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Der Champion, der Mangos vom Baum schoss

Der Ägypter Amr Shabana, der als Federer des Squash gilt, spielt derzeit in Zürich.

«Jeder Mensch ist wertvoll, das imponiert mir»: Amr Shabana.
«Jeder Mensch ist wertvoll, das imponiert mir»: Amr Shabana.
PD

Auf der Welt gibt es nur eine Handvoll Menschen, die mit Ball und Racket so hervorragend umgehen wie Amr Shabana. Der Roger Federer des Squash sei er, sagen seine Bewunderer. Shabana, der derzeit am GC-Cup in Zürich spielt, mag den Vergleich. «Wir beide haben gelernt, in jeden Schlag das genau richtige Mass an Körpereinsatz zu investieren. Wir sind erfolgreich, obwohl wir nicht die Allerkräftigsten oder die Allerschnellsten sind», sagt der 34-jährige Ägypter. Wie Federer verkörpert er auf dem Platz Fairness, Eleganz und Kreativität. Jogo bonito, Schönheit des Spiels, nennen die Brasilianer diese sportliche Auffassung. Shabana spricht einfach von Freude. Diese begleitet ihn seit Kindertagen, als er mit dem Squashball Mangos vom Baum schoss.

Profi wurde Shabana erst mit 22 nach Abschluss des Wirtschaftsstudiums. Nach einem Jahr schon gewann er den ersten seiner bislang vier WM-Titel – und war erleichtert. Niemand hatte ihm die notwendige Fokussiertheit zugetraut, doch nun hatte er aus seinem Talent etwas Grosses gemacht. Zweimal wurde Shabana Ägyptens Sportler des Jahres, 2006 verlieh ihm der inzwischen gestürzte Staatschef Hosni Mubarak gar den höchsten Orden der Nation. Mubarak, einst ein ziemlich ambitionierter Squash-Amateur, sonnte sich gern im Glanz der erfolgreichen Athleten, seine Minister ebenfalls.

Fehlende Unterstützung

«Wir wurden für die Propaganda benutzt», sagt Shabana. «Echte Unterstützung erhielten wir nicht. Auch wenn das oft so dargestellt wurde.» Als sich der Ölminister nach einem WM-Triumph des Squashstars in den Medien als dessen Förderer feiern liess, stellte ihn Shabana zur Rede und liess eine grosse Zeitung wissen, wie es wirklich war: Der Minister hatte die Sponsoringvereinbarung gebrochen und schuldete ihm Geld. «Als bekannte Sportler haben wir die Pflicht, die Wahrheit an die Öffentlichkeit zu bringen», sagt der Mann, der drei Jahre in Folge an der Spitze der Weltrangliste stand. Noch immer kann er jeden schlagen.

Wie der ukrainische Boxer Vitali Klitschko ist Shabana ein Mensch, der weit über seinen Sport hinaus denkt. Eine politische Karriere sei für ihn aber erst ein Thema, wenn die Mächtigen in Ägypten sich endlich um das Wohl des Volkes sorgten. «Ich wünsche mir, dass mein Land einmal so gut regiert wird wie die Schweiz, Dänemark oder Schweden. Auch ein Drogensüchtiger wird in diesen Ländern vom System nicht fallen gelassen. Jeder Mensch ist wertvoll, das imponiert mir», sagt Shabana. Wenn Menschenwürde, Gesundheit und Bildung zentral für Ägyptens Regierung würden, sei er bereit, sein Leben der Politik zu widmen. Bis dahin sieht er sich als sportlicher Botschafter einer Nation, die zu Unrecht nur für Pyramiden und Revolutionen bekannt sei.

Unerfüllt wird sein Traum von Olympia bleiben. Selbst wenn er bis vierzig spielen sollte. Squash wird wohl nie olympisch. Ein Stachel im Sportlerherz des Amr Shabana. «Traurig» sei nicht das richtige Wort, um seine Emotionen zu beschreiben. «Wütend» treffe es besser. «Es ist, als wollte ein Uhren­verkäufer in seinem Laden keine Rolex haben.» In seiner Heimat ist Shabana auch so ein Star, nur Fussball ist bei den Ägyptern populärer als Squash. Wer sieht, wie der Champion den Ball streichelt und seine Gegner ins Leere laufen lässt, weiss, warum.

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