Bisher hat Federer an diesem Turnier alles richtig gemacht

Roger Federers Erfolg im Wimbledon-Halbfinal über Tomas Berdych war ebenso ein Erfolg der mentalen Stärke wie der spielerischen Überlegenheit.

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René Stauffer@staffsky

Wie Roger Federer es geschafft hat, ohne Satzverlust seinen 11. Wimbledonfinal zu erreichen, ist nicht vergleichbar und eher noch höher einzuschätzen als sein überraschender Coup im Australian-Open-Final im Januar. Denn in Melbourne war er beim Comeback nach sechs Monaten Pause der unbelastete Aussenseiter gewesen, ohne Erwartungen angereist. In London war das komplett anders. Er hatte die Sandsaison ausgelassen, sich ganz auf sein Lieblingsturnier konzentriert. Entsprechend hoch war er eingestuft worden, auch angesichts seiner Prachtsform in diesem Jahr. Und seit dem Ausscheiden von Nadal, Murray und Djokovic liegt der ganze Druck auf ihm.

Gegen Berdych demonstrierte er an diesem sonnigen Freitag aber einmal mehr, wie gut er mit solchen Situationen umgehen, wie gut er sich auf den Moment fokussieren kann. Zwar wirkte er insgesamt etwas weniger brillant als im Viertelfinal gegen Milos Raonic, wobei Berdych aber auch der viel stärkere Gegner war. Doch Federer liess ihn von Anfang an spüren, wie sehr er diesen Sieg wollte. Er war der aktivere, der variantenreichere, der emotional engagiertere Spieler, und natürlich war er Berdych auch spielerisch überlegen. In Tiebreaks aber ist das oft nebensächlich.

Härter getestet denn je

Wie üblich auf Rasen, wo sich die spielerischen Vorteile gerade gegen grosse Aufschläger oft nur schwer in Breaks ummünzen lassen, blieb ihm ein harter Test denn auch nicht erspart, der bisher härteste dieser Championships. Im ersten Satz musste er ein Break aus heiterem Himmel zum 4:4 verarbeiten, im zweiten und dritten Durchgang lief er sogar Gefahr, selber in Breakrückstand zu fallen, während er den erlösenden Servicedurchbruch vorerst einfach nicht schaffte. «Scheisse, Mann!», schimpfte er nach einem Vorhandfehler, bei dem ihm der Punktgewinn das Break zum 3:2 im dritten Satz eingebracht hätte; ein von ihm schon lange nicht nicht mehr gehörter Kraftausdruck, der symbolisierte, mit welcher Hingabe und welchem Engagement er um den Finaleinzug kämpfte.

Federer hat bisher an diesem Turnier alles richtig gemacht. Und im Gegensatz zu den letzten beiden Endspielen in Wimbledon, die er gegen Novak Djokovic verlor, steht ihm nun am Sonntag ein Finalneuling gegenüber. Aber einer, von dem alle wissen, dass er die Mittel hat, auch Federer zu schlagen: Marin Cilic, der auf dem Weg zu seinem US-Open-Sieg 2014 auch dem Rekord-Grand-Slam-Sieger im Halbfinal keine Chance liess. Dieses klare Resultat von New York hallt nun nach - und könnte Federers Aufgabe sogar ein wenig einfacher machen. Weil Cilic nicht der ganz grosse Aussenseiter ist, dies nicht sein kann. Und weil Federer weiss, dass nur eine Bestleistung von ihm reichen wird, um erster achtfacher Wimbledonsieger der Geschichte zu werden. Und genau das wird er von sich selber auch erwarten.

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