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Champions-League-Modus im Tennis?

Im vergangenen Jahr erzürnte Ion Tiriac die Tennisstars in Madrid mit dem rutschigen blauen Sand. Nun will der Rumäne dem althergebrachten Modus an den Kragen.

Die getönte Brille ist stets dabei: Ion Tiriac als Tribünengast am French Open, neben ihm sein früherer Schützling Boris Becker. (8. Juni 2012)
Die getönte Brille ist stets dabei: Ion Tiriac als Tribünengast am French Open, neben ihm sein früherer Schützling Boris Becker. (8. Juni 2012)
Keystone
Ideenreich: Im vergangenen Jahr liess Tiriac Novak Djokovic und die übrigen Stars am Madrider Masters-1000-Turnier auf blauem Sand spielen. (11. Mai 2012)
Ideenreich: Im vergangenen Jahr liess Tiriac Novak Djokovic und die übrigen Stars am Madrider Masters-1000-Turnier auf blauem Sand spielen. (11. Mai 2012)
Keystone
Einnahmen statt Erholung: Würde es nach Tiriac gehen müsste der verletzungsanfällige Rafael Nadal noch häufiger antreten. (17. März 2013)
Einnahmen statt Erholung: Würde es nach Tiriac gehen müsste der verletzungsanfällige Rafael Nadal noch häufiger antreten. (17. März 2013)
Keystone
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Ion Tiriac, der einst Boris Boris Becker als Manager zur Weltmarke machte, hat auch im Alter von bald 74 Jahren noch grosse Pläne. Der Rumäne, der 1964 als Eishockeyspieler an den Olympischen Spielen teilnahm und sechs Jahre später an der Seite von Ilie Nastase die Doppelkonkurrenz des French Open gewann, glaubt, dass der Tennissport einschneidende Reformen braucht.

«Wenn ich könnte, würde ich vor allem den Modus komplett ändern: ein Feld von nur 32 Spielern, und die würde ich in acht Gruppen zu vier Spielern einteilen – wie in der Gruppenphase der Champions League», erklärte Tiriac gegenüber der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung». «Das würde vier hochklassige Partien pro Tag garantieren, und es wäre auch egal, ob Federer oder Nadal gut oder schlecht spielen würden, sie würden definitiv dreimal antreten.»

Interessenskonflikt mit den Spielern

Gerade für kleinere Turniere, die mehr Werbegelder einstreichen könnten, wenn ihre Aushängeschilder länger am TV zu sehen sind, wäre eine solche Reform nützlich. Tiriacs Idee, die auch die generelle Wiedereinführung der Best-of-5-Formel für Finals vorsieht, kollidiert aber mit den Interessen der Spieler. Diese hätten im Vergleich zu heute bei einem Feld von 32 Konkurrenten bis zum Turniersieg einen Match mehr zu absolvieren und würden noch stärker beansprucht als ohnehin schon. Klagen der Stars, der Kalender sei überladen, sind immer wieder zu hören.

Tiriac stellt überdies den sportlichen Wert der Grand-Slam-Turniere infrage. Die frühen Runden sind in seinen Augen zu einem grossen Teil Leerlauf. 128 Männer und 128 Frauen seien zu viel. «Schauen Sie sich doch die Formel 1 an, oder im Fussball die Champions League, die Welt- oder Europameisterschaft. Dort gilt: Die Besten spielen gegen die Besten, es herrscht Qualität statt Quantität», gibt er zu bedenken. Das Madrider Turnier sei deshalb besser als Roland Garros oder Wimbledon.

Das neueste Projekt des Mannes mit der getönten Brille ist das Düsseldorfer ATP-Turnier, das er zusammen mit dem früheren Australian-Open-Finalisten Rainer Schüttler übernommen hat. Es findet vom 19. bis 25. Mai als Vorbereitungsturnier auf das French Open statt und gehört der ATP-250-Kategorie an. Tiriac möchte mit dem Event dem Männertennis in Deutschland neuen Schub verleihen. Dessen geringe Beachtung beobachtet er mit Sorge: «In Deutschland werden ja nicht einmal alle Grand Slams und andere Topturniere im frei empfangbaren Fernsehen übertragen. Auf der ganzen Welt – mit Ausnahme der Vereinigten Staaten und ihrem Baseball, Football und Basketball – ist Tennis die Sportart Nummer 2, wenn man die Fernsehzeiten betrachtet. In Deutschland ist Tennis bestenfalls die Nummer 4 nach Fussball, Fussball und Fussball.»

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