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Volkan Özdemir hat keine Zeit

Der 29-jährige Fribourger ist der grösste Schweizer Star in der UFC, der grössten Mixed-Martial-Arts-Liga der Welt. An diesem Wochenende kämpft er in London.

Volkan Özdemir in seinem bisher einzigen UFC-Titelkampf gegen den späteren Sieger Daniel Cormier.
Volkan Özdemir in seinem bisher einzigen UFC-Titelkampf gegen den späteren Sieger Daniel Cormier.
Keystone

Irgendwann musste sich Volkan Özdemir entscheiden. Wollte er wirklich für immer so weitermachen, tagsüber Training bis zur Erschöpfung und nachts dann irgendeinen gottverdammten Job, um wenigstens die Miete zahlen zu können? Oder sollte er einfach alles hinter sich lassen, Familie, Freunde, Heimat?

Kurz darauf packte er seine Sachen und stieg in den Flieger nach Florida.

Heute weiss Volkan Özdemir, dass es die richtige Entscheidung war. Der 29-jährige Fribourger hat es als bislang einziger Schweizer geschafft, sich in der grössten MMA-Liga der Welt, der UFC, durchzusetzen. «Vor fünf Jahren habe ich Schulden gemacht, um in Brasilien, Dänemark oder den USA zu kämpfen. Ich habe als Nachtwächter bei der Post oder in der Bar meines Vaters gearbeitet», sagt er. «Jetzt gehöre ich zu den besten Kämpfern der Welt.»

Den entscheidenden Aufschwung nimmt seine Karriere Anfang 2017. «Ich lag nach dem Training auf der Couch und habe irgendeinen Mist auf Netflix geschaut. Plötzlich klingelte mein Telefon und ein Vertreter der UFC fragte mich, ob ich zwei Wochen später für einen anderen Kämpfer einspringen wolle.» Özdemir wollte – obwohl er sich eigentlich auf einen anderen Gegner in einer anderen Gewichtsklasse in einer anderen Liga vorbereitet hatte. Egal.

Juristische Probleme

Seinen ersten Kampf gewinnt der krasse Aussenseiter nach Punkten, die nächsten beiden via Knock-out innerhalb weniger Sekunden. Nach seinem dritten Sieg stürmt Özdemir durch das Oktagon und schlägt mit dem Finger immer wieder auf sein linkes Handgelenk. Seitdem nennen sie ihn in den USA, wo man traditionell etwas Mühe mit einem Namen wie Özdemir hat, «No Time». «Keine Zeit».

Innerhalb von sechs Monaten wird Özdemir in den USA zu einer Attraktion. Der Sohn einer Schweizerin und eines Türken gilt als bester Newcomer des Jahres 2017, verdient an einem Abend mehr als 100.000 Dollar und erhält einen neuen Vertrag von der Liga. Wie schnell es aber auch in die andere Richtung gehen kann, muss er in den folgenden Monaten erleben.

Im November 2017 wird er nach einem Vorfall in einer Bar in Florida mit dem Vorwurf der schweren Körperverletzung festgenommen und kommt erst auf Kaution wieder frei. Kurz darauf verliert er seinen bisher einzigen Titelkampf gegen die UFC-Legende Daniel Cormier vor 16.000 Zuschauern in Boston. Danach muss er, der keine Zeit zu verlieren hat, warten.

Aufgrund der juristischen Situation kann er das Land nicht verlassen, das Verfahren gegen ihn wird erst im Juni 2018 eingestellt. Auch jetzt hat er noch Visa-Probleme. Danach bricht Özdemir sich vor einem Kampf die Nase. Sein vorerst letztes Duell verliert er im Oktober, weil sein Gegner ihn mit einem Würgegriff zur Aufgabe zwingt.

«Die letzten Monate waren nicht einfach. Die Niederlagen, die juristischen Probleme und die Ungewissheit, wann ich wieder kämpfen kann», sagt Özdemir. «Aber das kann mich nicht von meinem Weg abbringen. Ich werde die Welt erobern.»

An diesem Wochenende trifft die Nummer 6 im Halbschwergewicht in der Londoner O2-Arena in seinem sechsten UFC-Kampf auf den ungeschlagenen Amerikaner Dominick Reyes. Özdemir sagt: «Ich werde keine Zeit mehr verlieren.»

Video: Özdemir Vorbereitung in Neuchâtel

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