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Familie und Reisepass weg, per Haftbefehl gesucht

Enes Kanter, einer der besten türkischen Basketballer, vergleicht Erdogan mit Hitler. Dessen Reaktion ist heftig – und Kanter staatenlos

Er kann nicht mehr in seine Heimat: Enes Kanter.
Er kann nicht mehr in seine Heimat: Enes Kanter.
Keystone

1992 ist Enes Kanter in Zürich als Sohn türkischer Eltern auf die Welt gekommen. Heute spielt er Basketball in der NBA bei Oklahoma City Thunder. Und das sehr erfolgreich. Er ist einer von nur drei Türken in der NBA . Dazu ist er der erste Thunder-Spieler in der Vereinsgeschichte, der in einem Spiel über 30 Punkte und 20 Rebounds erspielt hat. Sein Jahresgehalt beträgt 17 Millionen Dollar.

Doch Enes Kanter ist nicht nur auf dem Basketball-Court aktiv. Wer seinem Twitter-Account folgt, der merkt schnell, dass der Mann durchaus noch andere Interessen hat. Kanter verfolgt das Geschehen in seinem Heimatland genau, kritisiert es und ist politisch aktiv. In seinem letzten Tweet ruft er seine Follower dazu auf, für ihre Überzeugungen einzustehen. Die Reaktionen sind mehrheitlich positiv. Trotzdem wird Kanter in der Türkei per Haftbefehl gesucht.

Von der Familie verstossen

Nachdem er das Land verlassen hatte, um in der NBA Fuss zu fassen, schloss Kanter sich der Gülen-Bewegung an. Eine soziale Bewegung, angeführt vom islamistischen Geistlichen Fethullah Gülen. Dieser gilt in der Türkei als Persona non grata und lebt seit 1999 im Exil in Pennsylvania. Der türkische Präsident Recep Erdogan machte Gülen und seine Bewegung für den gescheiterten Putschversuch im Sommer 2016 verantwortlich.

Kanter postete nach den Vorwürfen diverse Videos von Gülen, in denen der Prediger beteuerte, nichts mit dem Putsch zu tun zu haben. Der Basketballer kritisierte auch Erdogan heftig. Gar nicht gefallen hat das seinen Angehörigen: Im August 2016 veröffentlichte Kanter ein Schreiben auf Twitter, in dem er mitteilte, dass seine Familie ihn verstossen habe. Das Schreiben unterzeichnete er mit «Enes (Kanter) Gülen». Seine Liebe zu Gülen sei grösser als die Liebe zur Familie.

«Hitler unseres Jahrtausends»

Am 20. Mai wurde Kanter die Einreise nach Rumänien verweigert, weil sein Reisepass annulliert worden war. Auch diesen Vorfall dokumentierte er auf Twitter. In einem Video gab er an, dass er aufgrund seiner politischen Ansichten am Flughafen von Bukarest festgehalten wurde. Im gleichen Video bezeichnete er Erdogan als «Diktator» und «Hitler unseres Jahrtausends». Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu, wollte Kanter in Rumänien Veranstaltungen besuchen, die in Verbindung zur Bewegung des Predigers Fethullah Gülen stehen.

Mittlerweile ist Kanter wieder auf amerikanischem Boden. In die Türkei kann er nicht mehr – dort wird er wegen der Mitgliedschaft in einer Terrororganisation per Hafbefehl gesucht. In einer Pressekonferenz teilte er mit, dass er sich um die amerikanische Staatsbürgerschaft bemühen wolle: «Derzeit bin ich staatenlos. Da ich eine Green Card besitze, werde ich versuchen, amerikanischer Bürger zu werden. Vielleicht kann das den Prozess ein wenig beschleunigen.»

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