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«Ich bin sicher, dass im Tennis gedopt wird»

Richard Pound, einst Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees und oberster Dopingjäger, ist überzeugt, dass der weisse Sport in Sachen Doping keine weisse Weste hat.

«McEnroe und Borg sahen im Vergleich zur heutigen Generation wie kleine alte Männer aus»: Richard Pound verfolgt die Leistungsentwicklung im Tennis mit grosser Skepsis.
«McEnroe und Borg sahen im Vergleich zur heutigen Generation wie kleine alte Männer aus»: Richard Pound verfolgt die Leistungsentwicklung im Tennis mit grosser Skepsis.

Nach dem ehemaligen Top-50-Spieler Christophe Rochus erhebt nun auch ein ausgewiesener Fachmann Dopingvorwürfe gegen die Zunft der Tennisprofis. «Ich bin sicher, dass im Schwimmen und im Tennis gedopt wird – es gibt keinen Sport ohne Risiko», sagte Richard Pound gegenüber dem «Evening Standard». Pound, der als Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) über viele Jahre an vorderster Front gegen die illegalen Tricksereien im Spitzensport kämpfte, stützt seine These mit einem Blick in die Vergangenheit.

Die einstigen Superstars John McEnroe und Björn Borg hätten im Vergleich zur heutigen Generation wie kleine alte Männer ausgesehen. Sogar bei Ivan Lendl, der aussergewöhnlich fit war, sei dies nicht anders. «Schauen Sie sich doch die Unterschiede bezüglich Körperbau und Belastbarkeit an. Wenn die Tennisautoritäten glauben, all dies sei ohne den Gebrauch von EPO und dergleichen möglich, dann sind sie unaufmerksam», so Pound.

Murray will für mehr Dopingtests auf Geld verzichten

Der Weltranglistendritte Andy Murray fordert derweil, dass die Tennisprofis notfalls auf einen Teil ihrer Einkünfte verzichten sollen, um Mittel für den Kampf gegen Doping freizumachen. «Es ist nun an den Verbänden und der ATP, etwas von unserem eigenen Geld in häufigere Tests zu investieren. Wenn das bedeutet, dass die Preisgelder gekürzt werden müssen, dann sollten wir das tun», erklärte Murray gegenüber der BBC.

In Murrays Augen ist eine weisse Weste in Sachen Doping für den Tennissport von enormer Bedeutung. «Wenn nur einer von hundert Spielern gedopt ist, dann ist es in meinen Augen kein sauberer Sport mehr. Wir müssen alles tun, damit wir garantieren können, dass sowohl die Topathleten als auch die tiefer klassierten Spieler sauber sind», führt der Australian-Open-Finalist aus. Der Schaden, den Lance Armstrong und das Doping dem Radsport zugefügt haben, sei nur schwer wieder gutzumachen. «Ich will nicht, dass das meinem Sport passiert», so Murray.

Tennisspieler in der Praxis von Fuentes

Der Tennissport könnte aber bereits in illegale Machenschaften involviert sein. Beim momentan laufenden Verfahren gegen den bekannten Dopingarzt Eufemiano Fuentes kam zum Vorschein, dass dieser nicht nur Radfahrer behandelte. Tyler Hamilton, ehemaliger Radprofi und Patient von Fuentes, berichtete jüngst, in der Praxis des Spaniers auch Fussballer und Tennisspieler gesehen zu haben. Der Sportmediziner hatte sich einst selbst damit gerühmt, auch Spitzenathleten aus anderen Sportarten zu betreuen.

Um Dopingsünder zu entlarven, sieht Murray nur eine Möglichkeit: mehr Bluttests kombiniert mit einem biologischen Pass. Erst kürzlich hatte Novak Djokovic darauf hingewiesen, dass sein Blut im letzten Jahr nur sehr wenig getestet wurde. «Wir brauchen mehr Bluttests, und das kostet halt», so der Brite. Trotzdem könne das Tennis langfristig von grösseren Investitionen in den Kampf gegen das Doping profitieren: «Die Leute kommen dann vermehrt in die Stadien, um einen sauberen Sport zu sehen, anstatt immer nur negative Schlagzeilen über andere Sportarten zu lesen.»

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