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Eine Theologin aus Tonga an der Ski-WM

Am 17. Januar stand Makeleta Stephan erstmals auf Langlauf-Ski, einen Monat später gab sie bereits ihr WM-Debüt. Die Geschichte einer kuriosen Sportkarriere.

«Als ich das erste Mal mit den Ski am Berg stand, hatte ich Angst»: Makeleta Stephan, Spätberufene im Feld der Langläuferinnen an der nordischen Ski-WM in Falun.
«Als ich das erste Mal mit den Ski am Berg stand, hatte ich Angst»: Makeleta Stephan, Spätberufene im Feld der Langläuferinnen an der nordischen Ski-WM in Falun.
Keystone

Sie ist 36 Jahre alt, stammt aus Tonga in der Südsee und lebt seit 14 Jahren im deutschen Pfullendorf. Ihr Name: Makeleta Stephan. Ihre Leidenschaft: der Ski-Langlauf. Allerdings erst seit einem guten Monat. Bis am 17. Januar stand die Sportexotin, die für die Teilnahme an der nordischen Ski-WM in Schweden ihren Job bei einer Catering-Firma aufgab, noch nie auf Langlauf-Ski. Der Telefonanruf eines Gewissen Steve Grundmann aber änderte alles.

Grundmann, Gründer und Generalsekretär des seit September 2014 von der FIS anerkannten Skiverbands von Tonga, suchte für sein Heimatland nach potenziellen Olympiastarterinnen und -startern. Von Makeleta Stephan wusste er, dass sie eine begeisterte Langstreckenläuferin war, und so kam es, dass er die studierte Theologin schliesslich in die Loipe lotste.

«Als ich das erste Mal mit den Ski am Berg stand, hatte ich Angst und habe mich keinen Zentimeter bewegt. Dabei war der Berg ja nur ein kleiner Hügel», schildert die spät berufene Langläuferin gegenüber der «Welt» ihre ersten Erfahrungen mit der neuen Sportart. Bis sie eine einigermassen anständige Technik erlernt habe, sei sie immer und immer wieder gestürzt: «Ich hatte viele blaue Flecken.»

Ihren ersten WM-Wettkampf, die Qualifikation zum Sprint in der klassischen Technik, beendete die Exotin am Mittwochabend auf dem letzten Rang – mit über zweieinhalb Minuten Rückstand auf die Zweitletzte. «Ich wollte nicht hinfallen, aber kurz vor dem Ziel ist es doch passiert», erklärte sie. «Die Leute hier sind so freundlich, haben mich so angetrieben. Mir sind fast die Tränen vor Rührung gekommen.»

Irgendwann sollen Schneesportler aus Tonga keine sportlich chancenlosen WM- oder Olympia-Farbtupfer mehr sein, sondern ambitionierte Athleten. «Dafür haben wir bereits viele Nachwuchssportler gescoutet. Unser Ziel sind die Youth Olympic Games im kommenden Jahr in Lillehammer», berichtet Steve Grundmann. Makeleta Stephan liess verlauten, sie wolle bis zu den Olympischen Spielen 2018 tausendmal besser sein als jetzt.

Tongas berühmteste Sportler sind die Spieler des Rugby-Nationalteams. Die kräftigen Herren nahmen an diversen Weltmeisterschaften teil, zuletzt 2011. Legendär sind sie aber wegen ihrer kulinarischen Eskapaden. Bei einem Restaurant-Besuch in England während der Vorbereitung auf die WM 2007 verputzte die 30-köpfige Delegation zum Mittagessen 30 Poulets, 30 kg Rindfleisch, 30 kg Lammbraten, 30 kg Pasta und 30 kg Kartoffelsalat. So kamen über eine Viertelmillion Kalorien, 8500 pro Kopf, und 10 kg reines Fett zusammen.

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