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Bräggers nächster Höhenflug

An der WM in Montreal hält der Reck-Europameister dem grossen Druck stand – er wird sich für den Gerätefinal qualifizieren.

Höhenflug: Pablo Brägger brillierte bei seinem ersten Auftritt an der WM in Montreal. Bild: Getty Images
Höhenflug: Pablo Brägger brillierte bei seinem ersten Auftritt an der WM in Montreal. Bild: Getty Images

Er atmete tief aus. Lächelte leicht ver­legen und deutete mit einer Geste an: Das war ganz schön knapp.

Reck-Europameister Pablo Brägger wurde an der WM in Montreal der grossen Erwartungshaltung gerecht, als er seine schwierige Übung ohne Sturz hinter sich brachte. Die Qualifikation ist derzeit zwar noch in Gang und geht erst am Dienstag zu Ende, doch es ist davon auszugehen, dass er im Gerätefinal vom Sonntag um die Medaillen turnen wird.

Auf Zwischenrang 1 klassiert nach zwei von vier Subdivisionen, liess er den britischen Olympia-Medaillengewinner Nile Wilson genauso hinter sich wie den Amerikaner Sam Mikulak oder den Deutschen Andreas Bretschneider. Der spektakuläre Flieger Epke Zonderland tritt erst am Dienstag an.

Höhere Note als an der EM

Wie wenig es am Reck leiden mag, zeigte gerade Bretschneider, der zwar das schwierigste Element an diesem ­Gerät turnte, dabei aber wieder einmal stürzte. Und das erlebte gestern eben auch Brägger – auch er: wieder einmal. Beim zweiten Flugteil, dem sogenannten Kolman, musste er jeden der 169 Zentimeter seines Körpers ausreizen, um die Stange gerade noch fassen zu können.

Weil dies allerdings der einzige heikle Moment blieb, konnte er sich 14,433 Punkte ­notieren lassen – trotz strenger Kampfrichter war das mehr als in der Qualifikation der EM in Rumänien im vergangenen Frühling. Damals steigerte er sich im Final zu Gold.

Ein Duo, das sich antreibt

Gut fünf Monate ist dieser für den Schweizerischen Turnverband historische Erfolg am Königsgerät her, der noch verschönert wurde durch die Silbermedaille von Oliver Hegi. Nun in Montreal legte auch der Aargauer nach und könnte seinem Teamkollegen in den WM-Reckfinal folgen. Es wäre sein zweiter nach 2015, als er allerdings stürzte und Siebter wurde. Damals hatte er den punktgleichen Brägger aus dem Gerätefinal verdrängt, weil er sauberer turnte.

Genauso synchron haben sich Brägger und Hegi seither gegenseitig zu Bestleistungen angetrieben, wobei Brägger den um ein Jahr jüngeren Hegi in Sachen Schwierigkeitswert übertrifft. Für den weiteren Verlauf des Olympiazyklus hat er bereits Ideen im Kopf, die Übung noch zu erschweren. Hegi ebenso.

Der EM-Titel vergrösserte auch den Druck auf beide Turner, gerade hinsichtlich dieser WM in Montreal. Brägger versucht, diesen gelassen zu nehmen. «Ich bin Europameister, das kann mir keiner mehr nehmen. Ich habe nichts zu verlieren und muss niemandem etwas beweisen», sagt er. Und meint wohl: niemandem ausser sich selbst. Derart entspannt, zeigte er gestern einen starken Wettkampf ohne nennenswerten Fehler. Am Ende trennten ihn vom Ukrainer Oleg Wernjajew nur 1,7 Punkte – und der hatte vor einem Jahr in Rio immerhin Mehrkampf-Silber gewonnen.

Ernüchterung für Eddy Yusof

Auf einen enttäuschenden Tag blickte dagegen Eddy Yusof zurück: Der Schweizer Meister aus Bülach stürzte an seinem 23. Geburtstag gleich dreimal und läuft Gefahr, den Mehrkampffinal zu verpassen. Am ­Barren verlor er vor der Riesenfelge Halt und Schwung und musste vom ­Gerät. ­Anschliessend am Reck verpasste er nach einem Flug­element den Griff, am Pauschen schliesslich folgte der dritte Sturz.

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