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Favres Not und Glück

Der Coach kann froh sein, dass Dortmund keinen geeigneten Ersatz für ihn hat.

Lucien Favre ist bei Borussia Dortmund angezählt.
Lucien Favre ist bei Borussia Dortmund angezählt.
Getty Images/Eric Alonso
Nach dem 3:3 gegen Paderborn, den letzten der Bundesliga, steht der Haussegen in Dortmund schief.
Nach dem 3:3 gegen Paderborn, den letzten der Bundesliga, steht der Haussegen in Dortmund schief.
Getty Images/Eric Alonso
Mit einem Sieg über den Tabellenführer in der Gruppe F wäre der BVB sicher im Achtelfinal und Favre vorerst zumindest aus der Schusslinie.
Mit einem Sieg über den Tabellenführer in der Gruppe F wäre der BVB sicher im Achtelfinal und Favre vorerst zumindest aus der Schusslinie.
Getty Images/Eric Alonso
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Lucien Favre ist zu alt, um noch überrascht zu werden. «Wir kennen das Business», hat er in den letzten Tagen gesagt, als seine Situation das Thema war.

62 ist er Anfang Monat geworden, Trainer ist er seit 28 Jahren. Borussia Dortmund heisst seit dem Sommer vergangenen Jahres sein Arbeitgeber, das ist der grösste Club, bei dem er war, mit Abstand. Entsprechend gross ist der Aufschrei, wenn es einmal nicht läuft. Und im Moment läuft es überhaupt nicht. Es läuft gar so schlecht, dass täglich die Entlassung von Favre erwartet wird.

Es ist Dienstag, der Tag vor dem Champions-League-Spiel beim FC Barcelona. Eine Journalistin fragt Favre beim Pressetermin: «Haben Sie das Gefühl, dass Sie so ein wenig auf Bewährung spielen?» Favre versteht nicht so ganz. Bewährung, was soll das sein? Er holt Rat beim Pressesprecher an der Seite und gibt sich ungerührt. Die Antwort besteht aus Floskeln: Druck sei immer da, egal wo man trainiere oder spiele, es sei immer schwierig, in Barcelona zu spielen.

Das Beispiel Reus

Das 3:3 am letzten Freitag gegen Paderborn, Aufsteiger und Tabellenletzter, hat die Dortmunder Seele aufgewühlt. Schlimm ist es gewesen, was die Spieler boten, sie schämten sich selber dafür, ertrugen klaglos die Pfiffe der Zuschauer und sagten wie zum Beispiel Marco Reus: «So dürfen wir nie, nie wieder auftreten.»

Reus hat sich nicht zum ersten Mal in dieser Saison so oder ähnlich zur Mentalität der Mannschaft geäussert. Seit dem 1:3 bei Union Berlin, auch das ein Aufsteiger, ist er im Wiederholungsmodus. Glaubwürdiger macht ihn das nicht, vielmehr ist die Frage: Wo ist denn Reus, der eigentlich ein Leader sein sollte?

Vom Spieler des Jahres zum Schatten seiner selbst

Im Frühjahr wurde er noch als Spieler des Jahres ausgezeichnet, jetzt ist er ein Schatten seiner selbst. Er ist einer der Problemspieler in einer Mannschaft ganz vieler Problemspieler. Manuel Akanji gehört dazu, der mehr mit Fehlern auffällt als mit Selbstkritik. Jadon Sancho, 19-jährig erst, ist vom Weg abgekommen, weil er nach einer überragenden Saison Allüren entwickelt hat und vom grossen Transfer in die englische Premier League träumt. Von den neuen Spielern ist bisher keiner ein Gewinn, ausser Mats Hummels.

Und da ist der Trainer, der irgendwie nicht zu dieser Mannschaft zu passen scheint. Sie ist talentiert, gerade im offensiven Bereich, aber sie ist bislang kaum einmal fähig, das zu zeigen. «Wir spielen immer dann gut, wenn wir das Gefühl haben, dass wir nichts zu verlieren haben», hat Reus nach dem Match gegen Paderborn gesagt, als Dortmund nach einem 0:3 zur Halbzeit wenigstens noch einen Punkt holte. Der Satz ist verräterisch. Die Botschaft heisst: Die Mannschaft wirkt wie belastet von taktischen Vorgaben Favres.

Die Mahnung des Chefs

«Lucien», hat Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke gesagt, «du hast weiter unser Vertrauen. Aber eines ist klar: Am Ende wird Fussball immer über Ergebnisse definiert.» Es sollte nach Vertrauensbeweis tönen, aber das hat es nicht getan. Es ist die Mahnung, sofort wieder gut zu spielen: schon heute in Barcelona, erst recht am Samstag bei Hertha Berlin.

Dortmunds Glück ist es, dass die Konkurrenz in der Liga nicht enteilt ist. Der Rückstand auf Leader Mönchengladbach beträgt nur fünf Punkte. Favres Glück ist es offenbar, dass sich der Verein schwertut, zu diesem Zeitpunkt der Saison einen geeigneten Nachfolger zu finden. Er wäre sonst kaum in Barcelona.

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