigungsunternehmen im Einsatz. Insgesamt 83,2 Tonnen Abfall hat das Unternehmen 2018 nach der Parade weggeräumt – 235 Tonnen waren es nach dem Züri-Fäscht (siehe Box).

Die Verhältnisse am Technoevent lassen sich allerdings nicht direkt mit jenen am dreitägigen Volksfest vergleichen. Die Street Parade dauert offiziell nur elf Stunden, und es werden rund eine Million Menschen erwartet, während am Züri-Fäscht in diesem Jahr 2,5 Millionen Besucher gezählt wurden.

Weniger Glas, weniger Verletzungen

Im letzten Jahr haben die Veranstalter erstmals einen Umweltfranken eingeführt, den es auch an der diesjährigen Parade am 10. August geben wird: Von jedem verkauften Getränk an einem der offiziellen Verkaufsstände setzen die Organisatoren einen Franken fürs Recycling des Abfalls ein. Auch den Anwohnern kommt der Beitrag laut Epli zugute, denn damit werden auch über hundert zusätzliche mobile WC-Anlagen finanziert – etwa im Niederdorf und im Oberdorf.

Der Getränkepreis wird deswegen nicht erhöht, es soll aber ein Anreiz für die Besucherinnen und Besucher sein, ihren Durst nachhaltig zu löschen. Auch werden an der Street Parade anders als am Züri-Fäscht keine Getränke und Esswaren in Plastikgeschirr verkauft, wie Epli sagt. «Getränke gibt es bei uns nur in PET-Flaschen und Aludosen, Essen in Öko-Behältern.»

«Wir konnten dank der Glassammelteams auch einen Rückgang an Schnittverletzungen verzeichnen.»Stefan Epli, Medienverantwortlicher Verein Street Parade

Auf Glas verzichtet die Organisation ganz, und sie weist die Besucherinnen und Besucher regelmässig darauf hin, auf keinen Fall mit Glasbehältern zum Grossanlass am Zürcher Seebecken zu kommen. Trotzdem bringen einige selbst gekaufte Getränke in Glasflaschen mit. Deshalb sind an der Street Parade Glassammelteams im Einsatz. Etwa 50 Angestellte stehen mit Körben bereit, wie Epli sagt. «Wir konnten dadurch auch einen Rückgang an Schnittverletzungen verzeichnen.»

Umweltbewusstere Parade-Besucher

Dass dereinst auch Plastiksammelteams zum Einsatz kommen, will Epli nicht ausschliessen. Geplant sei das aber derzeit noch nicht. Allgemein stellt Epli fest, dass die Parade-Besucher umweltbewusster geworden sind. «In den frühen Streetparade-Ausgaben der Nullerjahre lag noch viel mehr Abfall auf den Strassen.»

Das bestätigen die Zahlen: Anders als bei der Parade 2018 blieben in fünf Jahren davor durchschnittlich mehr als 100 Tonnen Abfall liegen. Als 2005 letztmals eine Million Menschen an der Street Parade teilnahm, mussten 130 Tonnen Müll eingesammelt werden.

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