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Zuerst die Trauerfahrt – dann der Rückzug

Zum Gedenken an den nach einem Sturz verstorbenen Wouter Weylandt wurde die 4. Etappe des Giro d'Italia neutralisiert. Das Team des verunglückten Radprofis zog sich später zurück.

Tiefe Trauer vor dem Start zur 4. Etappe des Giro d'Italia: Die Leopard-Trek-Team-Fahrer Fabian Wegmann, Bruno Pires und  Thomas Rohregger (v. l.) gedenken an ihren tags zuvor verstorbenen Kollegen Wouter Weylandt.
Tiefe Trauer vor dem Start zur 4. Etappe des Giro d'Italia: Die Leopard-Trek-Team-Fahrer Fabian Wegmann, Bruno Pires und Thomas Rohregger (v. l.) gedenken an ihren tags zuvor verstorbenen Kollegen Wouter Weylandt.
Keystone
Ein Bild, das die Stimmung in der Leopard-Equipe widergibt.
Ein Bild, das die Stimmung in der Leopard-Equipe widergibt.
Keystone
Im Ziel folgen die anderen Fahrer dem Leopard-Team. In einer ernsten Stunde zeigt sich der Radsport für einmal solidarisch.
Im Ziel folgen die anderen Fahrer dem Leopard-Team. In einer ernsten Stunde zeigt sich der Radsport für einmal solidarisch.
Reuters
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Das Leopard-Trek-Team, dem der tödlich verunglückte Belgier angehörte, setzte die Rundfahrt am Dienstag zunächst fort.«Wir sind aus Respekt der Familie Weylandt gegenüber an den Start gegangen. Wir wollen unsere Trauer mit der Radsport-Welt teilen. Unsere Fahrer waren völlig niedergeschlagen. Hätte einer von ihnen die Weiterfahrt einstellen wollen, hätten wir dies selbstverständlich akzeptiert», erklärte Teammanager Brian Nygaard. Spät am Dienstagabend allerdings erfolgte dann doch noch der Rückzug des luxemburgischen Radrennstalls. «Wir haben grossen Respekt vor dem Giro und dem Radsport. Aber wir können unter diesen Umständen einfach nicht weiterfahren», sagte der deutsche Team-Captain Fabian Wegmann. «Wir sind Profis. Aber wir glauben, dass dies die richtige Entscheidung ist.»

Fahrer und Funktionäre hatten mit grosser Trauer und Anteilnahme auf den tragischen Tod von Wouter Weylandt reagiert. Der Fahrer trug auf dem Weg nach Livorno eine schwarze Armbinde zum Zeichen ihrer Trauer. «Das ist eine schreckliche Geschichte und ein schwarzer Tag für den Radsport», sagte Topfavorit Alberto Contador. «Nach einer solchen Tragödie war es ausgeschlossen, dass wir ein Rennen fahren», meinte der Gesamterste David Millar (Gb). Der Sprinter Tyler Farrar aus dem Garmin-Cervélo-Team verliess den Giro am Dienstagabend. Während der Saison lebt der Amerikaner in Gent und trainierte dort oft zusammen mit Weylandt: «Für mich war er beinahe wie ein Bruder. Es ist schrecklich, dass ein solch fröhlicher, junger Mensch sein Leben lassen musste.»

Schwangere Verlobte an Unglücksstelle

Der Giro-Direktor Angelo Zomegnan kündigte unterdessen verstärkte Sicherheitsmassnahmen an. Ein Team von Spezialisten solle die bestehenden Sicherheitsvorkehrungen verstärken, erklärte Zomegnan, ohne die Schritte zu konkretisieren. Bei keinem anderen Rennen der Welt würde so viel Geld investiert, um Sturzopfern möglichst schnell zu helfen.

Am Montagabend waren Weylandts schwangere Verlobte Anne Sophie und der Vater des verstorbenen Radprofis in Lavagna eingetroffen. Weylandt senior musste am Dienstag seinen Sohn identifizieren. Vor dem Start zur 4. Etappe waren der Vater, Anne Sophie sowie einige Teammitglieder zum Passo del Bocco gefahren und hatten an der Unglücksstelle Blumen niedergelegt. Der Leichnam des verstorbenen Radprofis wird heute Mittwoch nach Belgien überführt. Der Sarg wird mit einer Maschine vom Mailänder Flughafen Malpensa nach Belgien gebracht.

Weylandt sofort tot

Die Autopsie ergab, dass der Belgier bei seinem Sturz in der Abfahrt vom Passo del Bocco einen Schädelbasisbruch erlitt, zudem schwere Gesichtsverletzungen, Verletzungen an der Hüfte und Frakturen am Bein. «Er starb sofort und musste nicht leiden», zitierte die italienische Nachrichtenagentur Ansa den Rechtsmediziner Armando Mannucci. Gemäss Professore Giovanni Tredici, dem Giro-Rennarzt seit 29 Jahren, hätte Weylandt das Bein amputiert werden müssen, hätte er den Sturz überlebt.

Schilderungen einiger Fahrer und der Rekonstruktionen des Unfalles zufolge muss sich Weylandt vor einer Rechtskurve für einen Augenblick nach hinten umgeschaut haben, um sich zu vergewissern, wer hinter ihm fährt. Daraufhin berührte der Belgier im Kurvenradius mit Tempo 70 bis 80 mit dem linken Pedal eine kleine Steinmauer. Weylandt wurde 15 bis 20 m durch die Luft katapultiert und schlug mit dem Gesicht voran auf dem Asphalt auf, was den sofortigen Tod zur Folge hatte.

si/fal

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