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Wenn alle mitmachen, ist im Basler Handball einiges möglich

Die ältesten Junioren der HSG Nordwest sind die Besten des Landes. Das ist kein Zufall.

Mit Spass und Arbeit zum Erfolg – die HSG Nordwest.
Mit Spass und Arbeit zum Erfolg – die HSG Nordwest.
Christoph Wesp

Das Drehbuch hätte man kaum besser schreiben können. Auf eine 24:31-Niederlage im Playoff-Final-Hinspiel fand die U19 der HSG Nordwest die passende Antwort; sie liess einen 30:21-Heimerfolg folgen. Das Gros der 580 Zuschauer in Birsfelden war am Samstag begeistert ob des Geschehens auf dem Spielfeld. Tags darauf kamen 460 Leute in die Sporthalle und wurden Zeuge, wie die U17-Handballer der HSG Nordwest im Playoff-Final-Hinspiel das renommierte Pfadi Winterthur 29:27 bezwangen. Wie vor zwei Jahren, als das regionale Nachwuchs-Konstrukt mit der U15 und U17 reüssierte, winken erneut zwei Meistertitel.

Das ist kein Zufall. 2011 vereinten Ramon Morf und Michael Röthlin vom TV Birsfelden die besten U15-Junioren der Region zu einem Förderteam, der HSG Nordwest. Der Leistungssportgedanke auf Stufe Nachwuchs rund um Basel war geboren. Möglich war dies nur, weil ein paar regionale Vereine sich dazu bereit erklärten, das Projekt Nachwuchs-Spitzenhandball gemeinsam voranzubringen.

Viel Veränderung

Passiert ist seither einiges. Der TV Birsfelden als treibende Kraft – in personeller wie finanzieller Hinsicht – förderte die Junioren auf Stufe U15, U17 und U19 mit Herzblut. Und gewann dadurch das Vertrauen anderer Vereine. Optimiert wurde dieses Engagement durch die Strukturen des Angebots für Sportklassenschüler sowie des regionalen Leistungszentrums. Dort trainieren die Besten zusätzlich zu ihren Einheiten in den Clubs oder der HSG Nordwest.

Inzwischen hat sich das Kon­strukt der HSG Nordwest in einer Vereinsform organisiert, die durch Eltern der Junioren geführt wird. Dadurch konnten einerseits die bisherigen Zugpferde des Projekts entlastet, andererseits neue Kontakte im Sponsoringbereich gewonnen werden. Heute ist die HSG Nordwest viel breiter abgestützt als in ihren Anfängen. Und gerüstet, weitere Massnahmen zugunsten des Nachwuchssports zu tätigen.

Pflästerlipolitik

Bei den Junioren gewinnt der regionale Handball also von Jahr zu Jahr an Strahlkraft. Und profitiert dabei von der vorzüglichen Nachwuchsarbeit zahlreicher Clubs. Der TV Pratteln NS etwa zählt im Minihandball zu den angesagtesten Adressen.

Von dieser Power im Nachwuchs sollte am Ende eigentlich der RTV Basel, der regionale Vertreter in der Nationalliga A, profitieren. Doch Max Gerbl, Lucas Meister – beide Nationalspieler – oder Severin Kaiser spielen lieber anderswo. Das hat seinen Grund.

Der Basler Traditionsverein war in den vergangenen Jahren ein Liftclub zwischen NLA und NLB, dem es regelmässig an Geld und damit an professionellen Strukturen mangelt, in denen die besten regionalen Talente ihr Potenzial zur Blüte bringen können. Seit Jahren wird eine Pflästerlipolitik betrieben, um auf nationalem Niveau eine halbwegs kompetitive Mannschaft zu stellen. Der Beitrag an die Basisarbeit im Nachwuchs und die Nachhaltigkeit in der Clubentwicklung bleiben dabei auf der Strecke.

Bekennen zum Leistungssport

Jüngstes Beispiel dafür ist der Entscheid, offenbar aus Spargründen, nicht mehr mit Samir Sarac zusammenarbeiten zu wollen. Der Trainer hat zuletzt die Playoffs erreicht. Etwas, das keinem seiner Vorgänger gelungen ist. Zudem ist Sarac beim regionalen Leistungszentrum angestellt und kennt die Spieler der Zukunft aus dem Effeff. Er wäre der ideale Mann gewesen, um als Bindeglied Talente aus der Region in den RTV zu integrieren und so im Sinne der engen finanziellen Möglichkeiten zu operieren.

Will der RTV vom Reservoir an Top-Junioren in der Region profitieren, muss er sich stärker zum Leistungssport bekennen und sich auch stärker im Nachwuchs engagieren. Denn wenn alle mitmachen, ist im Basler Handball einiges möglich. Wie hervorragend die Nachwuchsarbeit bereits ist, zeigt ein aktuelles Beispiel eines talentierten Vispers. Dieser hat sich für eine Zukunft bei der HSG Nordwest und gegen Ligakrösus Kadetten Schaffhausen entschieden. Weil er in Basel Schule und Leistungssport bestens verbinden kann.

Nur wenn das Gärtchendenken der Vereine aufhört, kann etwas Homogenes entstehen. Das zeigt sich auch in anderen Sportarten. Das Zusammenschliessen der besten Junioren trägt im Unihockey (Basel Regio, an der Schwelle zur Nationalliga A) und Männer-Volleyball (Traktor Basel, Aufstieg in die Nationalliga A) aktuell Früchte. Es ist nicht so, dass der Handball in völlig anderen wirtschaftlichen Dimensionen zu Hause ist.

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