Zum Hauptinhalt springen

Die Gefahren von Lindsey Vonns Abenteuerlust

Warum es dem Frauen-Skirennsport schaden könnte, wenn Lindsey Vonn ihren Traum verwirklicht und bei den Männern startet.

«Am Lauberhorn könnten Lindsey und die besten Athletinnen durchaus bestehen»: Speedtrainer Stefan Abplanalp hält die US-Amerikanerin Lindsey Vonn für eine grosse Sportlerin.
«Am Lauberhorn könnten Lindsey und die besten Athletinnen durchaus bestehen»: Speedtrainer Stefan Abplanalp hält die US-Amerikanerin Lindsey Vonn für eine grosse Sportlerin.
Keystone
«Es geht hier nicht nur um Lindsey alleine, sondern um den gesamten Frauen-Skirennsport»: Abplanalp denkt ans grosse Ganze.
«Es geht hier nicht nur um Lindsey alleine, sondern um den gesamten Frauen-Skirennsport»: Abplanalp denkt ans grosse Ganze.
Keystone
Populär: Vonn beim Xbox-Spielen mit einem kleinen Fan.
Populär: Vonn beim Xbox-Spielen mit einem kleinen Fan.
Keystone
1 / 4

Für viele Fans wäre es das Grösste, wenn Lindsey Vonn am 24. November in Lake Louise oder zu einem späteren Zeitpunkt tatsächlich eine Weltcup-Abfahrt bei den Männern bestreiten könnte. Stefan Abplanalp, der mit den Schweizer Speedfahrerinnen grosse Erfolge feierte und nun die norwegisch-schwedische Trainingsgemeinschaft coacht, warnt aber bei allem Verständnis für Vonns Ehrgeiz vor den Gefahren des Plans. «Es ist immer spannend, wenn sich Frauen mit Männern messen. Lindsey und andere Athletinnen trainieren während der Vorbereitungsphase ab und zu mit den Männern. Es geht hier aber nicht nur um Lindsey alleine, sondern um den gesamten Frauen-Skirennsport. Um einen Sport, der dank seines hohen Niveaus grosses Ansehen geniesst und einen grossen Teil davon einbüssen könnte, wenn Lindsey in dem einen Rennen eine schlechte Figur abgeben sollte», erklärt Abplanalp gegenüber Redaktion Tamedia.

Tatsächlich besteht bei der Vermarktung der Skirennfahrerinnen keinerlei Handlungsbedarf. Wenn Vonns Ansinnen – wie von einigen Kritikern moniert – wirklich in erster Linie eine PR-Idee sein sollte, dann ist es keine gute. Anders als im Tennis, wo ausser den beiden Williams-Schwestern eigentlich nur die besonders attraktiven Spielerinnen wie Maria Scharapowa oder Ana Ivanovic im Fokus stehen, verkauft sich der Frauen-Skirennsport erfolgreich über die Leistung, statt mit dem Motto «sex sells». «Der Stellenwert der Frauenrennen ist in etwa gleich wie jener der Männerwettbewerbe. Die Einschaltquoten sind gut, die Sponsoren ziehen mit. Von so einer Situation können andere Volkssportarten wie Snowboard oder Fussball nur träumen», gibt Abplanalp zu bedenken.

«Am Lauberhorn könnte Lindsey durchaus bestehen, aber...»

Der vom deutschen Cheftrainer Wolfgang Maier in die Runde gebrachte Vorschlag, Vonn solle in Kitzbühel oder Wengen an den Start gehen, wenn sie sich etwas beweisen wolle, ist in Abplanalps Augen nur zur Hälfte eine provokative These ohne Bezug zur Realität. «Am Lauberhorn könnten Lindsey und die besten Athletinnen durchaus bestehen», sagt er. «Allerdings müsste das Rennen nach der Wasserstation enden, da die Lauberhorn-Abfahrt die längste Strecke im Weltcup ist und selbst die Beine der Männer im untersten Streckenteil blau werden. Während der letzten 20 Sekunden kommt es nicht umsonst immer wieder zu Stürzen.» Ablanalp weiss, wovon er spricht. Er liess die Schweizer Frauen vor ein paar Jahren schon einmal am Lauberhorn trainieren und stoppte die Läufe jeweils im Bereich der Minschkante. «Das Problem ist die Länge, nicht der technische Aspekt», führt der Experte aus.

In Kitzbühel würde er Lindsey Vonn nicht gern sehen wollen, betont Abplanalp. «Die Hahnenkamm-Abfahrt ist ganz sicher heftig. Wenn ein Mann wie Didier Cuche von Respekt redet, ist klar, dass es sich dabei nicht um die ideale Strecke für Frauen handelt. Lindsey ist eine absolute Topathletin, aber sie mit den besten Männern zu vergleichen, wäre nicht richtig», konstatiert der Speedtrainer. «Man lässt ja auch nicht Serena Williams gegen Roger Federer antreten. Die körperlichen Voraussetzungen sind nun einmal nicht die gleichen.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch