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Eine Saison, der abermals die Krönung fehlt

Die Sm’Aesch-Volleyballerinnen standen in drei Finals, scheiterten aber jeweils am überraschend starken Neuchâtel. Zieht die neue Aescher Chefetage die richtigen Schlüsse, könnte der Traum vom ersten Meistertitel indes schon bald wahr werden.

Am Ende müssen die Sm’Aesch-Spielerinnen einmal mehr dem Gegner applaudieren.
Am Ende müssen die Sm’Aesch-Spielerinnen einmal mehr dem Gegner applaudieren.
Keystone

Der Schweizer Frauen-Volleyball lebt – Stav Jacobi sei Dank! Der Entscheid des Volero-Zürich-Präsidenten, sein nationales Überteam nach Südfrankreich zu transferieren, hat wie eine starke Vitaminspritze gewirkt. Die Playoff-Finalserie zwischen dem neuen Meister Neuchâtel UC und Sm’Aesch-Pfeffingen hat gezeigt, was möglich ist, wenn sich zwei Teams auf Augenhöhe gegenüberstehen und der Meister nicht von vornherein so gut wie feststeht: volle Hallen, umstrittene und spannende Duelle, Emotionen hüben wie drüben und – nicht zuletzt – zwei junge Equipen mit vergleichsweise wenigen Ausländerinnen.

Im letzten Finalvergleich in Neuenburg standen in der Startformation bloss drei (NUC) beziehungsweise vier (Sm’Aesch) Söldnerinnen. Nur zwölf Monate nachdem Volero-Boss Jacobi im zweiten Finalspiel nach der Startniederlage in Aesch gegen das Reglement seine beiden Schweizerinnen vom Feld geholt hatte, ist dieser Fakt bemerkenswert.

Ein neues Problem

Aus Sicht von Finalverlierer Sm’Aesch-Pfeffingen fällt das Fazit der Spielzeit 2018/19 auch unter dem Eindruck einer missglückten letzten Partie überhaupt nicht durchzogen aus. Das formulierte Saisonziel, in Meisterschaft und Cup wiederum Medaillen zu holen, ist mit einer gänzlich neu formierten Equipe erfüllt worden. Zweimal Silber, den Supercup einmal ausgeklammert, ist – auch ohne Volero – eine starke Ausbeute. Dies vor allem in Anbetracht der schwierigen, ja gar widrigen Umstände.

Nachdem das Birstaler Spitzenteam in den zwei vorangegangenen Spielzeiten von Verletzungen weitgehend verschont geblieben war, änderte sich dies definitiv in den letzten Monaten. Es begann mit dem Kreuzbandriss der neu verpflichteten Solenn Fabien bereits zwei Wochen vor Saisonbeginn, um sich dann mit den Gehirnerschütterungen der ebenfalls neuen Taylor Tashima und Anika Schwörer fortzusetzen und endete schliesslich mit gleich drei zusätzlich angeschlagenen Spielerinnen (Madlaina Matter, Kristen Tupac und Annalea Maeder) in der entscheidenden Meisterschaftsphase, als es um den Titel ging.

Auch wenn mit Rückkehrerin Tess von Piekartz und der im Januar dazugestossenen Monika Chrtianska während der Saison Ersatz verpflichtet wurde, war der Aderlass mit ein Grund für das verpasste Gold.

Nach der Saison ist vor der Saison

Dass man in Aesch trotz inzwischen neun erreichten Finals (vier in der Liga, drei im Cup sowie zwei im Supercup) weiterhin auf den ersten Titel der Vereinsgeschichte warten muss, hat aber auch mit der Zusammensetzung des Teams zu tun. Derweil die letzten Sommer neu verpflichteten Gabi Schottroff, Dora Grozer und Tashima die Erwartungen im Baselbiet durchaus erfüllt haben, konnten Jessica Ventura sowie Tupac auf Schlüsselpositionen ihre Vorgängerinnen Maja Storck und Anna Pogany nicht vergessen machen.

Die Sm’Aesch-Ausgabe 2018/19 kam so eine Spur leichtgewichtiger daher als die starke letztjährige Equipe. Im Cup- wie auch im Playoff-Final hatte dies gegen ein sich stetig steigerndes Neuchâtel Konsequenzen. Top-skorerin Grozer wurde vom gegnerischen Block meist zugestellt, womit der Baselbieter Offensive die Hälfte ihrer Durchschlagskraft genommen wurde – eine folgenschwere Tatsache.

Nach der Saison ist vor der Saison: Mit der Stabübergabe vom langjährigen Aescher Steuermann Werner Schmid ans neue Co-Präsidium Esther Keller und Matthias Preiswerk folgt ab sofort ein neues Kapitel in der Sm’Aesch-Clubgeschichte. Dem Vernehmen nach ist der Ablösungsprozess in den letzten Wochen gut in die Gänge gekommen. «Wir haben bereits einiges aufgegleist und sind derzeit voll mit der Planung der nächsten Saison beschäftigt», sagt Keller als neue strategische Verantwortliche im Bereich Kommunikation und Marketing.

Eine neue Zuspielerin

Was die sportlichen Ziele der Spielzeit 2019/20 betrifft, meint die lizenzierte Volleyballspielerin: «Wir wollen weiter angreifen und ganz vorne mitspielen.» Die Ansage bedeutet, dass nach vier zweiten Plätzen in Folge gewiss auch der Titel angestrebt werden soll. Um gegenüber den Rivalen NUC, Düdingen und Schaffhausen nicht nur auf Augenhöhe, sondern etwas darüber zu stehen, müsste das Budget dementsprechend nach oben angepasst werden. Mit Sponsoren allein dürfte dies nach dem Wegfall von Werner Schmids Connections nicht möglich sein – folglich bräuchte es wohl privates Geld, wobei dem neutralen Betrachter der Name des neuen Mitbesitzers Matthias Preiswerk natürlich als Erstes in den Sinn kommt.

Die Teambildung für die kommende Saison ist gemäss Keller teilweise bereits fortgeschritten: «Es zeichnet sich ab, dass die Verträge mit der Mehrheit der Schweizer Spielerinnen verlängert werden. Und die Chancen, dass auch Hauptangreiferin Dora Grozer im Baselbiet bleibt, sind intakt.»

Zuoberst auf der Sm’Aesch-Wunschliste steht nun die Verpflichtung einer neuen ersten Zuspielerin. «Wir hoffen, dass in einigen Wochen die allermeisten Verträge unterschrieben sind», meint die frühere Telebasel-Moderatorin zu den noch offenen Personalfragen. Die neue Aescher Chefetage scheint sich zumindest schon gut eingearbeitet zu haben. Man darf auf die Fortsetzung der Sm’Aesch-Story also gespannt sein.

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