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«Manchmal lag ich drei Tage im Bett und schrie vor Schmerzen»

Leonie Küng stand im Wimbledonfinal der Juniorinnen. Dann fiel sie tief, erkrankte an Drüsenfieber – und geniesst jetzt ihren Durchbruch am Thailand Open.

Ende eines Exploits: Leonie Küng kann den Matchball von Magda Linette im Final des Thailand Open nicht abwehren.

Was ist es für ein Gefühl, den Namen Leonie Kung – wie ihn die WTA schreibt – auf Rang 156 zu finden, nachdem Sie Ende 2019 noch die 330 waren?

Ich bin megastolz, megaglücklich. Es ist ein Traum, der wahr wird. Es ist cool, dass ich so gut ins Jahr starte und dadurch am French Open meine erste Qualifikation für ein Grand-Slam-Turnier bestreiten kann. Darauf kann ich aufbauen.

Hätten Sie erwartet, so bald in einem WTA-Final zu stehen?

Es kam sehr unerwartet und war schon ein starkes Gefühl. Ich hatte zwar dafür gearbeitet, aber nun bin ich trotzdem überglücklich, dass es so gekommen ist.

Sie hatten in Hua Hin in der Qualifikation starten müssen. Spürten Sie vor dem Turnier, dass Sie gut in Form waren?

Ich hatte in den letzten Wochen und Monaten an 25000er-Turnieren immer wieder gezeigt, dass ich Top-300-Spielerinnen schlagen kann, auch in zwei Sätzen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis ich auch Top-100-Spielerinnen schlagen würde. Aber dass es an diesem Turnier nun gerade gegen drei von ihnen reichte, ist schon krass.

Den Final gegen die Polin Linette verloren Sie 3:6, 2:6. Waren Sie angeschlagen nach der anstrengenden Woche?

Ich war sicher etwas angeschlagen und hatte eine leichte Zerrung am Oberschenkel. Aber ich habe den Match nicht deswegen verloren, meine Gegnerin spielte sehr gut und gewann verdient. Ich hoffe nun, dass ich weitere Chancen erhalten werde, solche Endspiele zu bestreiten.

Sie waren in der Schlussphase ohne Ihre Eltern in Hua Hin. Ihr Vater sagt, es helfe Ihnen, wenn Sie gelegentlich alleine unterwegs seien. Weil Sie dann nicht zu oft rausschauen würden. Lenken Sie Ihre Betreuer am Spielfeldrand ab?

Das nicht. Aber mit der Zeit, wenn ich zu viel um meine Leute herum bin, werde ich zu emotional und beginne, zu viel mit ihnen zu kommunizieren. Wenn ich dann mal alleine an einem Turnier bin, merke ich, dass ich eigentlich gar niemanden brauche, um gut zu spielen. Das hat schon ein paarmal gut geklappt, ich gewann auch schon ein 15000-er Turnier alleine. Ich merke immer, dass es an mir liegt, ob ich gut spiele, nicht an den Leuten draussen. Das heisst, dass ich für mich spielen muss.

«Ich bin froh, dass ich wieder gesund Tennis spielen kann»

Erhielten Sie viele Reaktionen nach Ihrem Final?

Es war schon krass. Viele Leute schrieben mir oder folgen mir neu auf Facebook oder Instagram. Dort stieg die Zahl meiner Anhänger in vier, fünf Tagen von 2600 auf 3500. Die vielen Reaktionen waren schön, nach einer Niederlage brauche ich diese am meisten. Es ist eine tolle Zeit für mich, und ich versuche, sie zu geniessen und hart zu arbeiten.

Sie standen schon 2018, nach Ihrem Final im Juniorenturnier von Wimbledon, an der Schwelle zu den Top 400. Dann hatten Sie Drüsenfieber und fielen weit zurück. Wie erlebten Sie diese Zeit?

Ich hatte sehr viele schwierige Zeiten, in denen es mir schwer fiel, ruhig und positiv zu bleiben. Nach Wimbledon lief es mir extrem gut, es war sehr schade, dass es mich gesundheitlich so erwischte. Aber im Nachhinein denke ich, dass es wohl so sein musste, dass ich mental und als Mensch so etwas durchmachen musste. Ich bin dadurch stärker geworden und habe viel gelernt. Nun bin ich froh, dass ich wieder gesund Tennis spielen kann.

Es gibt verschiedene Arten von Drüsenfieber. Einige bemerken es gar nicht, für andere wird es karrierebedrohend. Wie war es bei Ihnen?

Es war happig. Manchmal lag ich drei Tage nur flach im Bett, hatte Fieber, und manchmal schrie ich wirklich vor Schmerzen. Dann konnte es einen Tag gut sein, und am nächsten hatte ich wieder Halsschmerzen und Fieber. Ich hatte das Drüsenfieber leider zu spät bemerkt, denn es war Winter, und ich dachte, ich sei wegen des Stresses und so krank geworden. Im hätte wirklich merken sollen, dass etwas nicht stimmt. Denn so alle neun Tage wurde ich wieder krank.

Sie hatten auch noch eine Borreliose-Infektion. Mussten Sie Antibiotika nehmen?

Ich nahm nichts Bestimmtes. Ich hörte einfach auf meinen Körper, fuhr herunter und überstand die Krankheiten so.

Im August schlossen Sie Ihr Fernstudium ab, seither sind Sie Profi. Seit wann fühlen Sie sich wieder gesund?

Das Timing war wirklich perfekt: Als ich das Gymi abgeschlossen hatte, ging es mir gesundheitlich wieder richtig gut, und ich konnte beginnen, voll zu trainieren. Es passte ideal. Seither sind auch die Resultate wieder gut.

Spüren Sie keine Spätfolgen, konditionell oder kräftemässig?

Ich bin eindeutig weniger fit geworden, da ich viel weniger machen konnte. Ich quälte mich extrem. Manchmal musste ich mich im Kondi-Training übergeben, weil ich mich so verausgabt habe. Ich bin auch noch nicht dort, wo ich sein will, in Sachen Fitness kann ich noch viel herausholen.

Welches waren Ihre Ziele für diese Saison?

Das Ziel war, mich für die Qualifikation des French Open zu qualifizieren. Deshalb machten wir auch diese grosse Turnierreise, ich bin nun etwa neun Wochen unterwegs. Ich habe nicht viele WTA-Punkte zu verteidigen in diesen Monaten, aber dass ich so schnell einen derartigen Sprung machen würde, hätte niemand erwartet. Das hilft mir extrem, und jetzt kann ich alles locker nehmen, Match für Match spielen und versuchen, meinen Schwung mitzunehmen.

Haben Sie Ihre Ziele jetzt bereits angepasst?

Das musste ich ja. Wenn man die Nummer 150 ist, kann man nicht sagen, die Nummer 180 sei das Ziel... Nun will ich weiter nach vorne kommen, um irgendwann in den Hauptfeldern der Grand Slams zu stehen.

Früher sagten Sie, Ihr Ziel sei die Nummer 1. Wie stehen Sie heute zu dieser Aussage?

Die Nummer 1 hat schon ihren Reiz, und wenn du jung bist, sprichst du halt so. Je älter du wirst, desto mehr nimmst du Ziel für Ziel. Aber sicher möchte ich einmal auch gegen die besten Spielerinnen gewinnen können.

Sie gehen im Schweizer Tennis eigene Wege, trainieren auch nicht in Biel. Rücken für Sie nun das Fed-Cup-Team und eine Olympia-Teilnahme in Tokio in den Fokus?

Damit habe ich mich noch überhaupt nicht befasst. Wir haben extrem gute Tennisspielerinnen in der Schweiz, und ob ich nominiert werde, liegt nicht in meiner Macht. Ich nehme das locker und schaue, was auf mich zukommt.

Worauf freuen Sie sich als nächstes am meisten?

Kurzfristig, dass ich in Perth meinen Papi wieder treffe und weiter Tennis spielen kann. Und dann freue ich mich mega auf mein erstes Grand-Slam-Turnier bei den Erwachsenen.

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