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Den Kopf freigespielt

Der deutsche Golfer Martin Kaymer gewann überraschend das US Open und dominierte im Stile eines Tiger Woods.

Erster Deutscher US-Open-Sieger: Martin Kaymer.
Erster Deutscher US-Open-Sieger: Martin Kaymer.

Golf ist ein Sport, in dem laut ­einem Bonmot die wichtigsten zwanzig Zentimeter zwischen den ­Ohren liegen. Anders als im Tennis gibt es keine zweite Chance, einen missglückten ersten Schlag zu wiederholen, jeder Fehlschlag zählt, und zehn schlechte Minuten können reichen, um eine Runde zu verpfuschen. ­Anders als im Fussball oder Eishockey gibt es auch nicht die Möglichkeit, in Führung liegend auf Zeit zu spielen.

Kein Wunder also, gibt es unzählige Bücher, die sich mit den mentalen Aspekten dieser Sportart beschäftigen. Und nun straft der 29-jährige Martin Kaymer sie alle Lügen. Nachdem er als erster Deutscher am Sonntag das US Open in Pinehurst (North Carolina) gewonnen und den Rest des Feldes zu Statisten degradiert hatte, führte er seinen Erfolg auf die Einsicht zurück, sich keine Sorgen mehr um die Qualität seines Spieles zu machen und weniger nachzudenken. Es ist Bernhard Langer, Deutschlands früherer Weltklasse­golfer, dem er diese Erkenntnis zu verdanken hat. «Er riet mir, damit aufzuhören, mich zu sorgen, weil ich mir damit nur selber in die Quere komme.»

Kaymer ist von Natur aus einer, den man als verbissen bezeichnen könnte. Ein Arbeiter, der trainiert, bis die Hände bluten. Ein Getriebener, der 2011, nachdem er mit den PGA Championships schon eines der vier Majorturniere gewonnen hatte und zur Nummer 1 weltweit aufgestiegen war, erklärte, er müsse seinen Schwung ändern, um noch besser zu werden.

Es war der Beginn einer Abwärtsspirale, die ihn im Frühling bis auf Rang 63 auf der Weltrangliste hinunterführte. Dann nahm er sich Langers Ratschlag zu Herzen, versuchte, lockerer zu werden, etwas weniger zu trainieren, weniger zu grübeln. «Letztendlich ist es ein Spiel, und nun versuche ich, einfach zu spielen», sagte er in der Stunde des Triumphs.

Bereits im Mai hatte er sich in Ponte Vedra Beach zurückgemeldet mit dem Sieg am drittgrössten Turnier in den USA. Und wie schon in Florida stürmte er auch in Pinehurst gleich an die Spitze, gab diese nie mehr ab und dominierte auf dem schwierigen Parcours wie Tiger Woods in seinen besten Zeiten. Am Ende lag er acht und mehr Schläge vor allen Verfolgern – nur drei Sieger in der langen US-Open-Geschichte vermochten ihre Gegner noch klarer zu distanzieren.

Nun steht der Mann aus Düsseldorf wieder auf Rang 11, und nicht nur in Deutschland werden Lobeshymnen auf ihn gesungen. Ein Experte des TV-Senders Golf Channel verglich ihn mit ­Roger Federer: er sei «grossartig, dezent und voller Klasse». Im Unterschied zum Baselbieter gilt Kaymer, obwohl nur drei Jahre jünger, aber noch als junger Star mit grosser Zukunft – können Golfer doch über den 40. Geburtstag hinaus grosse Turniere gewinnen.

Als am Sonntag sein zweiter Major­titel feststand, bekannte Kaymer, dass es tückisch gewesen sei, so klar in Führung zu liegen. «Es war mein härtester Tag auf dem Golfplatz. Als Ausländer in den USA von zwei, drei Amerikanern gejagt zu werden, ist schwer.» Er habe sich gezwungen, weiter mutig und aggressiv zu spielen. «Ich bin stolz, dass mir das gelang.»

Kaymer ist aber auch ein Beispiel dafür, dass es zum Erfolg oft eine weitere Tugend braucht: Geduld. «Ich wusste stets, dass ich irgendwann wieder gut spielen würde», hielt er fest. «Ich dachte nur nicht, dass es so lange dauern würde.»

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