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«Cilic und ich nahmen ein paar Drinks»

Roger Federer erzählt von einem zufälligen Ferientreffen mit seinem Finalgegner des Australian Open – und sagt, was Cilic auszeichnet.

Die Highlights des Halbfinals zwischen Federer und Chung Hyeon. Video: AP/Tamedia

Hätten Sie im Hinblick aufs Endspiel lieber einen härteren Halbfinal gehabt?

Sicher hätte ich lieber ein normales Ende gehabt. Aber je schneller die Matches vorbeigehen, desto schonender sind sie für den Körper. Es gibt genug harte Partien in einer Saison, deshalb nimmt man die kurzen gerne. Ich bin einfach happy, im Final zu sein. Natürlich bewegte sich Chung nicht so gut. Aber ich spielte einen guten Match.

Und nun erwartet Sie also Marin Cilic im Final. Hat sich etwas in seinem Spiel verändert, seit er 2014 das US Open gewann?

Natürlich gab ihm dieser Sieg den Glauben daran, Grosses schaffen zu können. Wie Stan (Wawrinka) sein Titel am Australian Open. Die beiden wissen nun: Wenn der grosse Moment kommt, können sie ihr bestes Niveau abrufen. Nicht automatisch, aber manchmal gelingt es ihnen. Ich finde, Cilic hat gegen Nadal grossartig gespielt. Der Glaube an seine Fähigkeiten half ihm, jenen Match zu gewinnen. Denn es sah ja eine Weile nicht gut aus für ihn. Auch als wir Ende letzten Jahres an den ATP-Finals gegeneinander spielten, hatte er eine Winnermentalität. Obschon er die ersten zwei Spiele verloren hatte. Mir gefällt seine Einstellung, er ist sehr professionell. Er ist ein Gewinner. Das sieht man daran, wie er sich auf dem Court verhält. Er ist da, um zu gewinnen, und nicht, um einfach dabei zu sein. Bei anderen hat man das Gefühl, sie sind schon happy, es in den Viertelfinal geschafft zu haben. Er will mehr.

Bilder: Roger Federer steht im Final des Australian Open

Chung Hyeon bleibt nur die Gratulation: Der Koreaner muss im zweiten Satz verletzungsbedingt aufgeben.
Chung Hyeon bleibt nur die Gratulation: Der Koreaner muss im zweiten Satz verletzungsbedingt aufgeben.
William West, AFP
Jubel über den Finaleinzug: Roger Federer steht zum siebten Mal im Australian-Open-Final.
Jubel über den Finaleinzug: Roger Federer steht zum siebten Mal im Australian-Open-Final.
Saeed Khan, AFP
Entspannt in den Final: Roger Federer kann dank dank des Kurzeinsatzes Kräfte sparen für den Final gegen Cilic am Sonntag.
Entspannt in den Final: Roger Federer kann dank dank des Kurzeinsatzes Kräfte sparen für den Final gegen Cilic am Sonntag.
Saeed Khan, AFP
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Gibt es etwas in Ihrem Spiel, das Sie gegen Cilic verbessern müssen?

Nein, ich muss einfach einen guten Match spielen. Wenn man so weit gekommen ist, muss man nicht spezielle Dinge verbessern, hat man vieles schon ziemlich gut gemacht. Ich hoffe, ich habe einen guten Start, kann gut variieren und von Beginn weg gut aufschlagen. Und natürlich hoffe ich, dass ich seinen Aufschlag gut lesen kann.

Wenn wir die Zeit zehn Jahre zurückdrehen: Wie fühlen Sie sich im Vergleich zu damals?

Gut, 2008 hatte ich ja das Pfeiffersche Drüsenfieber gehabt. Ich spürte die Folgen davon noch neun Monate lang, war einen Schritt langsamer. Dass ich mich davon wieder erholte, war sehr wichtig für meine Karriere. Man durchlebt ganz unterschiedliche Phasen in einer Karriere. Ich bin glücklich, immer noch hier zu sein, immer noch gesund, dass ich immer noch gut spiele und mir die Chance gebe, gegen die Besten zu spielen. Ein Grund dafür ist sicher, dass ich weniger Turniere bestreite als früher. Ich hätte mir das früher nie vorstellen können, dachte, ich müsse von Januar bis November durchspielen. Doch es funktioniert.

Keine Coaches, nur wir zwei, total entspannt. Ich lernte den Menschen hinter dem Tennisspieler kennen.

Roger Federer

Sie sagten auf dem Court, Sie hätten Cilic zufällig auf einer Insel auf den Malediven getroffen. Wie war das genau?

Ich war zuerst auf der Insel, dann kam Cilic. Ich fand das ziemlich cool. Es war nicht so, dass sie mich gewarnt hatten, ein anderer Tenniscrack komme. Als er eintraf, wollte ich ihn zunächst nicht stören. Und umgekehrt. Aber nach zwei Tagen schrieb er mir: «Ich bin auch hier, vielleicht können wir uns ja einmal treffen. Falls du möchtest, sag es mir einfach.» Ich schrieb zurück, ich würde ihn gerne treffen, und er solle mir sagen, falls er ein paar Bälle schlagen wolle. Er war sehr motiviert, und es war für uns beide gut, um im Rhythmus zu bleiben. Danach nahmen wir ein paar Drinks zusammen, und ich traf seine Verlobte. Wir assen Kuchen zusammen, meine ganze Familie war dabei. Es machte Spass. Es war nicht so, dass wir die ganze Zeit zusammenwaren. Aber wir trainierten zweimal 45 Minuten lang. Es machte Spass. Keine Coaches, nur wir zwei, total entspannt. Und ich lernte den Menschen hinter dem Tennisspieler kennen.

Wann war das?

Vor ein paar Monaten, Ende November.

Was würde Ihnen der Grand-Slam-Titel Nummer 20 bedeuten?

20 wäre schon speziell. Aber mehr fällt mir dazu momentan nicht ein. Ich kann es kaum glauben, wie schnell es bis zum Final gegangen ist. Nicht, dass es einfach gewesen wäre. Da steckt viel Arbeit, Fokus und Vorbereitung dahinter. Wochen, ja Monate arbeitet man daran, sich in die Position zu bringen, um dann bereit zu sein, wenn man in den Viertelfinal, Halbfinal, Final kommt. Dass ich nun so weit gekommen bin, zeigt mir, dass wir vieles richtig gemacht haben in der Winterpause.

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