Zum Hauptinhalt springen

Patrizia Laeri wechselt zu CNNSRF verliert reihenweise bekannte Gesichter

Nur eine Woche nach Nik Hartmann verlässt auch Patrizia Laeri das Schweizer Fernsehen. Was läuft bei SRF schief?

«Ich habe die Power-Ladys von CNN Money Switzerland immer geliebt.» Die zukünftige Chefredaktorin Patrizia Laeri präsentiert sich erstmals bei ihrem zukünftigen Arbeitgeber.
«Ich habe die Power-Ladys von CNN Money Switzerland immer geliebt.» Die zukünftige Chefredaktorin Patrizia Laeri präsentiert sich erstmals bei ihrem zukünftigen Arbeitgeber.
Screenshot: CNN Money Switzerland

Jetzt auch noch Patrizia Laeri. Nur eine Woche, nachdem Nik Hartmann seinen Abgang verkündet hat, gibt auch die 42-jährige Laeri ihren Weggang von SRF bekannt. Laeri wechselt zu CNN Money Switzerland, also zu einem regionalen Spartenkanal des amerikanischen News-Giganten.

Was ist bloss beim Schweizer Fernsehen los? Die Frage liegt auf der Hand, haben jüngst doch auch andere Aushängeschilder dem Schweizer Fernsehen den Rücken gekehrt: Jonas Projer etwa, der letztes Jahr die «Arena» verliess, um mit Blick TV für Ringier ein Internetfernsehen aufzugleisen. Steffi Buchli ging 2017 als Programmleiterin und Moderatorin zu Mysports von UPC; fast gleichzeitig gab Matthias Hüppi bekannt, dass er sich als vollamtlicher Präsident beim FC St. Gallen einwechseln lässt.

Was also ist bei SRF los? Schaut man sich die Abgänge etwas genauer an, erkennt man ein Muster: Fast alle können mit ihrem Wechsel in die Privatwirtschaft in der Hierarchiestufe aufsteigen. Während Patrizia Laeri zur Chefredaktorin befördert wird, leitet Jonas Projer mit Blick TV ein ganzes Internetfernsehen. Nik Hartmann wird nach seinem Weggang von SRF mit einer Kollegin für die Eigenproduktionen von 3+ und TV 24 verantwortlich sein. Und alle drei waren lange bei SRF: Laeri 17 Jahre, Hartmann gar 20 Jahre. Das sind in heutigen Arbeitsbiografien unendlich lange Zeiträume – vor allem für eine 42-Jährige wie Patrizia Laeri, die ihr halbes bewusstes Leben beim Schweizer Fernsehen verbracht haben wird.

Alles nur wegen des Geldes?

Vor zwei Jahren veröffentlichte Sandro Brotz seinen Lohn. 130’000 Franken brutto pro Jahr waren es in seiner damaligen Funktion als Moderator und stellvertretender Redaktionsleiter der «Rundschau». Damit scheint bei SRF für Journalisten die Decke erreicht zu sein. In der Privatwirtschaft sind die Löhne höher, wenn man eine Chefposition übernimmt. Aber bei keinem anderen Medium in der Schweiz wird man eine so grosse Reichweite haben wie bei SRF – auch nicht bei CNN Money Switzerland, das Ende des vergangenen Jahres 115’000 Zuschauer erreichen wollte. Da hat selbst TeleZüri höhere Einschaltquoten. Warum also wechselt Patrizia Laeri zu CNN?

«In der Wirtschaftsberichterstattung von SRF ging es vor allem darum, den Informationsauftrag zu erfüllen», sagt Laeri. Einige Themen, die für ein Businesspublikum interessant sind, könnten bei SRF gar nicht vorkommen. «Weil sie zu nischig sind», so Laeri weiter, «auch für Themen wie Diversität oder Future of Work gab es keine Formate bei SRF.» Bei CNN soll das anders sein. Dort wird Laeri zweimal im Monat eine «Diversity Lounge» moderieren, in der sie «Querdenkerinnen und Visionäre» als Gäste begrüssen will.

«Walk the Talk»

Vielfalt – oder eben «Diversity» – ist der Schlüsselbegriff, um Laeris Abgang beim Schweizer Fernsehen zu verstehen: Bereits während ihrer SRF-Zeit hat Laeri ein Diversity-Programm ausgearbeitet und ein Projekt initiiert, das Frauen auf Wikipedia zu grösserer Sichtbarkeit verhelfen sollte. Vielfalt der Geschlechter ist denn auch der Hauptgrund, warum Laeri von SRF weggeht: «Ich kann den Frauen nicht ständig predigen, mehr Verantwortung zu übernehmen, und dann ablehnen, wenn ich selber Chefin werden kann», sagte sie in einem Interview mit dem Branchenportal «Persönlich». «Walk the Talk» sei das Motto. Also tun, was man fordere.

Was Patrizia Laeri will, ist klar: mehr Frauen in den Wirtschaftsjournalismus. Auch in Leitungspositionen. Das scheint bei SRF nicht möglich gewesen zu sein. «Der Wirtschaftsjournalismus in der Schweiz ist stark von Männern dominiert», sagt Laeri im Gespräch mit dieser Zeitung, «als Chefredaktorin von CNN Money Switzerland bin ich erst die zweite Frau in der Schweiz, die ein Wirtschaftsmedium leitet. Im Ausland scheint man sich da leichter zu tun, das sehen wir etwa bei angelsächsischen Medien wie dem ‹Economist›, der seit 1996 eine Chefredaktorin hat.» Und nun bei CNN Money Switzerland: Rund 90 Prozent des 15-köpfigen Teams, das Laeri bei CNN leiten wird, sind Frauen. Anders sieht es beim Schweizer Fernsehen aus: Dort sind gut zwei Drittel des 20-köpfigen Wirtschaftsteams Männer; auch der Leiter dieses Teams ist ein Mann.

Patrizia Laeri schliesst nicht aus, dass sie eines Tages zu SRF zurückkehrt. Wie Urs Gredig, der vor zwei Jahren das Schweizer Fernsehen verliess, um der erste Chefredaktor von CNN Money Switzerland zu werden – und der nun als Nachfolger den SRF-Talk von Roger Schawinski übernimmt. «Sag niemals nie», meint Patrizia Laeri, «aber im Moment freue ich mich vor allem auf die Aufgaben bei CNN.»