Zum Hauptinhalt springen

Doping sorgt im Bobsport für Aufruhr

Die positive Dopingprobe von Martin Galliker ist kein Einzelfall. Thomas Herzog, Anschieber bei Ivo Rüegg, ist im Training ebenso positiv getestet worden.

Der «Fall» Galliker sorgte vor genau zwei Wochen beim Schweizer Bobverband (SBSV) für eine Negativüberraschung: Positive A-Probe nach einer Trainingskontrolle beim Eistraining in Cesana - so lautete das Verdikt aus Lausanne. Der 34-jährige Pilot des Zürcher Bobclubs zeigte sich ebenso schockiert wie die Funktionäre. «Ich habe wissentlich niemals eine verbotene Substanz zu mir genommen», sagte Galliker. Daran hält er auch jetzt, nach Öffnung der B-Probe, fest. Sportchef Dominik Scherrer fügte damals an: «Wir alle wussten um die Kontrolle in Italien. Zu verbotenen Mitteln zu greifen, hätte aber auch vom Zeitpunkt her, vier Monate vor der WM, keinen Sinn gemacht.» Und: «Zudem hat Galliker athletisch eher stagniert und sich nicht etwa plötzlich gesteigert.»

Erste Dopingfälle

Eher für als gegen den Piloten spricht auch der Umstand, dass er seine letztjährigen Spitzenresultate - erster Meistertitel im Vierer, dazu EM-Zweiter mit dem schweren Schlitten - auf Grund seiner fahrerischen Leistung und seines schnellen Materials erzielt hat.

Ein unerklärlicher Einzelfall also, nachdem es seit Beginn offizieller Kontrollen (Winterspiele 1976 in Innsbruck) im Lager der Schweizer Bob-Elite noch nie einen positiven Befund gegeben hat? Scherrer weist darauf hin, dass seine insgesamt 40 Kader-Athleten allein im letzten Sommertraining 169-mal getestet worden sind - von den Kontrollen im Weltcup und an Titelkämpfen ganz zu schweigen.

Dopingkonvention unterschrieben

Zudem führt der Bobverband vier Mal pro Jahr Ernährungsseminare durch, bietet auch Hand dazu, so genannte Supplimentierungen auf mögliche Verunreinigungen prüfen zu lassen. Und jedes Kadermitglied hat jeweils mit Ausstellung der Lizenz eine Doping-Konvention zu unterschreiben. Sie droht unter anderem harte Konventionalstrafen an.

Dennoch: Fakt ist, dass bei Martin Galliker auch die vom Athleten geforderte B-Probe positiv ist und einen zu hohen Wert an synthetischem Testosteron ausweist. Dies hat der SBSV gestern Nachmittag kommuniziert und gleichzeitig mitgeteilt, der Pilot trete mit sofortiger Wirkung vom Spitzensport zurück. Galliker kommt damit einem verbandsinternen Ausschlussverfahren zuvor. Sein Fall geht nun vom SBSV vorerst zurück an die Disziplinarkommission von Swiss Olympic.

Zu viel Testosteron bei Herzog

Fakt ist aber auch - und damit tut man sich im Bob-Lager doppelt schwer -, dass es einen zweiten Doping-Fall gibt. Thomas Herzog vom Bobclub Zürichsee, fünfter Mann im Vierer von Ivo Rüegg, ist sechs Wochen nach Galliker ebenfalls positiv getestet worden. Ebenso beim Training in Italien - und offenbar mit dem gleichen Testosteron-Befund. Die B-Probe steht in seinem Fall allerdings noch aus. Auch Herzog (31), ein früherer Schwinger, bestreitet, wissentlich gedopt zu haben.

Bei den Schweizer Bobfahrern ist die Verunsicherung zurzeit riesig. Wohl auch deshalb, weil sich die besten Athletinnen und Athleten ein drittes Mal in Cesana befinden, wo am 29. und 30. Oktober die ersten Selektionsrennen für die kommende Weltcupsaison stattfinden. Der Verband seinerseits hat angekündigt, die Kontrollen nochmals zu verschärfen. Zudem erklärte Zentralpräsident Peter Schmid gestern Abend: «Der SBSV wird alles daran setzten, die beiden Vorfälle lückenlos aufzudecken. Wir werden jedes Fehlverhalten hart sanktionieren.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch