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Die perfekte Turnerin ist wieder da

Nadia Comaneci kehrt als Botschafterin der WM dorthin zurück, wo sie 1976 Geschichte schrieb: Montreal.

Die frühere Überturnerin Nadia Comaneci ist heute 55 Jahre alt. Sie ist sich ihrer Rolle als Vorbild bewusst und kehrt als Botschafterin der WM in Montreal an den Ort zurück, wo sie Geschichte schrieb.
Die frühere Überturnerin Nadia Comaneci ist heute 55 Jahre alt. Sie ist sich ihrer Rolle als Vorbild bewusst und kehrt als Botschafterin der WM in Montreal an den Ort zurück, wo sie Geschichte schrieb.
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1976 sorgte die Rumänin in Montreal als 14-Jährige für einen der grössten Sportmomente überhaupt. Sie schaffte das, was niemand für möglich hielt: Am Stufenbarren zeigte sie eine unvorstellbare Übung und bekam dafür die Höchstnote 10,0. Nie zuvor gab es dies an Olympischen Spielen. Auch die Anzeigetafel war nicht dafür gemacht und konnte nur eine 1,00 anzeigen.
1976 sorgte die Rumänin in Montreal als 14-Jährige für einen der grössten Sportmomente überhaupt. Sie schaffte das, was niemand für möglich hielt: Am Stufenbarren zeigte sie eine unvorstellbare Übung und bekam dafür die Höchstnote 10,0. Nie zuvor gab es dies an Olympischen Spielen. Auch die Anzeigetafel war nicht dafür gemacht und konnte nur eine 1,00 anzeigen.
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Allein an jenen Olympischen Spielen schaffte Comaneci die perfekte Übung siebenmal. Dabei hatte die Turnwelt erst ein Jahr zuvor zum ersten Mal Notiz von der rumänisch-amerikanischen Doppelbürgerin genommen: Vorher war sie hinter dem eisernen Vorhang versteckt.
Allein an jenen Olympischen Spielen schaffte Comaneci die perfekte Übung siebenmal. Dabei hatte die Turnwelt erst ein Jahr zuvor zum ersten Mal Notiz von der rumänisch-amerikanischen Doppelbürgerin genommen: Vorher war sie hinter dem eisernen Vorhang versteckt.
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Selbst sie konnte ja nicht für immer 14 bleiben. In unserer Erinnerung aber ist sie es weiterhin: Nadia Comaneci, dieses rumänische Turnwunder, das an den Olympischen Spielen 1976 in Montreal um die Holmen des Stufenbarrens surrt und mit einer spektakulären und heute unvorstellbaren Übung die erste 10,0 der Olympiageschichte erhält. Es ist einer der grössten Sportmomente überhaupt.

So berühmt wie die Turnerin selbst: der Fauxpas der Organisatoren, dass eine 10,0 auf der elektronischen Tafel gar nicht anzuzeigen ist. Aus der 10,0 wird also eine 1,00 und erzeugt natürlich Konfusion. Grund: Niemand hätte für möglich gehalten, dass eine Turnerin eine 10 für Perfektion erhalten könnte. Comaneci schafft das allein an jenen Olympischen Spielen siebenmal.

Fast runde 41 Jahre später ist die inzwischen rumänisch-amerikanische Doppelbürgerin zurück im Olympia­stadion von Montreal, nur eben: nicht mehr als 14-jähriges Mädchen, sondern als 55-jährige Botschafterin – für die heute Montag beginnende Kunstturn-WM wurde sie als Sprecherin engagiert. Das Amt ist allerdings eher repräsentativer Natur, mediale Anfragen nimmt Comaneci kaum entgegen. «Ich bin glücklich, dass die Veranstalter an mich gedacht haben», sagt sie und erklärt ihre Zusage: «Montreal ist ein wichtiger Teil meines Lebens.»

Versteckt hinter dem Vorhang

Als Comaneci 13 ist, nimmt die Turnwelt erstmals Notiz von der talentierten Nadia, bis dahin gut versteckt hinter dem Eisernen Vorhang. Trainiert vom Ehepaar Bela und Marta Karolyi, gewinnt sie an einem Wettkampf in Norwegen, ihrem ersten in einem westlichen Land, viermal Gold und einmal Silber. Es kommt das Jahr 1976, die erste Reise nach Nordamerika, an einen Showwettkampf im Madison Square Garden. Und dort die erste 10 ihrer Karriere. Ausserdem begegnet sie in New York erstmals dem amerikanischen Turner Bart Conner. Die beiden, sie damals 14 und er 18, werden später zum Ehepaar.

Fünf Medaillen gewinnt Comaneci an den Sommerspielen in Montreal, sie wird über Nacht zum Star und trotz des kindlichen Alters zu einer Ikone ihres Sports. Ein Film über ihr Leben erscheint 1984, die jugoslawisch-amerikanische Produktion trägt den Titel «Nadia» und fasziniert junge Turnerinnen auf der ganzen Welt. Comaneci allerdings hasst ihn, da er unautorisiert entstanden ist. Sie findet: «Er verzerrt mein Leben komplett.»

Auch Giulia Steingruber hat «Nadia» gesehen, sie allerdings orientierte sich in jüngeren Turnjahren vielmehr an der Russin Swetlana Chorkina, die zwischen 1996 und 2004 sieben Olympiamedaillen gewann. Mit deren Turnstil ist der heutige eher zu vergleichen als mit jenem der Siebzigerjahre.

Trotzdem ist Comaneci die bekannteste Kunstturnerin der Geschichte – nicht zuletzt wegen ihrer spektakulären Flucht in die USA 1989. Und auch wenn nicht einmal sie (sondern die Tschechoslowakin Vera Caslavska) die Erste war, der dies an einem internationalen Wettkampf gelang: Die perfekte 10 ist eng mit ihr verknüpft. Dafür sorgt das Ehepaar Comaneci/Conner gleich eigenhändig: Die von ihnen gegründete Turn­akademie führt jährlich die «Perfect 10 Challenge» durch, ein Wettkampf im Collegesport. Die Akademie in Oklahoma gründeten die beiden nach ihrer Heirat 1996.

Starr vor Ehrfurcht

Comaneci ist sich ihrer Rolle bewusst. Zur «Neuen Zürcher Zeitung» sagte sie einmal: «Viele Frauen aus meiner Generation beginnen zu weinen, wenn sie mich sehen, und sagen mir, dass ich ein Vorbild war. Das ist sehr berührend. Vielleicht ist es ähnlich, wie wenn ich mir ausmale, Pelé zu treffen. Oder die Rolling Stones. Dann wäre ich auch starr vor Ehrfurcht.»

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