Trump beleidigt Sportler und provoziert heftige Reaktionen

Der US-Präsident bezeichnet protestierende Footballer als Hurensöhne. Auch weisse Teambesitzer wehren sich empört.

Protest gegen Polizeigewalt und Rassismus: Colin Kaepernick und Kollegen knien während der Nationalhymne. Bild: Getty Images

Protest gegen Polizeigewalt und Rassismus: Colin Kaepernick und Kollegen knien während der Nationalhymne. Bild: Getty Images

David Wiederkehr@DavidWiederkehr

Donald Trump legt sich gerne mit allem und jedem an. Auch mit Sportlern, wenn es seiner Sache dient. Ein besonderes Feindbild für ihn ist Colin Kaepernick. Der frühere Quarterback der San Francisco 49ers hatte vor gut einem Jahr begonnen, während der Nationalhymne zu knien, um damit gegen die Ungleichbehandlung von Schwarz und Weiss und die Polizeigewalt in den USA zu protestieren.

Seither zogen vereinzelte Spieler nach, doch Kaepernick ist der Dorn in Trumps Auge geblieben, auch wenn er seit letzter Saison ohne Verein ist. Der US-Präsident hatte dem 29-jährigen Sohn eines Afroamerikaners und einer Weissen schon geraten, das Land am besten zu verlassen. Damals ist es aber noch nicht zu Massenprotesten unter den Profis gekommen.

Auftritt in Huntsville, Alabama: Präsident Donald Trump bezeichnet US-Sportler als «Hurensöhne». Video: Tamedia/AFP

Nun könnte der Präsident allerdings zu weit gegangen sein. An einer Wahlveranstaltung in Huntsville, Alabama, nannte er protestierende Spieler wie Kaepernick «Hurensöhne» und fragte seine Fans: «Würdet ihr es nicht gern sehen, wenn die Teambesitzer sie sofort vom Feld nehmen? Raus, entlassen!» Während der Nationalhymne zu knien, wiederholte er, sei «eine totale Respektlosigkeit gegenüber unserer Tradition». Den Chef der National Football League (NFL), Roger Goodell, forderte er auf, den Spielern zu befehlen, sie hätten zu stehen.

Trumps Twitterfehde

Die Reaktionen auf den grobschlächtigen Kommentar des Commanders in Chief liessen nicht lange auf sich warten. Kaepernicks Mutter Teresa, die eine weisse Hautfarbe hat, schrieb auf Twitter kurz und knapp: «Das macht mich also zu einer stolzen Hure.»

Eine Welle der Entrüstung schwappte bald durch das soziale Netzwerk, und ein Sportler nach dem anderen widersprach Trump vehement, der seinerseits weitere Tweets nachlegte. Als der Präsident von einem «Privileg» schrieb, «Millionen in der NFL zu verdienen», antwortete der frühere Houston-Runningback Arian Foster dem Millionenerben: «Es ist kein Privileg, es ist verdient. Wir haben kein Vermögen von unseren Vätern erhalten.»

Richard Sherman von den Seattle Seahawks, einer der bekanntesten Verteidiger der Liga, schrieb: «Das Verhalten des Präsidenten ist nicht zu akzeptieren. Wer diese Aussagen nicht verurteilt, heisst sie gut.» Und legte eine eindrückliche Videobotschaft nach.

Interessant ist vor allem der Zeitpunkt dieser jüngsten Protestwelle, schliesslich steht heute Sonntag der dritte Spieltag der NFL an. Nachdem in den vergangenen Wochen immerhin eine Handvoll Spieler dem Vorbild Kaepernicks gefolgt ist, könnte diesmal in allen Stadien ein starkes Zeichen gesetzt werden. Und zwar sporartenübergreifend: Schon am Samstagabend knieten erstmals auch Spieler der Major League Baseball zu «Star-Spangled Banner».

Mit Bruce Maxwell von den Oakland Athletics schliesst sich auch ein Baseballer dem Protest an. Bild: Keystone

Und vor allem: Die Spieler sind nicht mehr alleine. Auch Teambesitzer und Trainer, fast alle von ihnen mit weisser Hautfarbe, sahen sich angesichts der präsidialen Aussagen zu einem Statement gezwungen. Kommentare wie diese sind unangebracht und beleidigend. «Wir sind stolz auf unsere Spieler», schrieben etwa die Eigentümer der New York Giants.

83 Prozent der NFL-Fans sind weiss

Weitere Besitzer schlossen sich an, auch wenn ihnen ihre delikate Lage wohl bewusst ist: Fast 70 Prozent aller Spieler sind schwarz, 83 Prozent der Fans dagegen weiss. Vor allem im konservativeren Süden ist Football fest verwurzelt. Entsprechend verhalten war die offizielle Reaktion der NFL, in der sie Trump nicht namentlich erwähnte.

Pete Carroll dagegen, der Chefcoach der Seahawks, liess klar und deutlich verlauten: «Ich stehe zu meinen Spielern. In diesen polarisierenden Zeiten kann ich nicht länger still sitzen. Wir wehren uns gegen Entzweiung und Hass.» Sein Spieler Doug Baldwin versprach: «Ich werde Widerstand leisten bis zum Äussersten.»

Unterstützung erhielten die Profis der NFL vor allem von den Basketballern der NBA. Am gleichen Tag legte sich Trump auch mit Superstar Steph Curry an, nachdem sich dieser ablehnend über einen Besuch im Weissen Haus geäussert hatte – die Golden State Warriors als aktueller Meister wären traditionsgemäss geladen gewesen. Trump entzog ihnen «diese Ehre» auf Twitter, worauf das Team bekannt gab, es habe gar keine Einladung vorgelegen.

Dass solche Attacken nun vielleicht das Gegenteil bewirken können von dem, was Trump sich von ihnen versprach, zeigte die Reaktion von LeBron James auf diesen Tweet. James ist Currys Erzrivale, mit den Cleveland Cavaliers duellierte er sich zuletzt dreimal in Folge im NBA-Final (und gewann 2016). James also schrieb an die Adresse von Trump: «Du Penner, Steph Curry hat bereits gesagt, er wolle nicht gehen. Ins Weisse Haus zu gehen, war eine Ehre, bevor du aufgetaucht bist.»

baz.ch/Newsnet

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