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Unverkrampft nach Vancouver

Christian Haller flog bei den Trials in Laax zur Olympiaqualifikation.

Höher als die Konkurrenz: Haller (hier in Südkorea) feierte in Laax zwei Tagessiege.
Höher als die Konkurrenz: Haller (hier in Südkorea) feierte in Laax zwei Tagessiege.
Peter Rauch

Christians werden bei den Bündnern Hitsch genannt. So wird denn auch Christian Haller aus Zernez von allen so gerufen. Oder vielmehr: Hitschli. Denn die vergangenen Saisons war der heute 20-Jährige das Nesthäkchen im Team der Schweizer Freestyle-Snowboarder. Das hat sich geändert. Erstens gehört ein talentierter Snowboarder mit 20 längst nicht mehr zum Nachwuchs, sondern steht vor dem Sprung zu den Arrivierten. Und zweitens ist genau das bei Haller der Fall. In seiner Laufbahn wurde er bereits durch zwei Kreuzbandrisse zurückgeworfen, kehrte aber beide Male noch stärker zurück. Heute ist er es, der zusammen mit dem Aushängeschild Iouri Podladtchikov die Pace im Team setzt. Und, wenn dieses schwächelt, die Verantwortung übernimmt.

So geschehen in Laax, wo Haller mit zwei Tagessiegen als Einziger bereits gestern seine Olympia-Qualifikation feiern konnte. Zwar fand Podladtchikov wieder sein Selbstvertrauen, das ihm nach vielen Stürzen auf das havarierte linke Handgelenk etwas abhandengekommen war. Doch auf Hallers dritten Run fand er keine Antwort mehr. Respektive: Die Antwort hatte er bereit, verhaspelte sich aber. Er musste sich bei seinem Doublecork-Versuch (zwei Überkopfrotationen mit Schraube) mit der Hand - wieder mit der verletzten - abstützen. Trotzdem war das ein Erfolg: Erstmals zeigte Podladtchikov die momentane Höchstschwierigkeit in einem Contest.

Der Qualifikationsdruck ist weg

Das hatte Haller gar nicht nötig, flog er doch schon mit seinen Dreifachrotationen deutlich höher als die Konkurrenz aus der Pipe. Was aber nicht heisst, dass er den Doublecork nicht draufhätte. Zugleich ist er aber der Meinung, dass dieser eine Trick nicht die einzige Wahrheit ist: «Man kann auch einen kreativen Run bringen.» Derweil fällt der Qualifikationsdruck weg - womit das Augenmerk auf diese schwierigsten Elemente gelegt werden kann. Nur: «Ich werde sicher nicht einfach Tricks‹rausschmeissen›», sagt Haller. Denn es ist keine Option, sich so kurz vor dem grossen Ziel Olympia zu verletzen. Wobei der Snowboarder das - für andere Athleten - absolute Nonplusultra doch etwas lockerer anschaut. «Jetzt gehen wir mal hin und checken das ab», heisst das in seinen Worten.

Am liebsten zusammen mit Schwester Ursina, die bei den Frauen um ein Ticket kämpft - und mit Podladtchikov. Der wurde Zweiter und braucht im Januar in Davos noch einmal ein solches Resultat. Über Haller sagt er: «Hitsch ist unglaublich wichtig für mich. Jetzt, wo wir diese neuen Tricks üben, ist es gut, einen Teamkollegen zu haben, der die gleichen Schritte macht wie du. Das ist eine andere Ebene, als wenn du mit den Trainern diskutierst.»

Das folgt bei den nächsten Trainingseinheiten. Erst steht aber wieder lustvolles Snowboarden an. «Es ist einfach ein gutes Gefühl, ohne Belastung fahren zu gehen», sagt Haller. Der Druck kommt noch früh genug. Spätestens am 18. Februar. Dann steht in Cypress bei Vancouver der Olympiafinal in der Halfpipe auf dem Programm.

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