Das Ende der Grand-Slam-Serie

Roger Federer verspielte am US Open gegen Novak Djokovic eine 2:0-Satzführung und beendet 2011 ohne Majortitel.

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René Stauffer@staffsky

«It’s a beautiful day», tönte es aus den riesigen Lautsprechern des Arthur-Ashe-Stadions. Der Regen, der den Spielbeginn um über eine Stunde verzögert hatte, war abgezogen, der Himmel blau, die Temperaturen im hochsommerlichen Bereich. Roger Federer wechselte sein T-Shirt und schritt zur Grundlinie, während Novak Djokovic den Sonnenhut aufsetzte. Fünf Ballwechsel später hatte der Baselbieter den 2. Satz nach Hause serviert, führte nach 1:41 Stunden komfortabel mit 2:0 Sätzen.

Es war ein wunderbarer Tag für Federer, zumindest bis dahin, doch er sollte sich dramatisch ändern. Mit der Niederlage vor Augen fand Djokovic zu einer traumwandlerischen Sicherheit. Er entriss Federer die Initiative im dritten Satz, wehrte wie 2010 zwei Matchbälle ab und qualifizierte sich mit 6:7, 4:6, 6:3, 6:2, 7:5 wie im Vorjahr für den Final des US Open. Dort trifft der Weltranglistenerste am Montag (22 Uhr MEZ) auf Rafael Nadal, der Andy Murray in vier Sätzen bezwang.

Federers Duell mit Djokovic hatte unter grauem Himmel und mit Flutlicht begonnen, nachdem der Platz abgetrocknet worden war. Seine Begleiter hatten für einmal in der südlichen Players Box Platz zu nehmen – ihren Stammplatz hatten sie an die Entourage der Nummer 1 abtreten müssen. Es war das erste Aufeinandertreffen, in dem Djokovic besser klassiert war als der Schweizer, der sich damit in der Rolle des Aussenseiters widerfand. Das war er schon in Paris gewesen, wo er die Siegesserie des Serben nach 43 Erfolgen beendet hatte. Und wieder spielte er seinen Part lange ausgezeichnet.

Beide begannen als Aufschläger souverän, womit ein Tiebreak unvermeidlich wurde. Federer hatte von Beginn weg den grössten Teil der über 23 000 Zuschauer im Rücken. Er ging 6:3 in Führung, brauchte aber fünf Satzbälle, ehe er nach 56 Minuten den Startsatz für sich entschied.

Ab dem 2. Satz kamen Breakbälle und Breaks ins Spiel. Federer vergab einen 3:1-Vorsprung, reagierte aber vehement auf das 3:3 und schaffte es, Djokovic ein Aufschlagspiel ohne Punktverlust abzunehmen und diesen Vorsprung zu verteidigen. Er schien auf dem Weg zum Sieg.

Zum 3. Mal in Serie in New York in 5 Sätzen gescheitert

Wie auf dem Sand von Roland Garros musste er Djokovic den 3. Durchgang überlassen, weil er ein Break zum 0:2 nicht wettmachen konnte. Der Serbe spielte nun jene Form aus, die ihm diese Saison unter anderem fünf Finalsiege über Nadal eingetragen hat. Federer wurde hinter die Grundlinie gedrängt, kam auch im 4. Satz zu keinen Breakchancen.

Doch im 5. Satz war er plötzlich wieder da. Er breakte den Wimbledonsieger im 8. Game, schlug zum Sieg auf – und kam zu Matchbällen. Den ersten wehrte Djokovic mit einem brillanten Return ab, den zweiten vergab Federer mit einem Fehler – worauf Djokovic zurückbreakte. Der Schweizer war nun moralisch angeschlagen, verlor vom 5:3 zum 5:7 vier Games in Folge und die Partie nach 3:51 Stunden auf bittere Weise.

Der fünffache US-Open-Sieger hatte in Wimbledon gegen Jo-Wilfried Tsonga erstmals in seiner Karriere eine Grand-Slam-Partie noch verloren, in der er mit 2:0 Sätzen geführt hatte. Das gleiche widerfuhr ihm nun im Duell der zwei besten Hartplatzspieler der Saison. Wie 2009 im Final gegen Juan Martin Del Potro und vor einem Jahr gegen Djokovic verlässt er Flushing Meadows nach einer Niederlage in fünf Sätzen. Sein Traum, 2011 doch noch einen Grand-Slam-Titel zu holen und seine seit 2003 anhaltende Serie zu verlängern, ist ausgeträumt.

SonntagsZeitung

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