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Mit wenig Beinfreiheit durch Europa

Wenn sich Sm’Aesch-Pfeffingen aufmacht, um im Europacup zu punkten, hat das wenig mit Luxus zu tun.

Auf dem Volleyballfeld profitiert Taylor Fricano von ihren 1,92 Metern. Im Flugzeug kommt ihr die Grösse jedoch nicht entgegen. Foto: Lucia Hunziker / twi
Auf dem Volleyballfeld profitiert Taylor Fricano von ihren 1,92 Metern. Im Flugzeug kommt ihr die Grösse jedoch nicht entgegen. Foto: Lucia Hunziker / twi

Die Volleyballerinnen von Sm’Aesch haben schon längere Reisen hinter sich gebracht als den gestrigen Dienstausflug in die bulgarische Metropole Sofia. Vor vier Jahren etwa endete ihr Europacup-Höhenflug am Schwarzen Meer in Trabzon, vor drei Jahren ging es von Aesch über Zürich nach Bukarest und dann im Bus weiter bis nach Bacau an der Grenze zu Moldawien. Und vor Jahresfrist gab es den logistisch auch nicht ganz einfachen Trip in die tief verschneite ungarische Provinzstadt Bekescsaba.

Hauptsache, weit im Osten. Das gilt auch für das heutige Sechzehntelfinal-Rückspiel gegen Bulgariens Traditionsverein Levski Sofia. Obwohl eine längere Busfahrt für ein Mal nicht nötig war, dauerte die gestrige Hinreise vom Meetingpoint Löhrenacker via Zürich-Kloten und einem Zwischenstopp in Belgrad bis ins Hotel in Sofia fast zehn Stunden. Ein Direktflug wäre zwar möglich gewesen, war aber aus finanziellen Gründen nicht erste Option. So ist zu erklären, warum die 21-köpfige Aescher Reisegruppe in Belgrad einen Turboprop-Regionalflieger bestieg, der längst nicht mehr zur aviatischen Champions League zählt.

Kein Komfort

Nein, viel Komfort zählt nicht zu den Attributen einer typischen Sm’Aesch-Europacupreise. Komfort oder gar Luxus sind Kriterien, die sich ein Verein wie Sm’Aesch-Pfeffingen nur im Ausnahmefall leisten kann. Auch wenn Volleyballerinnen lange Beine haben, sind genügend Beinfreiheit oder – wie beispielsweise bei den Flügen des FC Basel – gar eine Sitzreihe für sich allein kein Thema.

Gemäss dem Aescher Trainer Andreas Vollmer hat dies jedoch nichts mit fehlender Professionalität zu tun: «Aus Erfahrung weiss ich, dass die Bundesligateams im Europacup oder auch das deutsche Frauen-Nationalteam kaum anders reisen als wir bei Sm’Aesch.» Über Reisestrapazen, so sagt der nebenamtliche Assistenzcoach der deutschen Frauen-Auswahl, würde im Volleyball allenfalls bei Langstreckenflügen geklagt.

Nicht perfekte Bedingungen, sondern eine professionelle Einstellung soll beim Schweizer Vizemeister während den europäischen Reisen im Vordergrund stehen. Ein einheitlicher Auftritt gehört unter anderem dazu. So reisen die Birstalerinnen stets im Clubtenü, sprich in Jacke und dem rosaroten Hoodie. Da, so Vollmer, dulde man keine Extrawünsche.

Auch gefragt sind Aufmerksamkeit und Pünktlichkeit. So erhalten alle Teammitglieder vor der Abreise eine Memo mit den wichtigsten Fakten und Zeiten, die einzuhalten sind. Den Spielerinnen wird auf der Reise und dann auch vor Ort vieles, aber längst nicht alles abgenommen. Dafür ist der mitreisende Staff (Headcoach Vollmer, Assistenztrainer Michal Tarabcik und Physiotherapeutin Tanja Caviezel) schlicht zu klein.

Keine einheitliche Regelung gibt es betreffend Begleitpersonen, sprich mitreisende Fans oder Medienschaffende. Da hängt jeweils vieles von der Grösse der Delegation und dem zur Verfügung stehenden Platzangebot im Flugzeug ab. Weil in Bulgarien nur sechs Begleitpersonen (die beiden Delegationsleiter Bernie Eichenberger und Alexis Stückelberger, zwei Medienvertreter sowie zwei Fans) mit dabei sind, reist der Baselbieter Reisetross zusammen und logiert in Sofia auch im gleichen Viersternhotel.

Eine Konstellation, die Headcoach Vollmer jedoch im Allgemeinen nicht sonderlich behagt: «Der Europacup ist für den Verein wichtig. Die Spielerinnen sollen ihre Ruhe haben und sich voll fokussieren können.» Auch deshalb waren das Team und die Gruppe von Journalisten und Fans in der Vergangenheit meist in zwei verschiedenen Hotels untergebracht.

Kein Sightseeing

Das letzte Wort in Sachen Unterkunft und Verpflegung hatte bei den bisherigen Europacup-Auslandreisen aber bislang stets der omnipräsente Ex-Vereinspräsident Werner Schmid. Er war häufig auch dafür besorgt, dass an den Spielorten ein Sightseeing oder ein Ausflug organisiert wurde. Wobei das Team meist mit dabei war.

In Sofia muss das Begleitprogramm schon nur aufgrund der heutigen frühen Spielzeit und des dicht getakteten Programms (Training in der Halle, Videostudium, Mahlzeiten und die Partie selber) für ein Mal ausfallen.

Auch die allfällige Feier für das Überstehen der Startrunde würde heute Abend wohl sehr überschaubar – und ohne Alkohol – ausfallen. Erstens folgt am Samstagmittag bereits die nächste Reise ins Tessin, wo die Ligapartie und Jahresderniere bei Volley Lugano auf dem Programm steht. Zweitens erfolgt die Rückreise in die Schweiz, dieses Mal immerhin nonstop, morgen früh schon sehr zeitig.

Kein Geld

Bleibt die Frage nach der kürzlich lancierten neuen Crowdfunding-Aktion, die einen Teil der Reisekosten des Bulgarien-Trips decken sollte. Die angepeilten 6000 Franken wurden bis gestern nur zur Hälfte erreicht, womit der Erfolg der nur bis morgen Freitag laufenden Kampagne stark gefährdet ist.

Sm’Aesch-Co-Präsidentin Esther Keller meinte vorgestern dazu: «Ich hoffe, dass es noch einen Endspurt gibt und der Betrag doch noch erreicht wird.» Immerhin: Falls der aktuelle Nationalliga-A-Tabellenführer die Achtelfinals erreicht, wird die nächste Europacup-Reise mit Sicherheit kürzer und günstiger. Die Destination hiesse im Januar nämlich Aachen, wo die Ladies-in-Black mit der langjährigen Birstaler Teamstütze Maja Storck warten würden. Zumindest ein weiteres Abenteuer in einem Regionalflieger mit Propeller dürfte dann vermieden werden. Ein Transportmittel mit einer etwas höheren Decke kommt den gross gewachsenen Spielerinnen durchaus entgegen.

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