Zum Hauptinhalt springen

Der Blitz schlägt zurück

Nach dem Debakel in Ostrava sorgte Usain Bolt in Rom mit der Jahresweltbestzeit über 100 Meter für das Highlight des Abends. Über 3000 Meter Steeple gab es sogar fast einen Weltrekord.

Freut sich über seine Jahresbestzeit: Usain Bolt nach dem Rennen in Rom.
Freut sich über seine Jahresbestzeit: Usain Bolt nach dem Rennen in Rom.
Keystone

Knapp 50'000 Zuschauern waren gestern Abend ins Stadio Olimpico in Rom gekommen, um vorwiegend ihn, Usain Bolt, zu sehen. Und der Weltrekordhalter und dreifache Olympiasieger aus Jamaika erfüllte die hohen Erwartungen der Fans und des Veranstalters vollends. Bei einem Gegenwind von 0,1 m/s verbesserte er in 9,76 Sekunden seine eigene Jahresweltbestzeit, die er beim Saisonauftakt in Kingston aufgestellt hatte, um sechs Hundertstelsekunden und wies seine Kontrahenten Asafa Powell (Jam/9,91) und Christophe Lemaitre (Fr/10,04) deutlich in die Schranken.

Mit seinem Auftritt in Rom bewies Bolt eindrücklich, dass sein Lauf am letzten Freitag in Ostrava, wo er mit 10,04 Sekunden seine schwächste Zeit seit vier Jahren lief, ein Ausrutscher war. «Viele hatten nach Ostrava an mir gezweifelt», sagte Bolt. «Ich aber nicht.» Jetlag und eine mangelhafte Ernährung hatten dazu geführt, dass Bolt in Tschechien sein gewohnt hohes Niveau für einmal nur annähernd erreichte. «Ich habe in den letzten Tagen viel geschlafen und mich ausgeruht», so Bolt, der einmal mehr eine Demonstration seiner Klasse abgab und auf der zweiten Streckenhälfte den Gegnern davonlief.

Enttäuschter Powell

Enttäuscht über den Ausgang des Rennens war Asafa Powell. «Ich hatte einen schlechten Start und kann schneller rennen», so Powell, der einmal mehr im Schatten seines Landsmannes stand. Immerhin baute Powell eine Rekordmarke weiter aus: Mit 9,91 Sekunden blieb er zum 76. Mal in seiner Karriere unter zehn Sekunden. Wie Bolt wird auch Powell bereits in der nächsten Woche in Oslo wieder antreten.

Bereits eineinhalb Stunden vor Bolts Triumphlauf hatte der Lärmpegel einen ersten Höhepunkt erreicht, als der Jamaikaner um 20.20 Uhr auf einem Elektrowagen im Stadion eine Ehrenrunde drehte. Im Trikot der Squadra Azzurra präsentierte er sich den Zuschauern, die vorwiegend wegen ihm ins Stadion gekommen waren. Mit «Bolt a Roma» hatte der Veranstalter auf seinen Plakaten für die Golden Gala geworben. Aus gutem Grund: Als Bolt im letzten Jahr sich erstmals in Rom die Ehre gab, hatte sich die Zuschauerzahl gegenüber den Vorjahren beinahe verdoppelt.

Nahe am Weltrekord

Über 3000-m-Steeple fehlten dem Kenianer Paul Koech am Ende nur 0,97 Sekunden, um den sieben Jahre alten Weltrekord von Saif Saaeed Shaheen (Katar) zu brechen. Mit 7:54,31 Minuten lief der 30-Jährige die drittbeste je gelaufene Zeit. «Das Timing dieses Rennens war perfekt», so Koech. «Ich hatte den Weltrekord avisiert, da ich diesen bereits im Training im Kopf hatte.» Enttäuscht zeigte sich Koech nicht, dass es nicht geklappt hatte. «Nun weiss ich, dass ich fähig dazu bin.»

Koech war knapp drei Runden vor Schluss davongezogen und entschied das Duell gegen Weltmeister Ezekiel Kemboi aus Kenia überlegen für sich. Koech war im vergangenen Jahr nicht für die Weltmeisterschaften selektioniert worden, da er an den kenianischen Meisterschaften nur Rang 7 erreicht hatte. «Die Rennen in Europa liegen mir besser, da ich die Höhenlage in Kenia nicht mag», so Koech. Dass mit ihm in dieser Saison zu rechnen ist, hatte er bereits vor drei Wochen in Doha bewiesen, als er mit 7:56,58 in die Diamond-League-Saison gestartet war.

Sechs Jahresweltbestleistungen und einige Überraschungen

Der 100- und 800-m-Lauf der Frauen endete jeweils mit einer Überraschung. Im Sprint setzte sich Murielle Ahoure aus der Elfenbeinküste in 11,00 Sekunden gegen die jamaikanischen Sprintgrössen Shelly-Ann Fraser (11,06) und Kerron Stewart (11,10) durch und stellte einen Landesrekord auf. Der bisher grösste Erfolg der 24-Jährigen, die als Teenager in die USA ausgewandert ist, war der zweite Platz über 60 m an den Hallen-Weltmeisterschaften im März in Istanbul.

Über 800 m überspurtete die noch nicht ganz 20-jährige Äthiopierin Fantu Magiso auf den letzten 150 Metern Olympiasiegerin Pamela Jelimo, die Jahresschnellste aus Kenia, und stellte mit 1:57,56 Minuten ebenfalls einen nationalen Rekord auf. Hinter Jelimo wurde die russische Weltmeisterin Maria Sawinowa (Russ) Dritte. Janeth Jepkosgei (Ken/5.) und Caster Semenya (SA/7.), die Weltmeisterinnen von 2007 und 2009, konnten in den Kampf um den Sieg nicht eingreifen.

Starke Technikerinnen

Die zwei ersten Jahresweltbestleistungen des Abend wurden in den technischen Disziplinen der Frauen aufgestellt. Im Kugelstossen der Frauen stiess Valerie Adams im vierten Durchgang die Kugel auf 21,03 m und blieb damit nur 21 Zentimeter unter ihrer persönlichen Bestleistung. Die Olympiasiegerin und dreifache Weltmeisterin aus Neuseeland übertraf erst zum dritten Mal in ihrer Karriere die 21-Meter-Marke. Adams hatte sich seit dem Gewinn des Hallen-WM-Titels in Istanbul Anfang März mit ihrem Trainer Jean-Pierre Egger in Magglingen auf die Olympiasaison vorbereitet.

Im Speerwurf der Frauen boten sich Weltrekordhalterin Barbora Spotakova und Sunette Viljoen im letzten Durchgang einen packenden Zweikampf. Zuerst übertraf die WM-Dritte aus Südafrika mit 67,95 m die führende Tschechin sowohl in der Rang- als auch in der Jahresweltbestliste, worauf Spotakova aber eine Antwort wusste. Die 30-jährige Olympiasiegerin setzte sich mit dem letzten Wurf des Abend wieder an die Spitze und steigerte die Jahresbestweite auf 68,65 m.

Für zwei weitere Jahresweltbestzeiten sorgten über 1500 m die Äthiopierin Abeba Aregawi und über 5000 m die Kenianerin Vivian Cheruiyot. Die 21-jährige Aregawi siegte über 1500 m überlegen in 3:56,54 Minuten und verbesserte die bisherige Saisonbestzeit um mehr als eine Sekunde. Aregawi war vor knapp zwei Wochen am Meeting in Shanghai mitten in der Weltspitze aufgetaucht und war erstmals unter vier Minuten gelaufen. Cheruiyot, die «Leichtathletin des Jahres 2011», gewann den Spurt im 5000-m-Rennen gegen Meseret Defar (Äth) in 14:35,62 Minuten.

si/ami

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch