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Corona-FerienStatt ans Meer gehts an den eigenen Pool

Weil diesen Sommer viele nicht verreisen können, hat die Nachfrage nach privaten Schwimmbädern rasant zugenommen.

Baden in der Krise: Wer Geld hat, leistet sich im Moment einen eigenen Pool.
Baden in der Krise: Wer Geld hat, leistet sich im Moment einen eigenen Pool.
Foto: Valentin Flauraud (Keystone)

Trotz Corona-Krise sitzt bei vielen das Geld derzeit locker. So viele Menschen wie nie in der Schweiz wollen sich einen eigenen Swimmingpool bauen. «Die Anfragen sind enorm gestiegen», sagt Ronald Zürrer von Freestylepool in Embrach. Das gilt für die ganze Schweiz: Auch Azotea Schwimmbadbau in Basel und Poolbauer in Bern werden gerade überrannt.

Dabei sind die Kosten für das eigene Freibad enorm. Durchschnittlich 100’000 Franken muss in den Hand nehmen, wer im Sommer in einem Profipool zu Hause baden gehen will. «Viele nutzen ihr Ferienbudget jetzt für eine solche Anschaffung», sagt Nic Megert von Nima Wellnesspools in Ostermundigen. Auch Whirlpools – Kostenpunkt rund 10’000 Franken – oder Swim-Spas – zu haben ab 30’000 Franken – seien gefragt und kaum mehr lieferbar.

Weil viele dieses Jahr nicht ans Meer fahren und im Corona-Sommer auch die Badis nur eingeschränkt nutzbar sind, werden die privaten Gärten und Balkone umgebaut. Es ist anzunehmen, dass dabei oft das gesparte Feriengeld investiert wird. Gemäss neuen Daten ist der Konsum wieder auf das Niveau vor dem Lockdown zurückgekehrt. Davon profitieren nicht nur die Poolbauer, sondern vor allem die Detailhändler. Denn auch die Nachfrage nach selbst montierbaren, kleineren Schwimmbecken geht durch die Decke: «Wir verkaufen dieses Jahr dreimal mehr Swimmingpools als sonst», sagt Migros-Sprecher Marcel Schlatter.

Ansturm auch bei Migros, Coop und Landi

Mit diesem Ansturm haben die Händler allerdings nicht gerechnet: «Bei uns werden Gartenartikel oder Pools zum Teil knapp», erklärt Landi-Sprecherin Sandra Grossenbacher auf Anfrage. Es stehen zwar noch Sonnenschirme, Gartenstühle oder Swimmingpools zum Selbstmontieren in den Läden, aber die Auswahl ist beschränkt. Ähnlich ist es bei Coop und Migros sowie beim Onlineportal Galaxus.

Der Bedarf der Konsumenten hat sich nicht nur während des Lockdown stark verändert, sondern auch für den Sommer. Das bringt die Planung der Detailhändler weiterhin durcheinander. Ähnlich wie bei den Hamsterkäufen bei Lebensmitteln im Frühling stehen sie nun vor akuten Lieferproblemen bei Freizeitartikeln.

Sonnenschirme oder Plastikpools kommen meist aus Asien und müssen per Schiff in die Schweiz verfrachtet werden. Die Häfen in China und anderen Ländern in Fernost waren während des Lockdown jedoch geschlossen, die Container stauten sich dort. Die weltweite Covid-19-Krise bedeutet eine nie da gewesene Unterbrechung der Lieferketten.

«Wir haben nur kurzfristige Lieferschwierigkeiten, alle die wollen, werden einen Pool kaufen können.»

Marcel Schlatter, Migros-Sprecher

Die Transporte kommen erst langsam wieder in Gang, und die Waren brauchen Wochen, bis sie in der Schweiz ankommen. Im Mai waren die Container-Warenimporte im Basler Rheinhafen leicht rückläufig. Im Juni sollten sie jedoch wieder zulegen, erwartet der Logistiker Rhenus Alpina.

«Unsere Lieferschwierigkeiten dürften nur kurzfristig sein, wir gehen davon aus, dass alle, die wollen, früher oder später einen Pool kaufen können», sagt Migros-Sprecher Schlatter. Auch die Verteilzentren der Migros seien auf die neuen Mengen der sperrigen Pools und Gartenmöbel eingestellt worden.

Allerdings müssen sich die Detailhändler zum Teil auch auf die Suche nach neuen Produzenten machen. Denn die Betriebe in Fernost standen oder stehen zum Teil noch still oder arbeiteten nur eingeschränkt. Das heisst, es gibt tatsächlich eine Knappheit. «Wir versuchen vorübergehende Alternativen zu organisieren, um die Warenverfügbarkeit so gut wie möglich zu gewährleisten», sagt Landi-Sprecherin Sandra Grossenbacher. Und auch bei Coop heisst es: «Wir stehen bereits mit zusätzlichen Lieferanten in Kontakt.»

Aber auch die Lebensmittel-Hamsterwelle macht den Detailhändlern noch zu schaffen. Bei der Landi sind die Regale mit Mehl derzeit halb leer. Denn die Kunden greifen noch immer ungewöhnlich häufig nach dieser Grundzutat fürs Backen. Auch die Migros gibt an, dass die Nachfrage für Eier und Teige weiter erhöht ist. Dasselbe gelte für WC-Papier und Seife. Für die Sommerferien zu Hause wird weiter gebunkert.

7 Kommentare
    Claire Deneuve

    Na ja Corona wird da höchstens für die aufstellbaren Pools einen Schub gegeben haben. Für einen richtigen fixen Pool aus Beton oder Polyester, da muss man längerfristig planen, Baueingabe machen, schauen wo die Filteranlage und Pumpe hinkommt usw usw.

    .

    Und das ist doch viel eher den heissen Sommern der letzten Jahre zu verdanken als Corona. Die Neubestellungen aufgrund von Corona werden sich vermutlich erst auf 2021 auswirken.