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Volkshaus BaselStadthotel von Herzog & de Meuron eröffnet mitten in der Krise

Trotz Mini-Lockdown nimmt in Kleinbasel ein neues Boutique-Hotel den Betrieb auf. Die erklärte Absicht: aus der Not eine Tugend zu machen.

Im Volkshaus Basel kann nun auch genächtigt werden.
Im Volkshaus Basel kann nun auch genächtigt werden.
Foto: PD

Die Passanten blicken sichtbar irritiert durch die Scheiben der Volkshaus-Bar. Denn eigentlich sind sie ja alle zu, die Gastrobetriebe in Basel. Medienschaffende, Inhaber und Architekten haben sich hier zum «Soft-Opening» des gleichnamigen Boutique-Hotels versammelt. Selbstverständlich mit Maske, selbstverständlich mit Abstand. Es ist Tag zwei des in Basel-Stadt geltenden Mini-Lockdowns und – der Verdacht liegt nahe – ein denkbar schlechter Zeitpunkt, ein Hotel zu eröffnen.

«Wir wollen einfach nicht mehr länger warten», antwortet Mitinhaber Adrian Hagenbach auf die offensichtliche Frage nach dem merkwürdigen Zeitpunkt. Und schiebt nach: «Und wir sind überzeugt, gerade in solch schwierigen Zeiten das richtige Produkt anbieten zu können.»

Zeit für einen «Tapetenwechsel»

Im Oktober verzeichnete die Basler Stadthotellerie satte 62 Prozent weniger Übernachtungen als im gleichen Zeitraum 2019, Anfang Dezember berichten die Medien von einer anrollenden Entlassungswelle in den städtischen Hotelbetrieben des ganzen Landes. Was erhoffen sich die Betreiber eines neuen Boutique-Hotels mitten in der Krise? «Aus der Not eine Tugend zu machen», erklärt Adrian Hagenbach das Konzept der Eröffnungsphase.

Im Zentrum steht der Glaube daran, dass es gerade jetzt viel Zeit und Musse für die Wertschätzung schöner Materialien, für Design und Architektur gebe. Man hofft auf Menschen, die der eigenen vier Wände überdrüssig sind, und sie für ein Wochenende in die schicke, vom renommierten Architekturbüro Herzog & de Meuron ausgerichtete Umgebung tauschen möchten. Im «Tapetenwechsel»-Paket mit inbegriffen ist nebst der Begrüssung mit Champagner ein Drei-Gang-Menü in der hauseigenen Brasserie – die derzeit unter den geltenden Regeln für externe Gäste geschlossen ist.

«Wir müssen gut rechnen.»

Adrian Hagenbach, Mitinhaber

«Was es heissen würde, jetzt von Grund auf ein neues Haus zu eröffnen – daran will und muss ich zum Glück nicht denken» gibt sich Hagenbach sichtlich erleichtert. Und meint damit die bereits bestehende und gut eingespielte Infrastruktur des Volkshauses. Es gibt seit 2012 einen Gastronomie- und Eventbetrieb, das Hotel komme nun zusätzlich «oben drauf». Die hinzukommenden Kosten des Hotelbetriebs seien dadurch also überschaubar.

Und dennoch: «Wir müssen gut rechnen, vorsichtig sein», so Hagenbach. Denn neben den Kultur- und Architektur-Aficionados aus der näheren Umgebung sollte das neue Boutique-Hotel natürlich auch die «üblichen Verdächtigen» unter den Basler Hotelgästen – Geschäftsreisende, Messe- und Kongressbesucher – ansprechen. Dass diese aber aus auf der Hand liegenden Gründen vorerst keine Hauptrolle spielen dürften, zeigt nur schon ein Blick auf die als nette kleine Geste in den Zimmern aufgelegten Romane: Sie richten sich an eine deutschsprachige Klientele.

Die Lobby des neuen Basler Boutique-Hotels
Die Lobby des neuen Basler Boutique-Hotels
Foto: Robert Rieger
Foto: Robert Rieger
Foto: Robert Rieger
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Die Preview-Phase, während der Gäste das Hotel «in privater Atmosphäre» mit dem «Tapetenwechsel»-Angebot erleben können, läuft noch bis Ende Februar. Die eigentliche Eröffnung ist für den 1. März 2021 geplant.

15 Kommentare
    Thomas Hoffmann

    Wem es gefällt ... Passt irgendwie zu Corona und zum holzig-betonösen Verzicht-Style, der ja sooo angesagt ist. Sieht nach Oeko aus, ist aber nicht Oeko drin, weil schweineteuer und sehr aufwendig gefertigt. Holz der Möbel nachhaltig produziert? Kaum, nicht effektiv nachvollziehbar. Bekommt man die Webpelz-Jacke gestellt, wenn es einem fröstelt?

    Gemütlichkeit und ein herzliches Willkommen sehen definitiv anders aus, aber das Haus der Gewerkschaft ist ja nicht weit; die dort haben sicher Freude an ihrem neuen "Volkshaus".