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Rafael Nadals Bewährungsprobe

Für die Nummer 1 beginnt mit Madrid eine lange Phase von Titelverteidigungen.

Rafael Nadal muss in den kommenden vier Monaten 8000 Punkte oder den Gegenwert von sechs grossen Turniersiegen ersetzen.
Rafael Nadal muss in den kommenden vier Monaten 8000 Punkte oder den Gegenwert von sechs grossen Turniersiegen ersetzen.
Keystone

Für Rafael Nadal gab es gestern wieder einmal etwas zu feiern: Von Madrids ­Bürgermeisterin Ana Botella wurde er im feierlichen Rahmen im Cibeles-Palast zum Ehrenbürger der spanischen Hauptstadt ernannt. Sportlich dagegen geht der Mallorquiner durch schwierige Wochen und Monate. Denn nun wartet auf ihn eine der grössten Bewährungsproben seiner Karriere.

Der Weltranglistenerste muss in den kommenden vier Monaten sechs grosse Turniersiege und damit 8000 seiner 12 900 ATP-Punkte ersetzen. Das ist massiv mehr als seine Verfolger Novak Djokovic (3850), Stanislas Wawrinka (1985) und Roger Federer (1885). Da trifft es sich schlecht, dass Nadal ausgerechnet zu Beginn der Sandsaison in ein Tief gerutscht ist, zumindest für seine Verhältnisse. Der 27-Jährige liegt im Jahresranking lediglich an 4. Stelle, und allein auf Sand hat er dieses Jahr schon so viel verloren wie 2013 in der gesamten Saison, nämlich zweimal – in Monte Carlo gegen David Ferrer, in Barcelona gegen Nicolas Almagro, zweimal im Viertelfinal.

«Niederlagen säen Zweifel»

Gegenüber spanischen Journalisten versuchte er am Wochenende gar nicht, seine Verunsicherung zu verbergen. ­«Niederlagen säen Zweifel, das ist einfach so. Wenn dir jemand das Gegenteil erzählt, lügt er.» In seinen Aussagen war klar das Bemühen erkennbar, positiv zu denken. Es liege wohl nur an Details, ­weshalb er bisher nicht seine gewohnte Stärke auf Sand erreicht habe, spekulierte er: «Tennis ist ja eher einfach. Ich muss mich wieder ein bisschen besser bewegen auf dem Platz und meine Vorhand mit etwas mehr Überzeugung spielen.»

Nadal bemühte sich zudem, seine ­Niederlagen nicht zu dramatisieren. «Ich hatte nie die Absicht, Monte Carlo oder Barcelona zwölfmal zu gewinnen. Vielleicht ist es normaler, dass ich in den Viertelfinals verliere, als das, was in den letzten neun Jahren geschehen ist.» In den letzten neun Jahren gewann er je achtmal das French Open, Monte Carlo und Barcelona – neben 19 anderen Sandturnieren.

Die lauernden Schweizer

Nadals Herkulesaufgabe lässt sich in vier Tranchen aufgliedern, in denen er jeweils innert zwei Wochen je 2000 Punkte zu ersetzen hat. Um so viele Punkte geht es für ihn diese und nächste Woche in Madrid und Rom, wo er 2013 beide Titel holte, später auch in Roland Garros und am US Open sowie im August beim ­Canadian Open und in Cincinnati, wo er 2013 das Double schaffte.

Am ehesten profitieren von weiteren Niederlagen würde, zumindest kurzfristig, Djokovic. Der Serbe könnte theoretisch schon übernächsten Montag wieder die Nummer 1 sein, selbst wenn er wegen seiner Handgelenkverletzung nach Madrid auch Rom auslassen müsste. Ihm kommt nun entgegen, dass er an diesen beiden Turnieren im vergangenen Jahr lediglich zwei Partien gewann.

Sollte Nadals Baisse anhalten, könnte das auch für die beiden Schweizer Top-5-Spieler langsam interessant werden. Der Spanier weist momentan zwar rund doppelt so viele Weltranglisten-Punkte auf wie Wawrinka (6375) und Federer (5805). Können die beiden aber an ihre guten Leistungen der vergangenen Monate anknüpfen – Wawrinka führt dank drei Turniersiegen die Jahresrangliste weiterhin an, Federer ist die Nummer 3 –, könnte ihr Rückstand gegenüber dem Mallor­quiner schon in der Sandsaison deutlich schmelzen.

Die zwei Davis-Cup-Partner stehen vor einer ähnlichen Ausgangslage: Wawrinka hat in Madrid einen Finalplatz (600 Punkte) zu verteidigen, Federer kommende Woche in Rom. Am French Open scheiterten im letzten Jahr beide im Viertelfinal, der ­Lausanner gegen Nadal, der Baselbieter gegen Jo-Wilfried Tsonga. Und auch in den Monaten danach haben die beiden etwa gleich viele Punkte zu verteidigen.

Im letzten Saisonviertel steht dann vor allem Djokovic unter Druck: Da er nach dem US Open 2013 ungeschlagen blieb, muss er im Herbst Punkte im Gegenwert von zwei Grand-Slam-Titeln verteidigen. Die Prognose ist nicht gewagt: Das Rennen um Rang 1 dürfte dieses Jahr erst spät entschieden werden.

Inzwischen sind auch die Startgegner der Schweizer bekannt: Federer, der am späten Sonntag anreiste, trifft am Mittwoch auf Gilles Simon, Wawrinka heute Dienstag auf den Qualifikanten Dominic Thiem (Ö/ATP 70).

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