Zum Hauptinhalt springen

Sandy den Finger zeigen

Der Entscheid von New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg sorgt für hitzige Diskussionen. Er hat beschlossen, den Marathon am Sonntag durchzuführen – ein richtiger Entscheid.

Am ersten Wochenende im November gehört New York in aller Regel den Läufern. Über 47'000 waren es 2011, die an der Startlinie des New York Marathons auf Staten Island standen. Die 42,195 Kilometer führen durch die fünf Boroughs der Metropole. Sturm Sandy hat New York aber gebeutelt, einige Stadtteile gleichen immer noch einem Schlachtfeld. Menschen verloren ihr Leben, Spitäler mussten wegen Stromausfall Tage nach dem Sturm evakuiert werden. Die Aufräumarbeiten laufen auf Hochtouren, die Rettungskräfte arbeiten rund um die Uhr. Die Schäden drohten, den Marathonveranstaltern einen dicken Strich durch die Rechnung zu machen.

Am Mittwoch kündigte New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg an: Der Lauf findet statt. Er erntete dafür prompt Kritik. Zu den lautesten Tadlern gehört die New Yorker Senatorin Liz Krueger. Sie spricht von einer eklatanten Fehlentscheidung, der Marathon binde zu viele Kräfte. Auch James Molinaro, Vorsteher des Stadtbezirks Staten Island, wo der Startschuss fallen soll, rügt den Entschluss des Bürgermeisters. Es sei eine Katastrophe und darum nicht Zeit für eine Parade.

Bloombergs Entscheid ist aber symbolhaft und passt zur amerikanischen Metropole. Die New Yorker haben es immer wieder verstanden, sich nach schweren Schicksalsschlägen aufzubäumen. Das eindrücklichste Beispiel dafür ist der Terroranschlag auf die Zwillingstürme am 11. September 2001. Die Stadt und die Menschen stiessen damals an ihre Grenzen. Kaum zwei Monate später traten für einmal hauptsächlich Amerikaner an die Startlinie des Marathons, während viele Touristen auf eine Reise nach New York verzichteten. Sie trotzten damit ihrer eigenen Angst. Sie machten aus dem New York City Marathon ein Sinnbild für ihren Kampfgeist, ihre Zuversicht und Hoffnung.

Genau dieses Zeichen wollen die New Yorker heuer wieder setzen. Sie wollen Sandy den Stinkefinger zeigen – das hat Bloomberg richtig erkannt. Ein Beweis dafür ist, dass sich beim Veranstalter unzählige zusätzliche Helfer meldeten, sie wollen den Anlass möglich machen. Etliche Läufer widmen ihre Teilnahme zudem den Sturmopfern, indem sie einer der Hilfsorganisationen Geld spenden.

Einen derartigen Anlass trotzdem zu stemmen, ist die Art der New Yorker, Katastrophen zu verarbeiten. Die Politik darf der Bevölkerung dabei nicht im Weg stehen. Zudem sind die New Yorker am Sonntag in bester Gesellschaft: Auch die Marathonläufer wissen, was es heisst, an die Grenzen zu stossen und trotzdem weiterzukämpfen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch