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Ein iPad könnte den Absturz von Kobe Bryant klären

Vor zwei Tagen stürzte ein Helikopter mit neun Passagieren an Bord über Kalifornien ab. Nun werden erste Details bekannt.

Die Transportsicherheitsbehörde (NTSB) veröffentlichte erstmals Luftaufnahmen der Unglücksstelle. Video: AP

Nach dem Absturz des Helikopters und neun Toten, darunter der Basketball-Superstar Kobe Bryant und seine 13-jährige Tochter, sind neue Details bekannt geworden. So sei der Unglücksflieger nicht mit einem Geländewarnsystem ausgestattet gewesen, teilte die US-Behörde für Transportsicherheit NTSB mit.

Das Geländewarnsystem TAWS (Terrain Awareness and Warning System) hätte den Piloten im besten Fall vor einem Hügel oder ähnlichen Hindernissen gewarnt. Ob ein solches den tödlichen Unfall jedoch wirklich hätte verhindern können, ist noch unklar. Die Ermittlungen laufen.

Klar ist, die NTSB hatte bereits vor 16 Jahren von der Bundesluftfahrtbehörde FAA gefordert, den Einbau von Geländewarnsystemen für Helikopter zu erzwingen. Diese kam dem Vorschlag 2014 teilweise entgegen und forderte diese Warnsysteme fortan bei Helikoptern, jedoch nur bei solchen der Luftrettung. Ein Entscheid, den die NTSB kritisierte. Die FAA habe es versäumt, zu handeln, sagte die NTSB deshalb an einer Pressekonferenz. Kurt Deetz, ein ehemaliger Pilot, der auch Kobe Bryant gelegentlich selber flog, bezweifelte gegenüber der «New York Times», dass das System den Unfall hätte verhindern können.

Kein Flugschreiber, aber ein iPad

Nebst dem Geländewarnsystem verfügte der Helikopter offenbar auch nicht über einen Flugschreiber. «Das ist eigentlich etwas, was wir während Jahren immer wieder gefordert hatten», sagte eine NTSB-Sprecherin als weitere Kritik an die FAA gerichtet. Ein solcher Flugschreiber hätte bei dieser und weiteren Untersuchungen wesentlich geholfen.

Neun Tote, eine Frage: Wie kam es zum Helikopterabsturz in Calabasas, Kalifornien? Foto: Patrick T. Fallon, Reuters
Neun Tote, eine Frage: Wie kam es zum Helikopterabsturz in Calabasas, Kalifornien? Foto: Patrick T. Fallon, Reuters

Hoffnung setzen die Ermittler jetzt auf ein beim Absturzort gefundes iPad. Darauf ist nach Angaben der Behörden ein Flugprogramm installiert, das Piloten normalerweise bei der Navigation benützen. Ebenfalls geborgen wurde ein Smartphone, das nun zusammen mit dem iPad untersucht wird.

Video von Helikopter im Netz

Der Pilot der Unglücksmaschine sei laut aktuellen Erkenntnissen wegen der ungünstigen Wetterverhältnisse im Sichtflug geflogen, der eine tiefe Flughöhe voraussetzt. Während des Fluges habe er dann die Unterstützung eines Fluglotsen angefordert, der ihm bei der Navigation helfen sollte. Die amerikanische Boulevardzeitung «TMZ», welche zuerst über den Todesfall von Bryant berichtete, machte diese Funkaufzeichnungen zwischen dem Piloten und dem zuständigen Kontrollturm publik. Der Helikopter fliege zu tief, um Assistenz aus dem Kontrollturm zu bekommen, sagte der Fluglotse am anderen Ende der Leitung. Doch beim Piloten im Cockpit war der Funk bereits abgebrochen.

Auf einem Augenzeugenvideo, welches die Unglücksmaschine Minuten vor dem Unfall zeigen soll, ist zu sehen, wie diese auf tiefer Flughöhe am Himmel kreist. «Der Helikopter kreiste sehr, sehr tief, man hätte ihm fast etwas anwerfen können», so der Augenzeuge gegenüber der «New York Times».

Der Beschrieb passt soweit mit den Schilderungen der Luftsicherheitsbehörde überein, wonach der Helikopter rund elf Minuten lang über Glendale kreiste, während er auf die Genehmigung zur Weiterreise des Kontrollturms wartete.

Absturz mit «hoher Aufprallenergie»

Nach Untersuchungen der NTSB prallte der Helikopter mit grosser Geschwindigkeit auf den Boden. Die Sprecherin sprach von einem Absturz mit «hoher Aufprallenergie». Der Pilot habe demnach versucht, aus einer Wolkenschicht herauszufliegen, als der Helikopter mit dem gebirgigen Gelände kollidierte. Der Helikopter des Typs Sikorsky S-76 war bei Nebel um 9.45 Uhr (Ortszeit) am Sonntag abgestürzt und in Flammen aufgegangen.

Ein vorläufiger Bericht von Experten der Behörde dürfte in zehn Tagen vorliegen. Mit einem abschliessenden Ergebnis und der Unfallursache sei aber erst in 12 bis 18 Monaten zu rechnen. In der Zwischenzeit hat die örtliche Polizei einen Zeugenaufruf gestartet und die Bevölkerung aufgefordert, Bilder des Wetters in der Nähe des Unfallortes einzusenden.

Erstmals äussert sich Bryants Ehefrau

Inzwischen ist die Leiche des US-Basketballstars Kobe Bryant identifiziert worden. Die Obduktion der Leichen habe auch den Tod von Baseballtrainer John Altobelli (56) und zweier weiterer Insassen bestätigt, teilte die Gerichtsmedizin in Los Angeles am Dienstag mit. Mit Bryant waren seine 13 Jahre alte Tochter Gianna und sieben weitere Menschen bei dem Absturz ums Leben gekommen.

Am Donnerstag äusserte sich auch erstmals Vanessa Bryant zum Tod ihres Ehemanns (wer sich sonst noch zum Tod des Basketball-Stars äusserte, lesen Sie hier). «Es gibt im Moment nicht genug Worte, um unseren Schmerz zu beschreiben», teilt sie über Instagram mit. Die Familie sei «völlig erschüttert» über den plötzlichen Verlust ihres Mannes sowie ihrer Tochter. Ebenso drückte die 37-Jährige ihr Mitgefühl mit den weiteren Opfern des Helikopterunglücks aus: «Auch für die Familien, die am Sonntag ihre Angehörigen verloren haben, sind wir am Boden zerstört, und wir teilen ihre Trauer auf innige Weise.» Mit der familieneigenen Sportstiftung, der Mamba Sports Foundation, wolle die Familie nun Geld für die sieben weiteren Opfer des Unglücks sammeln.

Hochkonjunktur bei Nike-Produkten mit Bryant-Namen

Der Tod der Basketball-Legende führte zu einem Run auf Nike-Produkte mit seinem Namen und den Nummern 8 und 24 drauf – diejenigen Nummern, die Bryant während seiner fast zwanzigjährigen Karriere bei den Los Angeles Lakers getragen hatte. «Alle ausverkauft», bestätigt ein Mediensprecher gegenüber der «New York Times». Ob und wann wieder aufgestockt würde, gab der Sprecher nicht bekannt.

SDA/sho

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