Auf Papas Spezialanlage hat er fliegen gelernt

Armand Duplantis (20) hat sich mit seinem Flug über 6,17 m zum jüngsten Weltrekordhalter seines Sports gemacht. Sein Aufstieg begann im elterlichen Garten.

Will seit klein auf hoch hinaus: Armand Duplantis, der neue Weltrekordhalter im Stabhochsprung. Foto: Imago

Will seit klein auf hoch hinaus: Armand Duplantis, der neue Weltrekordhalter im Stabhochsprung. Foto: Imago

Christian Brüngger@tagesanzeiger

Als der kleine Armand und seine zwei älteren Brüder mit ihren Skateboards vom Hausdach rollten, um so richtig ins Fliegen zu kommen, wussten Greg und Helena Duplantis: An Mut fehlte es ihren Buben nicht.

Als Stabhochspringer kann Armand diese Eigenschaft bestens gebrauchen. Schliesslich fällt er mittlerweile so tief wie keiner vor ihm: Am Samstagabend verbesserte er den Weltrekord um einen Zentimeter auf 6,17 m. Dabei ist der Amerikaner, der international für das Heimatland seiner schwedischen Mutter startet, erst 20 – und doch ein Weltrekordhalter mit Ansage.

Denn dieser Wunderknabe seines Sports sammelt Weltrekorde wie andere Kafirahmdeckeli. Bereits als 7-Jähriger holte er sich seinen ersten, im ­Jugendbereich der Leichtathletik nennt man sie noch Bestleistungen. Fast jedes weitere Jahr kam ein nächster hinzu. Und mit 17 war Duplantis schon Weltklasse. Dabei lebt seine Disziplin auch von Kraft und Schnelligkeit.

Selbst im Vergleich zu Gleichaltrigen war Duplantis lange klein und schmächtig, ehe er innert eines Jahres 20 Zentimeter in die Höhe schoss. Er kompensierte sein Manko mit einer perfekten Technik. Schon als Dreijähriger hüpfte er im Elternzimmer mit einem Besenstiel aufs Sofa – zur Freude seines Vaters.

Der einflussreiche Vater

Greg Duplantis zählte mit einer Bestleistung von 5,80 m zur Weltklasse. Er dürfte mit seiner Grösse von 1,68 m gar der Beste der Kleinen sein. Also baute er seinen Buben eine Anlage in den Garten. Erst diente Matratzenfüllung als Matte, dann ersteigerte er eine alte Laufbahn und werkelte so lange, bis sich daraus eine kleine, schmucke Anlage ergab.

Ab vier flitzte Armand Duplantis darüber. In verruckelten Filmchen von Vater Greg ist ein Knirps mit wehendem Haar und spielerischer Ernsthaftigkeit zu sehen. Bis auf 5,20 m steigerte sich der Kleine im Garten, ehe man das Training aus Sicherheitsgründen ins Stadion des örtlichen Colleges verlagerte.

Geblieben ist Duplantis, den fast alle nur Mondo nennen, der Vater als Trainer – und ganz selten auch ein Hupf im Garten, zu Showzwecken gerne mit einem Hoverboard. Und weil der Junior die Leidenschaft des Vaters übernommen hat, ist er bezüglich Stabhochspringen ein wandelndes Lexikon. Hunderte von Sprung-Videos anderer Athleten hat er sich über die Jahre reingezogen und viele Techniken ausprobiert.

Wie kein Zweiter schafft er es auch darum, das Anlauftempo in Höhe umzusetzen. Dabei täuscht er. Weiterhin wirkt Duplantis mit seinen 1,81 m und 73 kg wie ein Bürschchen. Aber er sprintet die 100 m in 10,5 Sekunden, kann weit über 7 m weit springen. Zudem baute ihn Papa Greg behutsam auf. Entsprechend dürfte der neue Weltrekordhalter gerade körperlich noch zulegen können.

Der prägende Vorgänger

Geholfen hat ihm bei seinem Aufstieg auch die aussergewöhnliche Verbundenheit in der Stab-Szene. Kaum war Duplantis nach seinen 6,17 m auf der Matte gelandet, stürmten seine Konkurrenten auf ihn zu und umarmten ihn. Weltrekordvorgänger Renaud Lavillenie, mit dem Duplantis eng befreundet ist, schickte ihm am Morgen vor dem Meeting noch eine Motivations-SMS – in der er ihn ermahnte, bitte nicht allzu hoch zu springen. Duplantis hatte die 6,17 m kurz zuvor in Düsseldorf bloss um einen Hauch gerissen.

Mit seinem Idol seit Kindheit trainierte Duplantis im vergangenen Sommer auf dessen Heim-Anlange. Lavillenie baute sich ebenfalls eine eigene Stabinstallation, weil er wie sein Nachfolger den Sport atmet.

Alles zusammen macht diesen Armand Duplantis für die Leichtathletik zum Glücksfall. Schliesslich ist er seit Kindesbeinen ein Sonderfall. Er ist in einem Sport mit vielen Dopern ein sehr glaubhafter Botschafter.


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baz.ch/Newsnet

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