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Wenn Buben unbedingt mit Mädchen spielen wollen

Sport kann mehr sein als nur Siege und Rekorde. Eine Gruppe zehn Jahre alter Basketballer gab in den USA eine beeindruckende Lektion fürs Leben.

Elf Hände gingen hoch: Die jungen Basketballer entschieden sich für ihre Kolleginnen.
Elf Hände gingen hoch: Die jungen Basketballer entschieden sich für ihre Kolleginnen.
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Es war keine einfache Entscheidung, schon gar nicht für eine Gruppe zehnjähriger Kinder. Vier Jahre lang hatte die fünfte Klasse der St.-Johns-Schule ein gemischtes Basketballteam unterhalten, neun Jungs und zwei Mädchen bildeten die verschworene Gemeinschaft. Nun hiess es Knall auf Fall, das gehe nicht mehr. Die Möglichkeiten waren so mager wie unattraktiv: «Entweder spielt ihr ohne die Mädchen weiter, oder die Saison ist für euch zu Ende.»

Zwei Wochen zuvor hatte der Direktor der Liga, ein gewisser Rich Donovan, die Schule informiert, dass sie gar nie als gemischtes Team hätten spielen dürfen und dass die Mädchen in den letzten beiden Partien der Saison nicht mehr spielberechtigt seien. Gemäss den Eltern sollte das Team auch aus der Tabelle genommen werden, da die Girls angeblich «illegal» mitgespielt hatten.

Anweisungen an den Schiedsrichter

Was nun eintraf, hatte niemand erwartet: Als die Boys die Nachricht am Spieltag vernahmen, beschlossen sie sofort, ohne ihre Kolleginnen nicht anzutreten. Es war am Freitagabend, die Gegner von St. Barthomolew the Apostle waren angereist. Die Schiedsrichter sagten, sie hätten vom Ligadirektor den Auftrag erhalten, das Spiel nicht anzupfeifen, falls die Girls spielen würden. Der Sprecher des Erzbistums Newark liess ausrichten, im Reglement stehe unmissverständlich, dass die Teams nur aus Spielern eines Geschlechts bestehen dürften.

Eine Viertelstunde war unklar, wie es weitergehen würde. Wäre es okay, ein inoffizielles Spiel auszutragen, mit den Girls, und das Offizielle würde mit einem Forfaitsieg für die Gäste gewertet? Oder hätten diese, falls sie gegen die Girls antreten würden, sogar Schwierigkeiten von der Liga zu gewärtigen?

¨ Wenn Buben sich um ihre Kolleginnen sorgen. Video: Youtube

Auch Coach Rob Martel, der Coach von St. Johns, war in der Bredouille. «Eltern sagten mir, ich müsse nun entscheiden, ob die Girls spielen, aber ich sagte: Keine Chance, ich werde nicht für elf zehnjährige Kinder entscheiden.» Und so übernahmen die Eltern diese Aufgabe, wie ein Vater gegenüber der Website Nj.com sagte: «Wollt ihr dieses Spiel ohne die beiden jungen Damen des Teams bestreiten oder wollt ihr ein Team bleiben wie das ganze Jahr? Hebt Eure Hände, wenn ihr nur als Team spielen wollt.» Elf kleine Hände schossen in die Höhe, und als nach der Alternative gefragt wurde, blieben alle unten.

Auch die Erinnerung der Assistenztrainerin, dass sie in diesem Fall auch die Playoffs nicht würden bestreiten können, bewirkte keinen Meinungsumschwung. «Das spielt keine Rolle», sagte ein Junge, und andere pflichteten ihm bei. Wenig später sang das Team: «Einheit!». Die Zuschauer stimmten ein, mehrere Eltern begannen zu weinen. «Ich bin stolz, einfach nur stolz», sagte eine Mutter, als sie gefragt wurde, was sie von der Abstimmung halte. «Diese Kids machen das Richtige. Wir müssen ihn gar nichts sagen, sie wissen es selber. Das ist wunderbar.»

Auftritt im Fernsehen

Das Gastteam reist unverrichteter Dinge wieder ab, St. Johns will aber an diesem Abend Basketball spielen. So spielt die eine Hälfte des Teams gegen die andere. Mit den Girls. Ein letztes Mal.

Die beeindruckende Aktion fand auch landesweite Resonanz. Verschiedene nationale Medien nahmen die Story auf, am Montag trat die Klasse in der Fernsehsendung «Good Morning America» auf.

Und wie wird es für die Girls weitergehen? Wenn sich weitere Mädchen dieser Altersgruppe finden lassen, mit einem neuen Team, ansonsten vielleicht in einer anderen Schule oder gar nicht mehr. Jedenfalls nicht mehr in der bisherigen Besetzung. Trainer Martel ist traurig: «Es sind Kinder, und sie wollten nur spielen. Erwachsenen ist es leider nicht gelungen, einen Weg zu finden, damit diese Kinder zwei weitere Spiele bestreiten können. Das ist nicht die WNBA oder die NBA. Sie wollen nur besser werden. Und ich denke, heute sind sie besser geworden...»

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