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Folgen auf Federer nur noch zwei Meter lange Tennis-Riesen?

Nach Meinung von Experten sind vergleichsweise filigrane Tennisspieler wie Roger Federer eine aussterbende Spezies.

Tomas Berdych überragt Roger Federer um acht Zentimeter.
Tomas Berdych überragt Roger Federer um acht Zentimeter.
Keystone

Am US Open 2009 verlor der 1,88 m grosse Roger Federer den Final gegen Juan Martin Del Potro, am French Open scheiterte er an Robin Söderling und in Wimbledon an Tomas Berdych.

Was das alles mit der oben angetönten These zu tun hat? Ganz einfach: Sowohl Del Potro (1,98 m) als auch Söderling (1,93 m) und Berdych (1,96 m) kommen jenem Athleten recht nahe, den die Experten für den Archetyp des Grand-Slam-Champions der Zukunft halten. Sie alle messen fast zwei Meter, haben aber nichts mehr von der Unbeweglichkeit eines Ivo Karlovic an sich. Sie schlagen aus luftiger Höhe Asse und verfügen dennoch über eine gute Beinarbeit.

«Diese Jungs können von der Grundlinie aus derart Druck machen, dass sie nicht mehr ans Netz kommen müssen, um zu punkten», erklärt der frühere Wimbledonsieger Boris Becker in der «New York Times». Im Vergleich zu den Service-Giganten der Achtziger und Neunziger sei dies ein enormer Fortschritt, diese hätten nach dem Aufschlag stets auf einen schnellen Winner hoffen müssen.

Nadal hat sein Spiel schon verändert

Weltranglisten-Leader Rafael Nadal gibt zu, dass er sein Spiel verändern musste, seit die beweglichen Riesen in die Spitze vorgedrungen sind: «Ich spiele nun bedeutend aggressiver als früher», so der 1,85 m grosse Spanier.

Spieler vom Typ Berdych seien in der Lage, aus verschiedenen Positionen heraus das Spiel zu diktieren, bestätigt der frühere australische Spitzenspieler Darren Cahill, heute Analyst beim TV-Sender ESPN. «Sie schlagen den Ball unglaublich hart und bewegen sich dazu elegant. Tennis wird zunehmend ein Sport für richtig grossgewachsene Männer.» Auch für Roger Federer ist diese Entwicklung offenbar eine ernstzunehmende Herausforderung.

Noch gibt es Platz für Kreativität

«Gegen Federer muss man so spielen, wie diese grossgewachsenen Athleten es tun», glaubt der frühere US-Profi Justin Gimelstob, der das US Open für den Tennis Channel begleitet. «Man muss Druck auf ihn ausüben und seine Rückhandseite mit harten Schlägen eindecken. Gleichzeitig muss der Spieler der Zukunft aber auch von der Beweglichkeit und Athletik her mit Federer gleichziehen.»

ESPN-Analyst Cahill glaubt trotz Federers Grand-Slam-Niederlagen gegen Del Potro, Söderling und Berdych aber nicht, dass die Zeit des 29-jährigen Schweizers schon abgelaufen ist: «Federer hat mehrfach bewiesen, dass auch im heutigen Tennis noch Platz ist für einen artistischen und spielerischen Stil, der den Gegner verwirrt.»

Was passiert, wenn Federer aufhört?

Federer selbst empfindet Herausforderungen als inspirierend. Dies stellte auch sein neuer Coach Paul Annacone fest. Dass Aufschläge mit 200 km/h heute nicht mehr aussergewöhnlich sind, entmutigt den 16-fachen Major-Champion keineswegs. Er stellt aber nüchtern fest, dass die Präzision in der jüngeren Vergangenheit an Wichtigkeit eingebüsst habe – auch durch die Entwicklung in der Racket- und Saitentechnologie.

Solange sich Federer noch mit Leidenschaft dem Tennis verschreibt, muss einem um die Attraktivität des Sports nicht bange sein, danach aber droht eine ähnliche Entwicklung wie im Frauentennis, wo Power über Eleganz triumphiert hat und die Zuschauer sehnsüchtig an Stoppbälle à la Martina Hingis zurückdenken.

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