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Der Olympiasieger ist kein Siegspringer mehr

Eine Woche vor dem Heimweltcup in Engelberg fehlt dem Toggenburger Skispringer Simon Ammann die Konstanz.

Die Suche nach der Konstanz: Simon Ammann schafft momentan keine absoluten Spitzenplätze.
Die Suche nach der Konstanz: Simon Ammann schafft momentan keine absoluten Spitzenplätze.
Keystone

Im Sommer weilte Simon Ammann für ein paar Tage in Sotschi, um sich auf die Winterspiele 2014 einzustimmen. Zumindest für die Generalprobe von diesem Wochenende brachte sein damaliger Motivationsausflug nichts. Mit den Plätzen 17 und 8 bestätigte er bloss, was sich seit Saisonbeginn vor drei Wochen abzeichnete: Konstant ist der vierfache Olympiasieger nur in seiner Inkonstanz. Dabei strebte er als eines seiner Hauptziele eine «Konstanz auf hohem Niveau» an, was für ihn bedeutete: möglichst viele Top-5-Ränge.

Gemessen an den eigenen Ansprüchen ist ihm der Einstieg in seine 16. Weltcupsaison misslungen. Allerdings muss dem 31-Jährigen zugutegehalten werden, dass er momentan auf hohem Niveau scheitert. In der vergangenen Saison musste er bis Mitte Februar ausharren, ehe er sich erstmals auf dem Podium zu klassieren vermochte. Diesmal schaffte er es schon bei der dritten Einzelkonkurrenz auf Rang 3.

Trotzdem ist Ammann deutlich von seinen goldenen Tagen entfernt. Zu seinen erfolgreichsten Zeiten lieferte er Topergebnisse in Serie ab. Im Olympiajahr 2010 schaffte er es von zwei «Ausrutschern» mit Platz 12 abgesehen stets unter die ersten fünf.

Der letzte Weltcupsieg liegt lange zurück

Dass er nun von sich eine ähnlich beeindruckende Konstanz erwartet, spricht für seinen Ehrgeiz und seinen Leistungswillen. Realistisch aber scheint seine eigene Vorgabe zurzeit nicht, zumal ihm eine zweite Eigenschaft abhandengekommen ist: Er mag weiterhin für Weltklasseleistungen gut sein – ein Siegspringer ist er aber nicht mehr. Letztmals vermochte er sich vor fast 21 Monaten in einer Weltcupprüfung durchzusetzen.

Natürlich war er, im Gegensatz zu Auftritten an Olympischen Spielen, auf oberster Wettkampfstufe nie einer der Grössten. Sonst hätte er mehr als 20 Weltcupsiege in seiner langen Karriere erreicht. Die Jahre aber sind auch am Flieger nicht spurlos vorbeigegangen. Dafür hat sich nur schon sein Sport zu stark verändert. Mit der neusten Regelanpassung – die Anzüge müssen enger geschnitten sein, was den Athleten weniger Fläche einbringt – plagt er sich weiterhin ab. Denn Schwächen im Bewegungsablauf wirken sich mit weniger Anzug stärker auf die Weite aus. Sie mögen wie in seinem Fall eher klein sein, entscheiden aber doch, ob sich einer an der Spitze behaupten kann oder im Mittelfeld landet. Noch genügend Zeit im Hinblick auf die WM

Bis zur Weltmeisterschaft Ende Februar bleibt Ammann genügend Zeit für Korrekturen. Dagegen ist klar: Der Heimweltcup am nächsten Wochenende in Engelberg dürfte für ihn zu früh kommen. Dass er im kleinen Schweizer Team weiterhin den Solisten geben muss, kommt erschwerend hinzu. Er hatte sich auf eine Saison mit zwei jungen Kollegen als Unterstützung gefreut, weil er seine Kraft auch aus der Equipe schöpft. Inzwischen aber zeigt sich: Für Gregor Deschwanden und Marco Grigoli ist das Weltcupniveau zu hoch. Sie würden besser auf zweithöchster Stufe antreten.

Es ist darum keine allzu gewagte Aussage, dass Ammann bald wieder der einzige Schweizer auf der grossen Skisprungbühne sein wird. Orientieren sollte er sich darum an Okabe Takanobu: Der Japaner war 2009 noch im stolzen Skispringeralter von 38 jung genug, einen Weltcupanlass zu gewinnen – das ist Altersrekord.

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