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Hast du nur Glück, oder bist du wirklich gut?

Magnus Norman spricht nicht viel und scheint doch eine Menge zu bewirken. Wie hat der schwedische Coach Stanislas Wawrinka vorangebracht?

Gross aufgetrumpft: In Madrid schlägt Wawrinka zwei Top-10-Spieler und muss sich erst im Final dem hohen Favoriten Rafael Nadal geschlagen geben. (12. Mai 2013)
Gross aufgetrumpft: In Madrid schlägt Wawrinka zwei Top-10-Spieler und muss sich erst im Final dem hohen Favoriten Rafael Nadal geschlagen geben. (12. Mai 2013)
Keystone
Daumen hoch: Wawrinka bei der Siegerehrung in Madrid. Sein Gesichtsausdruck zeigt, dass der Erfolgshunger noch nicht gestillt ist. (12. Mai 2013)
Daumen hoch: Wawrinka bei der Siegerehrung in Madrid. Sein Gesichtsausdruck zeigt, dass der Erfolgshunger noch nicht gestillt ist. (12. Mai 2013)
Keystone
Die Initialzündung: Im Final des Portugal Open deklassiert Wawrinka den Weltranglistenvierten David Ferrer. (5. Mai 2013)
Die Initialzündung: Im Final des Portugal Open deklassiert Wawrinka den Weltranglistenvierten David Ferrer. (5. Mai 2013)
Keystone
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Nach seinem grossen Lauf am Masters-1000-Turnier von Madrid, der erst im Final gegen Rafael Nadal zum Stillstand kam, wandte sich Stanislas Wawrinka an seinen neuen Trainer Magnus Norman und fragte scherzhaft: «Hast du nur Glück, oder bist du wirklich gut?» Abschliessend lässt sich diese Frage noch nicht beantworten, es deutet aber eine Menge darauf hin, dass Norman in der Schweiz bald mehr als Wawrinkas Erfolgscoach denn als Ex-Freund von Martina Hingis bekannt sein wird. «Den Einfluss des stillen Mannes darf man nicht unterschätzen. Er redet nicht viel, doch was er sagt, hat Gewicht. Er ist eine grossartige Wahl», schreibt Neil Harman, Tenniskolumnist der Londoner «Times» und bekennender Wawrinka-Fan über den Schweden, der vor 13 Jahren nicht nur mit Hingis ausging, sondern auch im French-Open-Final stand.

Von der Physis her gehört Wawrinka schon lange zur Crème de la Crème, und seine Rückhand ist auch nicht erst seit gestern wohl die beste auf der ATP-Tour. Norman verstand es aber offenbar, den Schalter im Kopf des Romand umzulegen. So wie es Ivan Lendl bei Andy Murray getan hat. In einem am Wochenende erschienenen Interview mit der Westschweizer Zeitung «Le Matin» beschrieb Norman seinen Schützling als «ängstlich und wenig von sich selbst überzeugt». Wawrinka müsse seinen Killerinstinkt pflegen und nicht mehr der nette Kerl sein, vor allem bei den wichtigen Punkten. Er müsse fest an den Sieg glauben.

«Er könnte noch zu einem der Männer dieses Jahres werden»

Dies alles sind Forderungen, die Norman vor Wawrinkas Madrider Viertelfinalmatch gegen Jo-Wilfried Tsonga stellte. Und es sind Forderungen, die der Waadtländer erst gegen Tsonga und dann gegen den Tschechen Tomas Berdych glänzend in die Tat umsetzte. Das Fachportal Tennisnet.com schreibt, Wawrinka sei neuerdings eher ins Gelingen als ins Scheitern verliebt, und trifft den Nagel damit auf den Kopf. «Stan the Man könnte noch zu einem der Männer dieses Jahres 2013 werden. Zu einer Symbolfigur für neue Machtverschiebungen in der Tenniswelt», heisst es in der Analyse weiter. Besonders augenfällig waren Wawrinkas mentale Fortschritte gegen Berdych, als er im Entscheidungssatz nach einem Breakrückstand noch die Wende schaffte. Die packende Partie war auf den deutschsprachigen Kanälen des Schweizer Fernsehens, die bei jedem Motorradrennen live dabei sind, nicht zu sehen. Ein Indiz dafür, wie wenig der Tennisprophet aus dem Welschland jenseits des Röstigrabens im Vergleich zu Roger Federer noch gilt.

«Er befindet sich in einer Dynamik des Erfolgs»

Magnus Norman, den Wawrinka vor einem knappen Monat in Monte Carlo als seinen Trainer vorstellte, redet nicht gern über sich, und über seine Ziele mit der Schweizer Nummer 2 verrät er nur, dass die Latte hoch gesetzt sei: «Ich bin überzeugt, dass die tägliche harte Arbeit an Details einen enormen Einfluss haben kann.» Den Höhenflug seines Schützlings erklärt er auch damit, dass dieser im Endspiel des Portugal Open den Weltranglistenvierten David Ferrer schlagen konnte. «Er befindet sich in einer Dynamik des Erfolgs.» Das kurzfristige Ziel des schweizerisch-schwedischen Duos ist es nun, diese Dynamik auch in dieser Woche am Masters-1000-Turnier von Rom am Laufen zu halten, denn danach steht mit dem French Open jener Anlass auf dem Programm, der die ganz grosse Verwandlung des Zweiflers Wawrinka in den Riesentöter Wawrinka bringen soll.

Schon jetzt kann man sagen, dass es dem früheren Rudolf-Steiner-Schüler gelungen ist, zumindest temporär aus dem Schatten von Federer zu treten. In der Jahreswertung liegt Wawrinka auf dem 6. Rang, der 17-fache Major-Champion ist nur Elfter. Federer hat zwar erst sieben Turniere bestritten, während sein Landsmann auf deren elf kommt, dies allein ist aber keine Erklärung für seine Baisse in diesem Frühjahr. Der Branchenprimus Novak Djokovic stand auch erst siebenmal im Einsatz, Andy Murray, der im sogenannten Race to London Platz 3 belegt, sogar nur sechsmal.

Kommt es in Rom zum Kräftemessen mit Djokovic?

Eine Rolle bei Wawrinkas Aufstieg spielte auch Severin Lüthi, der Coach des Davis-Cup-Teams, der zum persönlichen Stab von Federer gehört. Das Gespräch mit Lüthi habe auf seiner Liste hohe Priorität gehabt, sagte Norman gegenüber «Le Matin». «Es war essentiell für mich, da er Stan seit sehr langer Zeit beobachtet und ihn um einiges besser kennt als ich.» Zu verbessern gedenkt der Schwede bis zum Grand-Slam-Turnier in Roland Garros, das Ende Monat beginnt, noch folgende Punkte: das Positionsspiel, die Vorhand, die Angriffsauslösung und den Service. Beginnen kann Wawrinka mit der Arbeit am Dienstag in Rom gegen den Argentinier Carlos Berlocq (ATP 63), den er in beiden bisherigen Duellen bezwang. In den Achtelfinals könnte er auf den Weltranglistenersten Djokovic treffen.

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