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Die Behinderten gehen, die Behinderung bleibt

Mit dem Ende der Paralympics kehrt der Alltag nach Peking zurück. Ob sich das Schicksal der Behinderten verbessert, bleibt fraglich.

Die Paralympics werden im «Vogelnest» am 6. September eröffnet: Der Fackelträger Zhang Hongwei(Links) übergibt an den Gewichtheber Zhang Haidong.
Die Paralympics werden im «Vogelnest» am 6. September eröffnet: Der Fackelträger Zhang Hongwei(Links) übergibt an den Gewichtheber Zhang Haidong.
Keystone
Sieg dank Penalty-Schiessen: Argentinien gewann im Fussball 1:0 gegen Spanien.
Sieg dank Penalty-Schiessen: Argentinien gewann im Fussball 1:0 gegen Spanien.
Keystone
Gemeinsam ins Ziel: Lucas Prado (Links) aus Brasilien holte mit seinem Führer Gold im 200-Meter-T11-Lauf.
Gemeinsam ins Ziel: Lucas Prado (Links) aus Brasilien holte mit seinem Führer Gold im 200-Meter-T11-Lauf.
Keystone
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Während der Schlussfeier der Paralympics am Mittwochabend wird das olympische Feuer den Himmel über dem «Vogelnest» zum letzten Mal erhellen. Drei Wochen nach den Olympia gehen auch die «Weltspiele der Behinderten», wie die Paralympics früher genannt wurden, zu Ende. Wie schon bei den Olympischen Spielen hat die Pekinger Führung die Latte für die Nachfolge-Veranstaltung hoch gelegt.

Über 4000 Athletinnen und Athleten fanden in der chinesischen Hauptstadt nicht nur optimale Verhältnisse in der Betreuung und eine perfekte Organisation vor, während der ganzen Veranstaltung stimmte auch die Szenerie: Tausende von Chinesen, für die ein Besuch an Olympia unerschwinglich gewesen wäre, nutzten die Chance, die Ambiance in den Stadien zu erleben. Bei praktisch allen Wettkämpfen waren die Sportstätten ausverkauft.

Gastgeber China liess sich nicht lumpen und stellte den behinderten Sportlern die gleiche Infrastruktur zur Verfügung wie ihren «gesunden» Kollegen in den Wochen zuvor. Die Chinesen haben in den letzten Jahren viel in den Behinderten-Sport investiert. Das wird auch in der Medaillenstatistik der Paralympics deutlich: 89 der insgesamt 472 Goldmedaillen gewannen Sportler aus dem Reich der Mitte.

Ob die Paralympics etwas am schweren Los von behinderten Menschen in China geändert haben, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Die Vorzeichen für einen Sinneswandel stehen gut: Gemäss einer landesweiten Umfrage sahen sich 89,1 Prozent der Befragten die Eröffnungsfeier an – ein Wert, der nahe an die TV-Quote des pompösen Olympia-Auftakts kommt. 96,5 Prozent gaben an, dazugelernt zu haben.

Tatsächlich sind Chinas Strassen ein hartes Pflaster für Behinderte. Hohe Trottoirkanten und nicht behindertengerechte Zugänge zu Verkehrsmitteln und öffentlichen Gebäuden stellen dabei die geringsten Probleme dar. Schlimmer für die Betroffenen ist die gesellschaftliche Stigmatisierung.

Obwohl das Milliardenreich China 83 Millionen Behinderte zählt, haben es die schwächsten Mitglieder der Gesellschaft schwer. Beobachter befürchten, dass die Paralympics am Schicksal der Behinderten nichts ändern werden. Die Parteifunktionäre haben sich wie schon während Olympia rar gemacht und Journalisten keine Auskünfte erteilt. Nicht einmal der Chef der staatlichen Behindertenorganisation trat öffentlich auf. Einzig Hu Jintao, als Staatspräsident und Parteichef der starke Mann Chinas, empfing vor den Spielen eine kleine Gruppe von Pressevertretern. Konnte er mit seiner Forderung, die Spiele nicht zu «politisieren», bei Olympia noch auf Verständnis hoffen, so ist diese Einstellung angesichts der Geschichte der Paralympics schwer zu rechtfertigen. Die Veranstaltung war und ist immer auch ein Instrument, um den spezifischen Bedürfnissen behinderter Menschen Rechnung zu tragen und Rücksicht zu nehmen. Unpolitische Paralympische Spiele verlieren ihre Existenzberechtigung.

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