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Vom Medaillentraum beflügelt

Beide sind Europameister am Reck, und beide haben mit der WM noch eine Rechnung offen: Pablo Brägger und Oliver Hegi wollen in Doha endlich auch auf der ganz grossen Bühne glänzen.

Beide haben das Zeug zum WM-Coup: die Europameister Pablo Brägger (links) und Oliver Hegi. Fotos: André Pichette (Keystone)
Beide haben das Zeug zum WM-Coup: die Europameister Pablo Brägger (links) und Oliver Hegi. Fotos: André Pichette (Keystone)

Wer turnt, erwartet wenig Glamour. Bekommt dafür viel vom staubigen Magnesia. Oder wenig Komfort. Dafür 30 harte Trainingsstunden pro Woche. Und wenig Geld: Mehr als das tiefe vierstellige Fixum des Schweizerischen Turnverbandes (STV) liegt für ein Mitglied des Nationalkaders kaum drin. Benjamin Gischard, der Berner, hat seinen Job kürzlich sogar als «brotlos» bezeichnet.

Für Erfolge fällt zwar dann und wann eine Prämie ab, und die ist im bescheidenen Budget eines Turners durchaus ein Bonus. Doch manchmal ist Zeit der schönere Lohn für eine Medaille. Stunden oder Tage, in der einmal nichts gedehnt werden muss, nichts riskiert und keine Befehle der Trainer ausgeführt. Ein paar stille Augenblicke am Pool zum Beispiel, die sich Oliver Hegi gönnte, nachdem er in Glasgow EM-Gold am Reck gewonnen hatte. Nicht im Mittelmeer zwar, sondern im Garten seines Elternhauses, aber immerhin: zwei freie Tage.

Ein wenig im Hamsterrad

Turnen hat Züge eines Hamsterrades: Auf Aufbau folgen Wettkämpfe folgt Lernphase folgen Wettkämpfe, und dann ist das Jahr vorbei. «Um dazwischen richtig zu regenerieren, wäre es nötig, zwei Wochen zu pausieren», sagt Hegi, der 25-jährige Aargauer. Doch eine solche Absenz kann sich nicht leisten, wer wie er nach EM-Gold auch an der WM eine Medaille anstrebt. Nur gut zwei Monate sind vergangen seit dem Triumph von Glasgow.

Mit seinem Erfolg beflügelte Hegi die Ambitionen des STV hinsichtlich der WM im Wüstenstaat Katar, die morgen mit der Qualifikation der Männer beginnt. Zumal Hegi am Königsgerät nicht die einzige Schweizer Hoffnung ist. Ein Jahr vor ihm hatte Pablo Brägger EM-Gold gewonnen – vor Hegi.

In diesem Jahr zwang den um ein Jahr älteren Ostschweizer eine Knieverletzung zum EM-Verzicht, was mit sich brachte, dass er für die WM einen anderen Weg ging als Kollege Hegi. Seit August trainiert Brägger wieder beschwerdefrei an allen sechs Geräten, ohne EM galt sein Fokus so seit drei Monaten voll der WM. «Ich bin fit, und ich hatte mehr Zeit für den Aufbau», sagt er. «Vielleicht ist das mein Vorteil für diese WM.»

Mit der WM eine Rechnung offen

Hegi und Brägger sind mit grossen Ambitionen nach Doha gereist, wo zuletzt nach heftigen Regenfällen die Strassen teilweise metertief unter Wasser standen. Beide sind schon Europameister, beide haben mit ihren schwierigen Übungen das Zeug zum Coup auf der weltweiten Bühne. Und beide haben mit der WM noch eine Rechnung offen.

Schon vor einem Jahr in Montreal hatten beide den Final am Reck erreicht, doch am entscheidenden Tag zeigten sie keinen perfekten Auftritt. Brägger kam der Medaille zwar auch so sehr nahe, mit Rang 4 war er aber so wenig zufrieden wie Hegi, der sich nach gleich drei Fehlern ganz am Ende klassierte.

Das soll ihnen diesmal nicht passieren. Offiziell gibt der STV die Vorgabe aus, dass sich zumindest einer der beiden für den Gerätefinal qualifizieren soll. Von einer Medaille spricht niemand. Und doch sagt Hegi: «Ich richte meine eigenen Ziele immer an der Qualität meines Trainings aus. Derzeit bin ich auf einem Level, auf dem ich mir die höchstmöglichen Ziele setzen kann.»

Priorität hat das Team

Brägger wird in Doha mit einer leicht reduzierten Schwierigkeit turnen, weil der Teamwettkampf Priorität geniesst und Nationaltrainer Bernhard Fluck entsprechend taktieren will. Zum dritten Mal in Folge will die Schweiz den WM-Teamfinal erreichen, Sicherheit geht deshalb vor. Trotzdem liebäugle er mit dem Reckfinal, sagt Brägger, und er freue sich, «dieses Ziel wieder zusammen mit Oli in Angriff zu nehmen».

Von den beiden turnt Brägger noch immer eine Stufe schwieriger, dafür sind nur wenige Turner sauberer als Hegi. In Glasgow übertrumpfte er dank seines perfekten Stils gar den eigentlich fehlerlosen Epke Zonderland. Der Exploit setzte Kräfte frei für den Rest der Saison, die strengen Wochen seither. Und jetzt, sagt Hegi, «geht es ja nicht mehr ewig bis zur Wettkampfpause.»

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