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Gedopte Scharapowa will zu Olympia – wie geht denn das?

Durch eine Hintertür könnte der provisorisch gesperrte russische Star überraschend doch schon bald wieder Tennis spielen.

Aufgabe neben dem Court: Maria Scharapowa schliesst sich einem UBS-Gremium an. (Mai 2017)
Aufgabe neben dem Court: Maria Scharapowa schliesst sich einem UBS-Gremium an. (Mai 2017)
Ettore Ferrari, Keystone
Verschmähte Attraktion: In Stuttgart, Madrid und Rom erhielt Scharapowa eine Wildcard, doch am French Open kann sie nicht antreten. (16. Mai 2017)
Verschmähte Attraktion: In Stuttgart, Madrid und Rom erhielt Scharapowa eine Wildcard, doch am French Open kann sie nicht antreten. (16. Mai 2017)
Keystone
Auf dem Tiefpunkt: Maria Scharapowa verlässt die Pressekonferenz in Los Angeles (7. März 2016).
Auf dem Tiefpunkt: Maria Scharapowa verlässt die Pressekonferenz in Los Angeles (7. März 2016).
Getty Images/Kevork Djansezian
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Bei den Australian Open im Januar wurde Maria Scharapowa positiv auf die verbotene Substanz Meldonium getestet und provisorisch gesperrt. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) setzte Meldonium Ende 2015 auf die Dopingliste, nachdem aufgrund eines Monitoring-Programms für den Wirkstoff ein hoher Missbrauch in verschiedenen Sportarten festgestellt wurde.

Bei der Pressekonferenz zu ihrem Vergehen beteuerte Scharapowa, dass sie nicht wusste, dass das Medikament auf der Dopingliste sei. Sie habe die neue Dopingliste nicht gelesen. Doch im Allgemeinen gilt: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Scharapowa muss von einer Bestrafung ausgehen.

Jetzt könnte sich das Blatt für die Russin doch noch wenden. Da Meldonium laut dem Hersteller noch über längere Zeit nach der Einnahme im Körper nachgewiesen werden kann, beschloss die Welt-Anti-Doping-Agentur kürzlich eine Teilamnestie. Jene Athleten, die vor dem 1. März positiv getestet wurden und bei denen ein Wert von unter einem Mikrogramm pro Milliliter festgestellt wurde, haben keine Dopingsperren zu befürchten. Wie hoch der Wert bei der Russin liegt, ist nicht bekannt. Bisher wurden mehr als 170 Sportler positiv auf Meldonium getestet.

Wada mit voreiligen Schlüssen

Die Lockerung ist eine höchst umstrittene Massnahme, da sie einerseits alle Athleten in den gleichen Topf wirft. Jene, die seit dem Verbot Anfang Jahr die Substanz nicht mehr eingenommen haben und somit keine Strafe befürchten sollten. Aber auch jene, die im laufenden Jahr, trotz Verbot, nicht aufgehört haben, die Substanz einzunehmen. Scharapowa zählt zu den Letzteren.

Anti-Doping-Experten wie der Deutsche Fritz Sörgel reagieren auf die Entscheide aus einem anderen Grund mit Unverständnis: «Diese Konzentration, die festgelegt wurde, ist völlig willkürlich. Es gab schon seit einiger Zeit Untersuchungen, die belegen, dass die Substanz nicht lange im Körper bleibt», sagte Sörgel. Je nach eingenommener Menge soll sie höchstens drei bis vier Tage nachgewiesen werden können. Die Forschungslage dazu ist noch nicht ausgereift. Eines ist klar: Die Wada hatte voreilige Schlüsse gezogen und erst Anfang Jahr neue Untersuchungen angeordnet.

Entscheid vielleicht vor Wimbledon

Bei der Diskussion über eine allfällige Aufhebung von Meldonium-Sperren tauchen zwangsläufig die Olympischen Sommerspiele auf. Können betroffene Athleten vielleicht doch antreten? Kann sogar Scharapowa antreten? Der Tennis-Weltverband ITF hat nach der Lockerung der Doping-Regularien durch die Wada eine Anhörung der 1,88 Meter grossen Russin angekündigt.

ITF-Präsident Haggerty erklärte, dass die für den Fall zuständige Tennis Integrity Unit normalerweise zwei bis drei Monate brauche, um einen Fall zu behandeln. Für Scharapowa bedeutet das, dass ihre Strafe sogar noch vor dem dritten Grand-Slam-Turnier der Saison in Wimbledon (27. Juni bis 10. Juli) verkündet werden könnte. Wie ernst die Wada die Bekämpfung von Doping wirklich nimmt, wird sich unter anderem an der Entscheidung im Fall Scharapowa zeigen. (jwi)

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