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Juventus ist mehr als nur CR7

Cristiano Ronaldo brilliert beim 3:1 gegen Napoli. Am Dienstag fehlt der Superstar in der Champions League gegen YB. Das ist eine gute Nachricht für die Berner – aber auch schade.

Auf Erfolgskurs: Juventus Turin hat mit Stars wie Mario Mandzukic, Paulo Dybala, Cristiano Ronaldo und Emre Can (v.l.) wie YB in der Liga bisher jede Begegnung gewonnen.
Auf Erfolgskurs: Juventus Turin hat mit Stars wie Mario Mandzukic, Paulo Dybala, Cristiano Ronaldo und Emre Can (v.l.) wie YB in der Liga bisher jede Begegnung gewonnen.
Marco Bertorello, AFP

Der Samstagabend im Juventus-Stadion neigt sich dem Ende entgegen, Juventus führt gegen Napoli 3:1, der Match ist entschieden, der Gast aus dem Süden nach einer Roten Karte gegen Mario Rui zudem personell dezimiert. Und doch hält einen das Geschehen unten auf dem Rasen im Bann, und das liegt an Cristiano Ronaldo, dem Weltbesten, der eine Begegnung allein mit seiner Anwesenheit für viele Menschen veredelt.

Der Portugiese war die prägende Figur des Spitzenkampfes, alle drei Treffer hat er serviert, nun will er noch sein Tor, er sieht das vermutlich als Gewohnheitsrecht an. Drei prächtige Gelegenheiten bieten sich Ronaldo in den letzten Minuten, aber der Torjäger trifft nicht, obwohl die Zuschauer seine Abschlüsse schier ins Netz schreien wollen.

Ziel: Champions-League-Titel

Juventus besass vor der Ankunft Cristiano Ronaldos ein Fünfsternteam. Mit dem 33-Jährigen ist es ein Fünfsternteam mit Ausrufezeichen! Die Ambitionen des Vereins sind hoch, der Champions-League-Titel wird offen angestrebt. Mit Ronaldo, dem fünffachen Königsklassensieger und siebenfachen Torschützenkönig der Sternenliga, als Königstransfer vor dieser Saison. «Ich habe eine Mannschaft vorgefunden, die nicht schlechter als jene von Real Madrid ist», sagte Ronaldo vor ein paar Tagen, «und ich bin sicher, dass wir unsere hohen Ziele erreichen können.»

Der Mann jagt Rekorde, Pokale, Titel, er sieht sich als besten Fussballer der Geschichte, ein Champions-League-Triumph mit ei­nem dritten Club nach Manchester United sowie Real Madrid würde den Europameister bei seiner Mission unterstützen. Morgen, im Heimspiel gegen YB, wird Ronaldo allerdings nach seiner strengen Roten Karte in Valencia beim 2:0-Sieg im ersten Gruppenspiel gesperrt fehlen. Das ist bedauerlich für ihn, weil er sich gegen die Young Boys gewiss beste Chancen ausrechnen würde, einmal, zweimal, dreimal, ach was, viermal zu skoren. Immerhin: Gegen seinen früheren Arbeitgeber Manchester United wird er danach beide Begegnungen bestreiten dürfen.

Video: Ronaldo sieht Rot

Harter Entscheid des Schiedsrichters: Der Juve-Superstar fliegt im CL-Spiel gegen Valencia nach einer halben Stunde vom Platz. (Video: SRF)

Starkes, breites Kader

YB muss sich also morgen nicht mit Cristiano Ronaldo befassen. Das ist erfreulich für den Schweizer Meister – aber auch schade. Und die Aufgabe wird dadurch nur bedingt einfacher. Denn das Kader von Juventus ist ausgezeichnet besetzt, breit und prominent, auch ein Team mit lauter Reservisten ist erheblich wertvoller als die gesamte YB-Equipe. Wie die Young Boys hat der Meister der letzten 7 Jahre bisher jedes Ligaspiel gewonnen, 7 von 7, und überzeugt in der von Taktik geprägten Serie A mit Souveränität und Stilsicherheit. Nach wackligem Start gegen Napoli übernahm der Leader auch am Samstag, angeführt von Ronaldo, das Diktat. Die Aussenverteidiger Alex Sandro (links) und Joao Cancelo (rechts) sind ballsicher und flankenstark, Cancelo brilliert zudem mit Dribblings und Schnelligkeit. Die äusserst erfahrenen Leonardo Bonucci und Giorgio Chiellini bilden nach wie vor ein stabiles Bollwerk, sie sichern Torhüter Wojciech Szczesny – die vielleicht einzige Schwachstelle – rustikal ab. Goalielegende Gianluigi Buffon verliess Juventus im Sommer Richtung Paris Saint-Germain.

Meistens agiert Juve im 4-3-3-System, mit Miralem Pjanic als Ballverteiler sowie den wuchtigen Emre Can und Blaise Matuidi auf den Halbpositionen im Mittelfeld. Der Deutsche Sami Khedira, Weltmeister wie der Franzose Matuidi, fehlt verletzt. Und in der Offensive ergänzen sich der filigrane Paulo Dybala sowie der kräftige Mario Mandzukic ausgezeichnet. Als Alternativen für Ronaldo stehen der talentierte Italiener Federico Bernardeschi sowie Juan Cuadrado und Douglas Costa bereit. Letzterer drehte kürzlich in der Liga gegen Sassuolo durch, der Brasilianer hatte seinen Gegenspieler gefoult, ihm den Ellbogen ins Gesicht geschlagen und ihn schliesslich angespuckt. Er wurde für vier Partien gesperrt.

Sportdirektor tritt zurück

Ein wichtiger Architekt des prunkvollen Kaders ist Giuseppe Marotta. Der Generaldirektor des Turiner Clubs schockte die Juve-Gemeinde am späten Samstagabend nach dem 3:1 gegen Napoli mit der Nachricht, er werde Ende Oktober zurücktreten. Der 61-Jährige arbeitet seit acht Jahren als Verantwortlicher im Sportbereich und soll sich mit Präsident Andrea Agnelli nicht mehr verstanden haben. Öffentlich sagte Marotta, Juventus plane Veränderungen im Vorstand – und er habe eine wunderbare Zeit erlebt. Er wird nun beim italienischen Fussballverband sowie bei mehreren europäischen Topclubs als Führungskraft gehandelt.

Massimilano Allegri reagierte angeblich regelrecht erschüttert, als er vom Abgang erfuhr. Der ruhige Juventus-Trainer schätzt die Zusammenarbeit mit Marotta sehr. «Wir konzentrieren uns auf jene Dinge, die wir beeinflussen können», meinte Allegri. Die italienischen Journalisten gehen davon aus, dass der Coach gegen YB nicht viel rotieren wird. «Wir spielen immer mit der bestmöglichen Aufstellung», sagte Allegri in seiner unaufgeregten Art. «Aber das Programm ist intensiv.»

Und weil italienische Teams selten Kantersiege anstreben und Führungen gerne verwalten, könnte Juventus versuchen, gegen YB im Schongang zu gewinnen. Ihr torhungriger Ausnahmefussballer sitzt ohnehin auf der Tribüne.

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