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Fehlinterpretation, Blutarmut, Hämorrhoiden

Die mit dem Blutpass überführten Dopingsünder beteuern ihre Unschuld.

Gerät er in Erklärungsnot? Der Radrennfahrer Franco Pellizotti muss am 17. Mai vor der Anti-Doping-Behörde vorsprechen.
Gerät er in Erklärungsnot? Der Radrennfahrer Franco Pellizotti muss am 17. Mai vor der Anti-Doping-Behörde vorsprechen.
Keystone

Am 17. Mai, wenn seine Kollegen im Giro d’Italia von Frosinone nach Cava de Tirreni fahren, zieht es auch Franco Pellizotti aus dem Veneto in den Süden. Um 12 Uhr mittags muss der Giro-Dritte des letzten Jahres bei der italienischen Anti-Doping-Behörde im Olympiastadion von Rom vorsprechen und versuchen, seine Unregelmässigkeiten im biologischen Pass zu erklären.

Gelingt es ihm nicht – wie schon bei den unabhängigen Experten des Weltverbandes UCI –, droht ihm eine zweijährige Sperre. Und damit das Schicksal einiges seiner Vorgänger an der Tour de France. Von den Bergkönigen der letzten 16 Jahre hatten nur drei nie Probleme mit den Dopingjägern: Mauricio Soler, Laurent Jalabert und Christophe Rinero.

Bei Pellizottis Vorgänger Bernhard Kohl wurde 2008 das Epo-Produkt Cera gefunden. Michael Rasmussen flog 2007 als Leader aus der Tour, weil er seinen Trainingsaufenthalt in Mexiko verschwiegen hatte. Richard Virenque, mit sieben Trophäen der Rekordhalter, gestand vor einem ordentlichen Gericht den Epo-Missbrauch. Santiago Botero war ein Kunde des Dopingarztes Eufemiano Fuentes.

So sicher wie eine DNA-Analyse

Pellizotti wies in einer Pressekonferenz in Mailand empört jede Schuld von sich. Unterstützt wurde er dabei vom Liquigas-Teamarzt Roberto Corsetti, für den die Blutpass-Daten die Schuld nicht eindeutig beweisen. Giuseppe Banfi, einer der führenden Blutexperten, aufgrund dessen Arbeit kürzlich die Eisschnellläuferin Claudia Pechstein überführt wurde, habe sich in einem Doppelblindtest die Werte angesehen, ohne zu wissen, um wen es sich dabei handelte, und er habe, wie einer seiner Kollegen, keine verdächtigen Anhaltspunkte gefunden.

Bei den Experten der UCI gibt es dagegen keine Zweifel. Für sie sind die Ergebnisse ihrer Auswertungen so sicher wie eine DNA-Analyse. Wie die letzten drei Fälle zeigten, brauchen sie sehr viel Zeit, bis sie es wagen, ein Verfahren zu beantragen. Laut «Gazzetta dello Sport» wurde Pellizotti seit November 2008 genauer beobachtet und gezielt kontrolliert – bis zu einer weiteren verdächtigen Blutprobe beim Tour-Start im Juli 2009. Danach wurde er offenbar nicht mehr gejagt. Pellizotti wunderte sich, dass er seit der Tour nur noch zweimal im Training kontrolliert wurde.

Weisen Schuld von sich

Einer, der sich Pellizottis Erklärungen nicht anhören mag, ist Ivano Fanini, der Chef von Amore & Vita. Vor einem Jahr hatte er Pellizotti (und mit ihm Nibali) beschuldigt, in Livigno mit dem berüchtigten und wegen Dopings gesperrten «Preparatore» Michele Ferrari trainiert zu haben. Pellizotti dementierte heftig, obwohl Fanini behauptete, Beweise zu haben.

Wie Pellizotti weisen auch die beiden andern «Blutpass-Opfer» Tadej Valjavec und Jesus Rosendo jede Schuld von sich. Der Slowene beschuldigt einen Teamarzt von AG2R, der UCI wichtige Unterlagen nicht weitergeleitet zu haben. Er sei krank gewesen und habe wegen Blutarmut behandelt werden müssen. Der Spanier berief sich auf Hämorrhoiden, die zu Blutverlust und damit zu einer natürlichen Erhöhung der jungen Blutkörperchen geführt hätten.

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