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Absurde Auflagen für FreiluftkinoStadtgärtnerei schikaniert Quartiervereine

Die Stadtgärtnerei wollte mit immer absurderen Auflagen das Kino Openair Bruderholz abschaffen. Die Amtsstelle musste von Regierungsrat Hans-Peter Wessels persönlich gestoppt werden.

Das Kino Openair Bruderholz in der Batterieanlage.
Das Kino Openair Bruderholz in der Batterieanlage.

Seit 15 Jahren schon organisieren die QuartierOase Bruderholz und der Neutrale Quartierverein Bruderholz zusammen das Kino Openair Bruderholz, das jährlich im Spätsommer in der Batterieanlage stattfindet. An zwei Abenden wird auf der idyllischen, von alten Bäumen gesäumten Rasenfläche jeweils ein ausgewählter, hochstehender Film gezeigt. Es gibt Stühle für 100 Personen, aber auch eigene Sitzgelegenheiten dürfen mitgebracht werden.

Die Technik liefert die darauf spezialisierte Mobile Kino GmbH. Deren Equipment besteht aus der mobilen Vorführkabine mit Filmprojektor, einer aufblasbaren Leinwand mitsamt dafür nötigem Kompressor sowie einem Surroundsoundsystem. Insgesamt benötigt man für die Installation zwei Anhänger, die mit einem normalen Personenwagen auf das Gelände und schliesslich wieder runtergefahren werden.

Als Erstes hat die Stadtgärtnerei für die Anhänger Bretterunterlagen, sogenannte Schaltafeln, vorgeschrieben. Das Gewicht pro Fläche wird so reduziert, damit sich der Boden nicht irreversibel verdichtet, wie Emanuel Trueb, Leiter der Stadtgärtnerei und somit oberster Wächter über die Basler Grünanlagen, erläutert.

In all den vergangenen Jahren funktionierte dieses stets gleiche Prozedere bestens. Weder Rasen noch die alten Bäume der Batterieanlage wurden jemals geschädigt, was auch Emanuel Trueb auf Anfrage bestätigt. Trotzdem wurde das Unterfangen von der Stadtgärtnerei, deren Bewilligung für Veranstaltungen auf öffentlichen Grünflächen einzuholen ist, in den letzten Jahren mit immer weiteren und weitergehenden Auflagen torpediert. Zu den noch eher vertretbaren zusätzlichen Auflagen gehört jene, keine Kabel mehr ohne Baumrinde-schonende Schlaufen in den Bäumen aufzuhängen. Die speziellen Schlaufen müssen bei der Stadtgärtnerei gemietet werden.

«Besonders streng ausgelegt», aber nur in Basel-Stadt

Die beiden Anhänger scheinen bei der Stadtgärtnerei jedoch verhasst zu sein. Bei den Veranstaltern entstand in der Saison vor zwei Jahren zum ersten Mal der Eindruck, dass die Stadtgärtnerei organisierte Veranstaltungen im Grunde am liebsten gänzlich verhindern würde. Zu diesem Zeitpunkt verlangte die Stadtgärtnerei die zusätzliche Installation von Öl-Auffangwannen unter den beiden Anhängern. Wie ein einfacher Anhänger jedoch Öl verlieren soll, kann bis heute niemand sagen. Emanuel Trueb, der nicht persönlich für die Ausstellung von einzelnen Bewilligungen zuständig ist, kann heute keine Auskunft dazu geben, was zu einer solchen Übertreibung führte. Es könne sein, dass hier jemand den Auftrag der Stadtgärtnerei, Grünanlagen zu schützen, besonders streng ausgelegt habe, sagt er.

Dieses Jahr kam es aber noch dicker. Nachdem die Organisatoren ein erforderliches «Befahrungskonzept» mitsamt den angemeldeten Nummernschildern und Fotos von rasenschonendem Allradfahrzeug und Anhängern eingereicht hatten, kam von der Stadtgärtnerei eine Absage: Aus Gründen des Schutzes von Rasen und Bäumen könne die Zufahrt auf das Gelände so nicht genehmigt werden.

Konstruktive Verweise auf alternative Aufführungsorte oder Möglichkeiten, das Material auf die Batterieanlage zu schaffen, waren Fehlanzeige, die Bereitschaft zur Diskussion einer für beide Parteien zufriedenstellenden Lösung kein Thema. Zu abgehoben hätten sich Mitarbeiter der Stadtgärtnerei verhalten, heisst es bei den vielen freiwilligen Helfern der Veranstalter. Nur wenige Meter entfernt, auf der gegenüberliegenden Strassenseite im Kanton Baselland, sei die Durchführung solcher Veranstaltungen niemals ein solches Problem, sagen die Organisatoren.

Erst Regierungsrat Wessels konnte vermitteln

Schliesslich wandte sich Erich Bucher (FDP), Grossrat und Mitorganisator des Kino Openairs Bruderholz, mit einer E-Mail, die der BaZ vorliegt, an den Vorsteher des Bau- und Verkehrsdepartements und somit auch der Stadtgärtnerei, Hans-Peter Wessels, wie Bucher bestätigt. Er ersuchte seinen Rathauskollegen freundlich, ob er die Angelegenheit in seinem Departement nochmals prüfen lassen könne. Erst nach dieser Korrespondenz kam Bewegung in die Sache. In seiner Antwort einige Tage später sicherte der Regierungsrat Bucher dann umgehend die Durchführung des Events unter den gewohnten Auflagen zu.

Bei der Stadtgärtnerei herrschte laut Emanuel Trueb wohl Unklarheit darüber, ob in der aktuell heiklen Phase, in der die Vegetation auch mit der Trockenheit zu kämpfen hatte, Veranstaltungen auf öffentlichen Grünflächen grundsätzlich erlaubt werden sollten oder nicht. Die Verwirrung, dass die Stadtgärtnerei das traditionsreiche Freiluftkino auf dem Bruderholz unter diesem Gesichtspunkt hätte verunmöglichen können, sei «eventuell etwas unglücklich verlaufen», sagt er.

21 Kommentare
    M. Seiler

    Also bitte, liebe Basler ! Das Schikanieren der Bevölkerung war doch schon früher das A und O des Aufgabenhefts jedes Staatsangestellten. Auch unter den "gemischten" bis bürgerlichen Regierungen hat doch jeder gescheiterte Handwerker dank richtigem Parteibüchelchen noch ein trockenes, warmes Plätzchen beim Staat gefunden.